Wortgottesdienst / Wort-Gottes-Feier

Erster Teil der Messfeier vor der Eucharistiefeier. Auch Bezeichnung für eigenständige gottesdienstliche Feiern (Wort-Gottes-Feier). Im Wortgottesdienst steht die Verkündigung des Wortes Gottes im Mittelpunkt.

Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil war der Wortgottesdienst der Eucharistiefeier in seiner Bedeutung untergeordnet und wurde darum oft als "Vormesse" bezeichnet. Demgegenüber betont die Liturgiekonstitution, dass die beiden Teile, aus denen die hl. Messe besteht, nämlich Wortgottesdienst und Eucharistiefeier, so eng miteinander verbunden sind, dass sie einen einzigen Kultakt ausmachen (SC 56).

Ort der Verkündigung des Wortes Gottes im Kirchenraum ist der Ambo. Der Wortgottesdienst der hl. Messe hat folgende Struktur: ein oder zwei Lesungen (Altes und Neues Testament außer Evangelien), Antwortpsalm nach der ersten Lesung, Ruf vor dem Evangelium (Halleluja, in der Fastenzeit ein anderer Ruf), Evangelium, Homilie, Credo (Glaubensbekenntnis) und Allgemeines Gebet (Fürbitten). Das Evangeliar kann in einer feierlichen Prozession zum Ambo getragen und dort mit Weihrauch inzensiert werden. Die 2. Lesung und das Glaubensbekenntnis entfallen an Werktagen. Während die erste und zweite Lesung von Lektoren vorgetragen werden, die in der Regel Laien sind, wird das Evangelium vom Priester oder Diakon verkündet.

Eine eigene Form des Wortgottesdienstes bildet die Wort-Gottes-Feier, die in Ausnahmefällen die sonntägliche Versammlung der Gemeinde als priesterloser Gottesdienst unter der Leitung von Laien gewährleisten kann. Für sie gibt es eigene Vorlagen.

Ich habe eine Nachfrage zu pgd 3/2016, S. 3: Dürfen Kommunionhelfer tatsächlich Wortgottesdienste mit Kommunionspendung leiten? Es gibt doch die eigenständige Beauftragung zum Wortgottesdienstleiter sowie eigene Werkbücher für die Wort-Gottes-Feiern. G.G.

Die Wortverkündigung ist wesentlich für jede gottesdienstliche Feier und soll nie wegfallen. Daher sind Sakramente und Sakramentalien, wie die Spendung der Krankenkommunion, Wortgottesdienste. Sofern Laien eine solche Feier leiten dürfen, werden sie entsprechend beauftragt. So können und sollen Kommunionhelfer, wenn sie die Krankenkommunion überbringen, immer auch das Wort Gottes verkünden. Die Feier der Krankenkommunion ist daher ein Wortgottesdienst mit Kommunionspendung, den die Kommunionhelfer aus ihrem Dienst heraus selbständig leiten dürfen.
Die Wort-Gottes-Feier als eigene Form unterscheidet sich vom eigentlichen Wortgottesdienst, der aus weniger Elementen besteht. Im Normalfall soll die Wort-Gottes-Feier zudem ohne Kommunionspendung stattfinden, wie die Werkbücher angeben. Die definitive Entscheidung darüber trifft aber der jeweilige (Erz-)Bischof für sein Gebiet. Deshalb kann die Beauftragung zur Leitung von Wort-Gottes-Feiern auch mit einer Beauftragung zur Kommunionspendung verbunden sein, muss es aber nicht.

Christoph Neuert, Trier

In der Eucharistiefeier spricht der Priester an mehreren Stellen die Gläubigen mit den Worten „Der Herr sei mit euch“ oder mit einer anderen Formel an, auf die die Gemeinde antwortet: „Und mit deinem Geiste.“ Warum dürfen wir als beauftragte Leiter einer Wort-Gottes-Feier die Gemeinde nicht mit dem gleichen Gruß ansprechen? B.W.

