Fasten

Fasten als Verzicht auf Essen und Trinken aus religiösen Motiven gibt es bei vielen Kulturvölkern. Im Alten Testament findet sich Fasten als Ausdruck von Trauer, von Buße, zur Intensivierung des Gebets und als Vorbereitung auf große Ereignisse. Jesus fastet zu Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit 40 Tage lang, aber er warnt auch davor, das Fasten zur Schau zu stellen (Mt 6,16-18).

Auch in der Urgemeinde wird gefastet (Apg 13,2; 14,23), und schon sehr früh gelten Mittwoch und Freitag als regelmäßige Fasttage. Das „Trauerfasten" am Karfreitag und Karsamstag, weil den Jüngern der Bräutigam genommen ist (vgl. Mt 9,15), war ein Vollfasten ohne jedes Essen und Trinken; selbst auf die Eucharistie wurde verzichtet. Dieses Fasten wurde auf die Karwoche und dann auf 40 Tage vor Ostern ausgedehnt, wobei die Sonntage ausgenommen waren und nicht gezählt wurden. In dieser Zeit bestand Fasten in der Beschränkung auf täglich eine Mahlzeit, der Enthaltung von Fleisch und Wein, später auch von Milchprodukten und Eiern. Seit dem Hochmittelalter werden die Fastenregeln immer weiter abgemildert; heute gelten nur noch Aschermittwoch und Karfreitag als Fasttage, während ganz profan Fasten aus gesundheitlichen Gründen empfohlen und auf vielfältige Weise praktiziert wird.

Allerdings wächst inzwischen auch wieder das Verständnis dafür, dass Fasten nicht nur das leib-seelische Wohlergehen fördert, sondern dass körperliche Disziplin und bewusster Verzicht auf Annehmlichkeiten und der Ausstieg aus Gewohnheiten innerlich frei macht und den Menschen für geistliche Erfahrungen öffnet.

Eduard Nagel

Inwiefern ist es liturgisch sinnvoll oder gar empfehlenswert, in der „Passionszeit“ eine Altarwand zu verhüllen, welche die Vision des Stephanus (Apg 17,55) zum Thema hat? H. S.

Die Verhüllung von Kreuzen und Bildern ab dem früher so genannten „Passionssonntag“ (5. Fastensonntag) ist mehr dem Brauchtum zuzuordnen als der Liturgie. Einen Zwang dazu gibt es nicht. Darum finden sich diesbezüglich auch keine genaueren Vorschriften. Im Messbuch heißt es: „Der Brauch, die Kreuze und Bilder in den Kirchen zu verhüllen, soll beibehalten werden. In diesem Fall bleiben die Kreuze verhüllt bis zum Ende der Karfreitagsliturgie, die Bilder jedoch bis zum Beginn der Osternachtfeier.“ (MB, S. 122) Die Verhüllung betraf ursprünglich nur Triumphkreuze, also Darstellungen des siegreichen Christus, der Leiden und Tod überwunden hat. Ebenso verhängte man alle Bilder, auf denen die himmlische Herrlichkeit dargestellt war, auch Heiligenbilder. In der Heiligen Woche sollte allein das Leiden des Herrn (und das Leiden der Heiligen in seiner Nachfolge) im Zentrum der frommen Betrachtung stehen. Eine Altarwand mit der Vision des Stephanus besitzt durchaus triumphalen Charakter: Dem Heiligen eröffnet sich in seiner Schau die himmlische Herrlichkeit ? sogar der verherrlichte Menschensohn selbst zur Rechten des Vaters - als Veranschaulichung dessen, was ihm aufgrund seines Martyriums zuteil wird: die Heiligkeit. Eine Verhüllung des Bildes wäre daher durchaus gerechtfertigt und sinnvoll.

Manuel Uder

In unserer Gemeinde war am 1. Fastensonntag Firmung, allerdings ohne brennende Osterkerze. Die Leute haben sich beschwert, denn eigentlich muss sie doch da sein wegen des engen Bezugs der Firmung zu Taufe. Anders war es bei einer Taufe am 2. Fastensonntag: Dort brannte die Osterkerze neben dem Taufbecken. Wann soll sie nun brennen, wann nicht? Sollten vielleicht in der Fastenzeit überhaupt keine Taufen oder Firmungen stattfinden? C.-E. H.

Die Osterkerze, die in der Osternacht als Symbol des Auferstandenen feierlich entzündet, in die Versammlung getragen und besungen wird, ist das zentrale Symbol des Auferstandenen in der Osterzeit. Außerhalb dieser 50 Tage sollte sie normalerweise nicht brennen, um ihre Aussagekraft nicht zu mindern. Doch gibt es auch Anlässe, zu denen es sinnvoll ist, die Osterkerze brennen zu lassen. Ein solcher ist die Tauffeier, weil durch sie der Mensch aufgenommen wird in die Heilsgemeinschaft, die in Jesu Auferstehung gründet. Entsprechendes gilt auch für die Firmung, da mit ihr der Weg der vollen Eingliederung in die Kirche fortgesetzt wird.

Ein allgemeines Verbot für Taufen und Firmungen innerhalb der Österlichen Bußzeit gibt es nicht. Um den Charakter dieser 40 Tage als Vorbereitungszeit auf Ostern bzw. auf die Osternacht, in der traditionell die Sakramente der Eingliederung in die Kirche (Taufe, Firmung, Erstkommunion) gespendet werden, ernst zu nehmen, sollte man jedoch diese Feiern nur in dringenden Ausnahmefällen zulassen.

Manuel Uder