Der Effata-Ritus ist ein ausdeutender Ritus der Taufliturgie, der auf die Heilung eines Taubstummen durch Jesus zurückgeht (vgl. Mk 7,31–37). Das aramäische Wort effata bedeutet „Öffne dich!“. Der Zelebrant berührt bei diesem Ritus Ohren und Mund des Täuflings und spricht die Bitte, Christus möge ihm die beiden Sinnesorgane öffnen, damit er Gottes Wort höre und den Glauben bekenne.
Der Ritus verdeutlicht zudem die Verbindung von Wortverkündigung und Glaubensbekenntnis. Deshalb kann er nach dem deutschsprachigen Kindertaufrituale auch am Ambo vollzogen werden, dem Ort der Schriftverkündigung. Wort und Zeichen ergänzen sich gegenseitig: Die Berührung von Ohren und Mund macht sichtbar, was das Gebet ausspricht. Der Effata-Ritus erinnert daran, dass christlicher Glaube aus dem Hören des Evangeliums lebt und zur Verkündigung führt.
Historisch stammt der Effata-Ritus aus dem Erwachsenenkatechumenat der Alten Kirche. Im Mittelalter wurde er mit exorzistischen Elementen verbunden und unter Verwendung von Speichel (in direkter Anlehnung an Mk 7,33) vollzogen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde der Ritus vereinfacht und stärker an der biblischen Vorlage orientiert: Speichel und exorzistische Elemente entfielen, statt Ohren und Nase werden heute Ohren und Mund berührt. So zeigt der Effata-Ritus beispielhaft, wie liturgische Zeichen aus der Heiligen Schrift hervorgehen und das Evangelium im Gottesdienst vergegenwärtigen.
Manuel Uder, Trier