Es ist richtig: Die Grußformeln in der Liturgie, die von der Gemeinde mit „Und mit deinem Geiste“ beantwortet werden, sind den Amtsträgern Bischof, Priester, Diakon vorbehalten. Das ist nicht nur in der römisch-katholischen und in der altkatholischen Kirche so, sondern auch in den Kirchen des Ostens und in den meisten Kirchen der Reformation. Der Gruß zeigt an, dass der, der ihn ausspricht, jetzt nicht einfach in eigener Vollmacht handelt, sondern im Vorsteherdienst, zu dem er durch die in der Ordination empfangene Geistgabe ermächtigt ist. Das ist auch der Grund, warum die Gemeinde auf den Gruß nicht einfach mit den Worten „Und auch mit dir“ antwortet, sondern mit „Et cum spiritu tuo“ - „Und mit deinem Geiste“.

Es ist schade, dass dieser Zusammenhang wenig bekannt ist, denn wer ihn einmal erkannt hat, wird immer, wenn er einen solchen Gruß hört, daran erinnert, dass in der Liturgie etwas geschieht, das über unser eigenes Vermögen hinausweist. Dem Bischof, Priester und Diakon macht es bewusst, in wessen Auftrag er handeln darf, und den Gläubigen, dass das Wort unabhängig von Sympathien oder persönlichem Engagement seine Kraft hat.

Eduard Nagel

In unserem Liturgiekreis wurde vorgeschlagen, die sonst vorgesehenen Messintentionen auf die WGF zu verlegen, dies im Pfarrbrief anzuzeigen und die Namen der Verstorbenen oder Anliegen (z.B. um Beendigung des Krieges) in die Fürbitten aufzunehmen. Was spräche dagegen? W.B.

Messintentionen (z. B. für einen Verstorbenen) gehen in der Regel auf ein Messstipendium zurück, einer freiwilligen Geldgabedurch einen Spender. Messintentionen, die an ein solches Stipendium geknüpft sind, können darum nicht auf eine WGF umgelegt werden. Es spricht jedoch nichts dagegen, im Sonntagsgottesdienst jene Anliegen zu nennen, für die - mit Bezug auf den betreffenden Tag - ein Messstipendium gegeben wurde. Klar sein muss den Gebern der Stipendien ebenso wie der Gemeinde, dass das Stipendium weitergegeben wird, z. B. an eine Ordensgemeinschaft oder in die Mission, und dass dort dafür eine eigene Messe gefeiert („appliziert") wird. Die Einführung einer solchen Praxis ist eine gute Gelegenheit, den Gläubigen den Sinn des gemeinschaftlichen Gedenkens an ihre verstorbenen Glieder und des gemeinschaftlichen Gebets in besonders drängenden Anliegen ihrer Mitglieder zu erschließen. In Bezug auf die WGF bedeutet dies auch, dass die WGF als Gemeindegottesdienst ernst genommen wird, in dem sie sich ihrer Identität vergewissertund die gegenseitige Verantwortung ihrer Glieder wahrnimmt. Das dient auch einer spirituellen Vertiefung.

Eduard Nagel

Kürzlich habe ich in einer Kirchenzeitung gelesen, dass in Wort-Gottes-Feiern Gebete und Segen vom Ambo aus gesprochen werden sollen. Stimmt das? J. G.

Nein, das stimmt nicht. Der Ambo ist ein besonderer Ort, der für die Verkündigung des Wortes Gottes reserviert ist. An ihm werden ausschließlich Lesungen, Antwortpsalm, ggf. Homilie und Fürbitten vorgetragen (in der Osternacht auch das „Exsultet“). In Eucharistiefeiern betet der Priester das Tages- und Schlussgebet vom Vorstehersitz aus (ein/e Ministrant/in hält das Messbuch) und das Gabengebet, das die Gabenbereitung beschließt, vom Altar aus. Schlussgebet und Segen können aber auch am Altar gesprochen werden, auf keinen Fall jedoch am Ambo. - Bei einer Wort-Gottes-Feier hingegen gibt es kein Gabengebet (und ein Schlussgebet ist nur als Abschluss eines evtl. möglichen Kommunionteils vorgesehen). Der / die beauftragte Gottesdienstleiter/in spricht also neben den liturgischen Grußworten und Gebetseinladungen (zum Schuldbekenntnis, zum Vaterunser …) an Gebeten nur das Eröffnungsgebet und evtl. ein Segensgebet vor der Segensbitte. Dies geschieht weder am Altar, noch am Ambo, sondern stehend von dem Platz aus, den der / die Gottesdienstleiterin im Gottesdienst hat. Dieser soll nicht der Sitz sein, auf dem sonst in Eucharistiefeiern der Priester sitzt. Sinnvoll ist ein Ort mit Mikrofon, schräg zur Gemeinde, von wo aus man sich bei Grüßen, Gebetseinladungen und Segen der Gemeinde zuwenden und bei Gebeten sich mit ihr gemeinsam dem Kreuz oder Altar zuwenden kann.

