Wallfahrt

Unter dem Begriff „Wallfahrt“ (von wallen = in eine bestimmte Richtung ziehen) versteht man allgemein den religiös motivierten Besuch heiliger Stätten, an denen das Göttliche in besonderer Weise präsent zu sein scheint. Wallfahrten sind in vielen Religionen eine grundlegende und selbstverständliche Glaubenspraxis. Berühmt ist etwa die große muslimische Pilgerreise nach Mekka (Haddsch).

Die ersten Wallfahrtsziele im frühen Christentum stellten die verschiedenen Wirkungsorte Jesu Christi im Heiligen Land dar. Kaiser Konstantin (306-337) ließ dort gewaltige Wallfahrtskirchen errichten. Mit dem Einsetzen der Märtyrerverehrung pilgerten Christen auch zu den Gräbern der Heiligen, z. B. nach Rom oder Santiago de Compostela, um dort deren Fürsprache anzurufen, Totenmahl zu halten oder die Eucharistie zu feiern. Später kamen Wallfahrten zu Gnadenbildern oder Marienerscheinungen (Fátima, Lourdes, Guadalupe) hinzu. In der gesamten christlich geprägten Welt entwickelte sich ein komplexes Wallfahrtswesen, das von kirchlicher und staatlicher Seite Lenkung und Schutz erfuhr, in früheren Zeiten leider auch als Vorwand zur Herrschaftssicherung und zum Ausbau eigener Macht missbraucht wurde (Kreuzzüge des Mittelalters).

Wallfahrten dienen traditionell der Vertiefung des Glaubens, der Umkehr und des intensiven Erlebens von Gemeinschaft. Vereinzelt kann auch die Erfüllung eines Gelübdes das Motiv für diese Art von Reise sein. Am Beginn einer Wallfahrt sollte eine Eucharistiefeier, ein Wortgottesdienst oder eine Hore des Stundengebets mit abschließendem „Pilgersegen“ (Benediktionale, Nr. 25) stehen.

Manuel Uder