Liturgiewissenschaft (Liturgik)

Die Liturgiewissenschaft (Liturgik) ist die theologische Disziplin, die sich wissenschaftlich mit Gottesdienst, Liturgie und religiöser Feierpraxis beschäftigt. Sie untersucht die Formen, Inhalte und Bedeutungen liturgischer Feiern sowie deren geschichtliche Entwicklung und gegenwärtige Gestalt. Im Mittelpunkt stehen etwa die Eucharistie und die weiteren Sakramente, das Stundengebet, das Kirchenjahr und die vielfältigen rituellen Ausdrucksformen der sog. „Volksfrömmigkeit“. Liturgiewissenschaft fragt dabei nicht nur nach äußeren Abläufen, sondern auch nach dem Verständnis von Kirche, Glaube und Gottesbeziehung, das sich in der Liturgie ausdrückt.

Zu ihren Arbeitsfeldern gehören besonders die historische Erforschung liturgischer Quellen und Traditionen, die systematisch-theologische Reflexion über Wesen und Sinn der Liturgie sowie die praktische Frage nach heutiger Feiergestalt und pastoraler Umsetzung. Ihre Quellen sind Texte, Musik, Räume, Kunstwerke, Gesten, Sprache und weitere kulturelle Ausdrucksformen des Gottesdienstes. Dabei steht sie in engem Austausch mit anderen theologischen Fächern wie Bibelwissenschaft, Dogmatik, Kirchengeschichte, Kirchenrecht, Pastoraltheologie und Spiritualität. Sie arbeitet dabei in der Regel ökumenisch und manchmal sogar religionsübergreifend (v. a. im Hinblick auf die jüdischen Wurzeln christlicher Liturgie). Ebenso hat die Liturgiewissenschaft Schnittstellen mit vielen nichttheologischen Fächern (Geschichte, Philologien, Soziologie, Anthropologie, Psychologie, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Archäologie, …).

In der katholischen Theologie gewann die Liturgiewissenschaft besonders durch die Liturgische Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts sowie durch das Zweite Vatikanische Konzil große Bedeutung. Seitdem zählt sie zu den zentralen theologischen Fächern. Das Konzil bezeichnet die Liturgie als „Höhepunkt und Quelle“ des kirchlichen Lebens (SC 10), was auch die gesamtkirchliche Bedeutung ihrer Forschungen unterstreicht. Liturgiewissenschaft dient daher nicht nur dem historischen Kenntnisgewinn, sondern trägt in großem Maße dazu bei, Gottesdienste heute bewusst, würdig und theologisch verantwortet zu feiern.

Manuel Uder, Trier

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