O-Antiphonen

Die letzten sieben Tage vor Weihnachten haben seit dem 7. Jh. einen besonderen liturgischen Akzent, den meist nur jene kennen, die das Stundengebet pflegen. An diesen Tagen wird das Magnifikat der Vesper von den so genannten O-Antiphonen umrahmt - gesungene Verse, die so heißen, weil sie jeweils mit einer Christus-Anrufung beginnen, die eine der großen alttestamentlichen Messias-Verheißungen aufgreift:

  • „O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten - die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles: o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht!" (17. 12.)
  • „O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel - im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!" (18. 12.)
  • „O Spross aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen für die Völker - vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger!" (19. 12.)
  • „O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel - du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!" (20. 12.)
  • „O Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!" (21. 12.)
  • „O König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der den Bau zusammenhält: o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!" (22. 12.)
  • „O Immanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker: o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!" (23. 12.)

Jede Christus-Anrufung mündet in die Bitte „Komm!", z.B. die erste: „Komm und offenbare uns den Weg der Einsicht" oder die zweite: „komm und befreie uns mit deinem starken Arm".

Diese schöne Tradition lässt sich z.B. pflegen durch tägliche Kurzgottesdienste unter dem Thema „Komm, Emmanuel!" als Vorbereitung auf Weihnachten. Mögliche Elemente sind: Vortrag der Antiphon, entsprechende Schriftlesung und Auslegung, Bitten, gemeinsamer Gesang der Antiphon. Ausgearbeitete Vorschläge bieten GL (1975) 772 / KG 327 sowie „Morgenlob - Abendlob mit der Gemeinde feiern. Advent - Weihnachtszeit. Dienstebuch" Nr. 87. Lied-Fassungen der O-Antiphonen finden sich in GL (2013) 222 / KG 304, „Morgenlob - Abendlob" Nr. 86 und 231.

Die O-Antiphonen sind auch in den Eucharistie- oder Wort-Gottes-Feiern vom 17. bis 23. Dezember vorgesehen, und zwar als Halleluja-Verse vor dem Evangelium.

Redaktion