Agnus Dei

Agnus Dei (lat. = Lamm Gottes) bezeichnet in der Messfeier den Gesang oder Ruf zur Brotbrechung vor der Kommunion. Der Name stammt von den Anfangsworten der lateinischen Fassung: „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.“ – „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser.“ Die Anrufung greift das Wort Johannes des Täufers über Jesus auf: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29). Damit wird Christus als der bezeichnet, der sich hingibt und Heil schenkt.

Liturgisch begleitet das Agnus Dei die Brotbrechung nach dem Friedensgruß. Der Ruf kann so oft wiederholt werden, wie es die Dauer dieses Ritus erfordert; meist erklingt er dreimal. Beim letzten Anruf lautet die Bitte gewöhnlich: „Gib uns deinen Frieden.“ So verbindet das Agnus Dei die Betrachtung des Kreuzesopfers Jesu Christi mit der Bitte um Erbarmen, Versöhnung und Frieden. Sein Charakter ist zugleich anbetend und flehend.

Das Bild vom Lamm Gottes reicht tief in die biblische Tradition zurück. Es erinnert an das Paschalamm des Exodus, an das leidende Gottesknechtslied „wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt“ (Jes 53,7), an die christologische Deutung in Apg 8,32–35 sowie an das siegreiche Lamm in der Offenbarung des Johannes (Offb 5,6ff.). Seit dem frühen Mittelalter gehört das Agnus Dei fest zur römischen Messe; auch im Gloria erscheint die Anrufung „du nimmst hinweg die Sünde der Welt“. So verdichtet sich in diesem kurzen Gesang zentrale christliche Glaubensaussage: Christus schenkt durch seine Hingabe Erbarmen und Frieden.

Manuel Uder, Trier

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