Eduard Nagel

Wenn in unserer Gemeinde am Sonntag kein Priester da ist, haben wir bislang einfach den Wortgottesdienst der Messe gefeiert. Jetzt haben wir gehört, dass für solche Fälle so genannte Wort-Gottes-Feiern mit einer eigenen Struktur vorgesehen sind. Warum ist das so?

Wort-Gottes-Feiern (WGF) an Sonn- und Festtagen besitzen eine eigene Struktur, um eine Verwechslung mit der Eucharistiefeier auszuschließen. So wird auch der Eindruck vermieden, die WGF sei einfach der erste Teil der Messfeier, der die Mahlfeier fehlt. Sie besteht aus vier Teilen: Eröffnung - Verkündigung des Wortes Gottes - Antwort der Gemeinde - Abschluss.

In der Verkündigung des Wortes Gottes begegnet die Gemeinde Jesus Christus. Dies ruft nach einer Antwort. Nach den Fürbitten und dem Glaubensbekenntnis ist dies in der Messfeier das große Dankgebet, das Eucharistische Hochgebet. In der WGF antwortet die Gemeinde Gott mit dem sonn- bzw. festtäglichen Lobpreis, der (außerhalb der Fasten- und Adventszeit) mit dem Gloria-Hymnus schließt. Bittend trägt sie dann im Allgemeinen Gebet die Anliegen der Welt und der Kirche vor Gott. - Wenn Sie also nur den Wortgottesdienst der Messe feiern, dann fehlt ein wesentliches Element: das dankbare Lob. Das werden auch manche Gläubige als Mangel empfinden, so dass diese Form in ihren Augen weniger „wert" ist. Dem Lobpreis können noch weitere Antwortelemente vorangehen, die der WGF ihre eigene Prägung verleihen.

Antonia Manderla

Warum kommt im neuen Schweizer Wort-Gottes-Feier-Buch der Bußakt erst nach dem Evangelium?

Das neue Feierbuch „Die Wort-Gottes-Feier am Sonntag“ (herausgegeben im Auftrag der Bischöfe der deutschsprachigen Schweiz) versucht, die Wort-Gottes-Feier als eigene Feierform gegenüber der Messe zu profilieren. Dort ist der Bußakt Teil der Eröffnung. Der Bußakt nach dem Evangelium hat einen anderen Charakter als der Bußakt der Messe. Die Stellung nach dem Evangelium im 3. Teil der Feier verweist auf den Antwortcharakter: Wenn wir das Wort der Schrift gehört haben, realisieren wir auch, dass wir immer wieder hinter dem Anspruch dieses Wortes zurückbleiben. Das Bekenntnis der Schuld ist deshalb eine Antwort auf das Gehörte. Als Zeichenhandlung ist der Bußakt anders als in der Messe mit dem (fakultativen) Empfang eines Versöhnungsworts und mit dem Zeichen des Friedensgrußes verbunden.

Schließlich möchte das neue Feierbuch Varianten für Feiern im Jahreskreis anbieten. Die Feier mit Bußakt und Versöhnung kann zwar immer verwendet werden, eignet sich aber besonders für die Advents- und Österliche Bußzeit.

Wird eine Wort-Gottes-Feier mit Kommunionspendung gehalten, ist ein Schuldbekenntnis auch im neuen Feierbuch und im Ergänzungsheft „Feierliche Kommuniongebete" Teil der Eröffnung (vgl. Randnummer 10).

Gunda Brüske, Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz, Fribourg

Quelle: www.liturgie.ch