Einzug - Auszug

Der Einzug des Zelebranten (Priester) und der anderen Altardienste zu Beginn der Messe erfolgt in einer Art Prozession (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch = AEM 25): "Ist die Gemeinde versammelt, beginnt man beim Einzug des Priesters und jener, die einen besonderen Dienst versehen, mit dem Gesang zur Eröffnung (Introitus). Er hat die Aufgabe, die Feier zu eröffnen, die Verbundenheit aller Teilnehmer zu vertiefen, sie in das Mysterium der liturgischen Zeit oder des Festes einzuführen sowie den Einzug des Priesters und jener, die einen besonderen Dienst versehen, zu begleiten. " Einzug oder Einzugprozession bilden somit zusammen mit dem begleitenden Gesang den ersten Teil der Eröffnung einer jeden Messfeier, werden aber auch bei feierlichen Laudes und Vespern durchgeführt.

Von einem Auszug ist in der AEM nirgends die Rede. Dennoch wird er in vielen Gemeinden ebenfalls von einem Gesang begleitet, womit man verhindert, dass die Gemeindemitglieder die Kirche vor dem Priester und den anderen Altardiensten verlassen. Wo das Evangelium beim Einzug feierlich mit in die Kirche gebracht wird, bleibt dieses nach Beendigung der Messe liegen und wird beim Auszug nicht mitgenommen. Dadurch und durch den Verzicht auf sonstige feierliche Symbolik wie Inzens vor oder beim Auszug soll der Eindruck vermieden werden, dass der Herr wieder aus der Kirche ausziehe. Übersehen wird dabei, dass das auch dahingehend positiv gedeutet und verstanden werden könnte, dass der Herr seine Gemeinde in das weltliche Leben begleitet.

Als Diakon habe ich bisher immer das Evangeliar beim Einzug mitgetragen. Nach der Verkündigung des Evangeliums habe ich es auf dem dafür vorgesehenen Pult abgelegt. Dort bleibt es dann auch nach dem Gottesdienst liegen. Jetzt will der neue Pfarrer, dass ich das Buch am Ende der Messfeier beim Auszug in die Sakristei zurücktrage. Ist das richtig? K. B.

Aus Ihrem Schreiben geht nicht hervor, warum der neue Pfarrer das will. Liturgisch ist es jedenfalls richtig und sinnvoll, das Evangeliar am Ende des Gottesdienstes liegen zu lassen. Das Mittragen beim Einzug stellt symbolisch dar: Jetzt kommt Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort Gottes, in unsere Mitte. Wenn dann das Evangeliar auf dem Altarabgelegt wird, kommt der enge Zusammenhang zum Ausdruck zwischen dem verkündeten Wort Gottes und dem eucharistischen Geschehen auf dem Altar. Und wenn das Evangeliar nach der Verkündigung des Evangeliums auf einer geeigneten Ablage öffentlich ausgestellt wird und nicht einfach irgendwo verschwindet, heißt das: Das lebendig verkündete Wort bleibt unter uns gegenwärtig. Würde man dann das Buch beim Auszug feierlich wieder hinaustragen, hieße das symbolisch: Das war's! - Eine solche Zeichenhandlung wäre also sicher nicht im Sinne dessen, was vorher ausgedrückt wurde. Darum wird das Buch liegen gelassen - im Idealfall sogar die ganze Woche über an einer geeigneten Stelle, so dass Kirchenbesucher jederzeit darin lesen können.

Eduard Nagel

Beim Einzug einer großen Ministration gehen die Rauchdiener vor den Leuchterdienern, bei Evangelienprozession und Auszug aber hinter ihnen. Gibt es da einheitliche Vorgaben? C. D., Pfr.

Für eine große Ministration in der Gemeinde gibt es bestenfalls indirekte Angaben in AEM und GORM. Jedoch legt das Zeremoniale für die Bischöfe (2008) eine Einzugsordnung für Messen unter Vorsitz des Bischofs fest. Zusammengefasst sagt es: Erst kommt Weihrauch, dann das von zwei Leuchtern begleitete Kreuz (Nr. 128; vgl. pgd 5/2005, S. 7).
Bei der Evangelienprozession gehen dem Diakon die Rauchdiener und die Leuchterträger voraus (Zeremoniale, Nr. 140, 6. Abs.). Hier ist die Frage, ob diese Reihenfolge vom Standpunkt des Diakons (vor ihm Rauch, davor die Leuchter) oder von der Gemeinde aus (erst Rauch, dann Leuchter) zu sehen ist. In Gemeindemessen laufen meist die Leuchterdiener vorneweg. Dies erlaubt eine einfachere Anreichung des Rauchfasses. Laufen, analog zum Einzug, die Rauchdiener zuerst, sind die brennenden Kerzen eindeutig dem Wort Gottes im Evangeliar zugeordnet (diese Möglichkeit ist z.B. in Lehrbrief 6 von „Liturgie im Fernkurs“ abgebildet). Beide Reihenfolgen sind also möglich.
Der Auszug erfolgt „in derselben Ordnung wie beim Einzug“ (Zeremoniale, Nr. 170, 1. Abs.). Da in den Gemeindemessen dann aber meist kein Weihrauch mitgetragen wird, ist es üblich, dass die an dieser Stelle tätigkeitslosen Rauchdiener nach dem von den Leuchtern begleiteten Kreuz ausziehen.

Christoph Neuert, Trier