Der Begriff „Exorzismus“ stammt vom griechischen exorkizein („hinausbeschwören“) ab und bezeichnet ein religiöses Ritual, mit dem Menschen oder Dinge unter Anrufung Gottes vom Einfluss des Bösen befreit werden sollen. Viele verbinden mit dem Begriff vor allem drastische Szenen wie im Horrorklassiker „Der Exorzist“ (1973). Dort erscheint der Exorzismus als spektakulärer Kampf mit dämonischen Mächten, der von übersinnlichen Phänomenen begleitet wird. Die Wirklichkeit ist dagegen deutlich nüchterner und von einer klaren liturgischen Ordnung geprägt. Dabei kommen Gebete, Schriftlesungen, Segnungen und Zeichenhandlungen wie die Handauflegung zum Einsatz.
Die christliche Vorstellung vom Exorzismus wurzelt im Neuen Testament. Jesus selbst wird mehrfach als jemand geschildert, der Dämonen austreibt (vgl. Mk 1,21–28), und auch seinen Jüngern wird Vollmacht über böse Geister zugesprochen. Schon früh entwickelten sich daraus liturgische Formen des Exorzismus. Unterschieden wird zwischen dem „Großen Exorzismus“, der bei vermuteter Besessenheit angewandt wird, und den sogenannten kleinen Exorzismen, die etwa Bestandteil der Taufvorbereitung waren und teilweise bis heute in der Taufliturgie vorkommen. Sie verstehen sich als Gebete um Schutz und Stärkung gegen das Böse.
1999 veröffentlichte der Vatikan erstmals seit 1614 eine grundlegende Neubearbeitung des Exorzismusrituals. Im Mittelpunkt steht nun weniger der direkte Befehl an den Dämon als vielmehr das Gebet zu Gott um Befreiung des betroffenen Menschen. Der Ritus betont den Sieg Jesu Christi über das Böse und ist äußerst streng geregelt: Nach katholischem Kirchenrecht darf der Große Exorzismus nur mit Erlaubnis des Ortsbischofs und von eigens beauftragten Priestern durchgeführt werden. Es ist zudem eine sorgfältige medizinische und psychologische Begleitung verpflichtend, um Erkrankungen ausschließen. In Mitteleuropa spielt der Große Exorzismus heute nur noch eine marginale Rolle, während er in anderen Weltregionen weiterhin häufiger praktiziert wird. Eine deutschsprachige Übersetzung des erneuerten Rituals wurde bisher nicht offiziell approbiert.
Manuel Uder, Trier