Erntedank

Die existenzielle Erfahrung, dass der Mensch sein Leben nicht sich selbst verdankt, dass er zwar von seiner Hände Arbeit aber auch von den oft unberechenbaren Wachstumszyklen der Natur abhängig ist, hat in allen menschlichen Kulturen zu Erntefesten geführt. Dabei wurde den Göttern gedankt und ihnen ein Anteil der Ernte als Opfer zurückgegeben, um sie so zugleich um eine neue Ernte zu bitten.

Auch für Juden und Christen ist der Erntedank im Rahmen der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Bundesvolk von Bedeutung: Gott ist als Schöpfer der Welt auch der, der sie im Dasein hält, der Leben schenkt und Nahrung gibt (vgl. Pss 136; 145). Entsprechend wurde in der jüdischen wie der christlichen Geschichte immer wieder an Erntefeste der heidnischen Umwelt angeknüpft - als besondere Anlässe zum Lobpreis Gottes, des Schöpfers. Ein Zehntel der Ernte wurde früher Gott „geopfert", allerdings immer auch im sozialen Sinn: Es wurde für den Unterhalt der Synagogen und Kirchen und für die Armenfürsorge verwendet.

Im katholischen Kalender ist Erntedank kein eigenes Fest im Herrenjahr, weil es nicht Teil des Pascha-Mysteriums Christi ist, das Christen an jedem Sonn- und Festtag feiern. Deswegen und wegen der unterschiedlichen Klimazonen kennt die katholische Kirche keinen einheitlichen Termin für den Erntedank. 1972 hat die Deutsche Bischofskonferenz den ersten Oktobersonntag empfohlen. Wir feiern nicht „Erntedank", sondern die Eucharistie und den Sonntag. Wir begehen aber Erntedank und nehmen diesen Tag zum Anlass, die Freude und den Dank für Schöpfung, Ernte und Leben in der Eucharistiefeier in besonderer Weise zum Ausdruck zu bringen.

Redaktion