Das Kreuz (lat. crux) ist das zentrale Symbol des Christentums. Es erinnert an den Kreuzestod Jesu Christi, verweist gleichzeitig auf seine Auferstehung und symbolisiert die christliche Hoffnung auf Erlösung. Die Kreuzigung galt in der Antike als besonders grausame bzw. schändliche Hinrichtungsart. Die Römer vollzogen sie daher hauptsächlich an Nichtrömern und Sklaven. Die Christen bekannten sich seit der ersten Generation zu Jesus Christus als dem Gekreuzigten (vgl. Gal 3,1). Im Zusammenhang mit dem Sündenfall Adams (vgl. Gen 3) deuteten sie das Kreuz als „Baum des Lebens“.
Ab dem 4. Jahrhundert erlangte das Kreuz im Römischen Reich zunehmend öffentliche Bedeutung. Der Überlieferung nach erschien Kaiser Konstantin († 337) in einer Vision vor einer Schlacht das Kreuz als Siegeszeichen; seine Mutter Helena († 330) soll Reste des Kreuzes Jesu in Jerusalem aufgefunden haben. Im Laufe der Zeit entwickelten sich unterschiedliche Darstellungsformen in der Kunst: Bis zum 11. Jahrhundert wiesen Kreuze in der Regel keinen Corpus auf, waren jedoch oftmals reich geschmückt bzw. verziert (Gemmenkreuze). In der romanischen Kunst (11.–13. Jahrhundert) wird Christus am Kreuz meist als siegreicher Herrscher dargestellt, während in der Gotik (ab dem 13. Jahrhundert) sein Leiden stärker dominiert. Diese Entwicklung ist jedoch nicht als strikte Abfolge zu verstehen; unterschiedliche Darstellungsweisen bestehen nebeneinander.
In der katholischen Liturgie hat das Kreuz verschiedene Funktionen. Bei Prozessionen wird es meist als Prozessionskreuz vorangetragen; ein Kreuz auf oder in der Nähe des Altars macht die Gegenwart des Gekreuzigten Christus während des Gottesdienstes sichtbar. Weitere Formen sind das Brustkreuz (Pektorale) von Bischöfen oder der Kreuzesstab (Ferula) des Papstes. Zudem findet das Kreuz als liturgische Zeichenhandlung Verwendung, z. B. als Segensgestus. In den beiden letzten Wochen vor Ostern („Passionszeit“) wird das Kreuz mancherorts verhüllt, um in der Karfreitagsliturgie enthüllt und verehrt zu werden. In der Osterzeit und darüber hinaus wird es mit einem immergrünen Zweig geschmückt, der das durch die Auferstehung eröffnete neue Leben symbolisiert. Das Fest Kreuzerhöhung am 14. September stellt das Kreuz als Symbol des Heils in den Mittelpunkt.
Robin Welle, Freiburg i. Br.