Heft 1/2016Schwerpunkt: Der Weg der Barmherzigkeit

Inhalt

Mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus – wieder einmal – ein Zeichen gesetzt. Eindrucksvoll hat er bei seinem Besuch in der Zentralafrikanischen Republik unterstrichen, worum es ihm bei der Barmherzigkeit geht. Indem er die Heilige Pforte in Bangui schon vor dem offiziellen Termin am 8. Dezember 2015 öffnete, machte er deutlich, dass ihm die Menschen in dem von Krieg und Krisen erschütterten Herzen Afrikas mehr am Herzen liegen als Zeremonien in der europäischen Peripherie. Als er Bangui als spirituelle Hauptstadt der Welt bezeichnete, zeigte sich einmal mehr, dass der Papst das Bild der immer noch westlich geprägten Weltkirche verändert. Und als er die Pforte öffnete, erbat er für Bangui, die ganze Zentralafrikanische Republik und alle Länder, die unter Krieg leiden, Frieden – seine Sorge gilt den Menschen, deren Leib und Leben bedroht sind.

Barmherzigkeit wendet sich den Menschen in ihren existentiellen, auch spirituellen Nöten zu. Das spiegelt sich auch in den Beiträgen dieses Heftes wider. Sie beleuchten verschiedene Facetten der Barmherzigkeit und haben doch eines gemeinsam: den Gedanken, dass die Barmherzigkeit sich dem konkreten Leben der Menschen zuwendet und es neu schafft zu einem guten Leben. In dieser verändernden Kraft der Barmherzigkeit liegt auch ihr politisches Potential.

Der revolutionären Kraft der Barmherzigkeit steht wohl einzig die Trägheit der Menschen entgegen. Als ich mit Schwester Prema Packumala, einer indischen Ordensschwester, über die Barmherzigkeit gesprochen habe, brachte sie diese Schwierigkeit auf den Punkt: »Man kann viel über Barmherzigkeit reden. Man kann auch viel darüber schreiben, was andere über Barmherzigkeit gesagt haben. Das Schwierige ist, Barmherzigkeit zu leben.«