Opfer

Im Alten Testament wurde unter Opfer die rituelle Opfergabe verstanden, die in Form eines Speise- oder Brandopfers, meistens eines Tieres, Gott von dem dazu berufenen Priester auf dem Altar (vor dem Offenbarungszelt oder später im Tempel) dargebracht wurde. Das Opfer wurde als Sühneopfer stellvertretend für denjenigen dargebracht, der das göttliche Gesetz übertreten hatte. Ganz Israel brachte jährlich zum Paschafest, dem Tag des Auszugs aus Ägypten (Ex 12), Opferlämmer dar. Es konnte aber auch ein Dankopfer zur Ernte sein, mit dem ausgedrückt wurde, dass Gott als Schöpfer und Lenker des Lebens der erste Anteil der eingebrachten Ernte gehört.

Im Kontrast zu den rituellen Opfern, die besonders das Buch Levitikus (3. Buch Mose) beschreibt, werden vor allem unter den Propheten Stimmen laut, die vom rituellen Aspekt abkehren und vom Opfer eine moralisch-gesellschaftliche Dimension fordern sowie vom Spender eine innere Umkehrbereitschaft verlangen. In der Zeit des Babylonischen Exils nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im 6. Jh. vor Chr. wird die innere Dimension der Umkehr sowie das Gebet, besonders das Lob Gottes, als Opfer für das Volk Israel umso wichtiger.

An die Bedeutung der inneren Einstellung knüpft auch Jesus in seinen Vorwürfen gegenüber den Schriftgelehrten an. Dies bezieht sich vor allem auf solche Opfergaben, die zugleich Almosen sind. Sie zu geben, ist Dienst an den Menschen, die der Hilfe bedürfen. Die alttestamentliche Form des Sühneopfers dagegen ist durch den Tod Jesu Christi überwunden worden. Er selbst ist das Paschalamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (vgl. Joh 1, 29).

Im Gedächtnis an Jesu Opfertod am Kreuz zum Heil aller Menschen (nicht nur der Christen) feiert die Kirche die Eucharistie. Sie wiederholt dieses Opfer nicht und vermehrt es auch nicht, sondern hat durch ihren Vollzug Anteil am Opfertod des Herrn (Pascha-Mysterium). Eng mit dem Opfertod Jesu ist seine Auferstehung verbunden. Auch diese feiert die Kirche in jeder Eucharistie, wie die Akklamation nach den Einsetzungsworten ausdrückt: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."