Nicht immer auf AugenhöheKooperation

In der Zusammenarbeit von Schule und Hort knirscht es bisweilen gewaltig. Fehlendes Interesse und mangelnde Kommunikation erschweren die Kooperation. In solchen Situationen ist es hilfreich, den Blick auf die Bedürfnisse der Kinder zu richten.

Nicht immer auf Augenhöhe
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Ich weiß aber, dass noch Glitzerpapier da ist. Wir haben es heute Vormittag doch benutzt!“ Hannah will nach dem Unterricht weiterbasteln, doch ihrem Glitzerengel fehlen noch die Flügel. Das Problem: Das passende Papier liegt im Schulschrank – und dafür hat nur die Lehrerin den Schlüssel. Im Materialschrank der Hortbetreuung im selben Klassenraum aber sind die Vorräte erschöpft. Zwei getrennte Welten in einer Bildungseinrichtung.
Seit dem Ausbau der Ganztagsangebote sind an den Schulen nicht mehr nur Lehrer unterwegs. Nicht überall jedoch werden Erzieher, Sozialpädagogen oder ungelernte Kräfte aus der Hortbetreuung mit offenen Armen ins Team aufgenommen. Zumal die Nachmittagsbetreuung oft von einem schulfremden Träger organisiert wird.
„In der Ganztagsschule treffen verschiedene pädagogische Welten aufeinander“, sagt Knut Vollmer, der als ehemaliger Hortleiter und derzeitiger Chef eines Schülerhauses in Stuttgart die Reibungspunkte gut kennt. „Mitarbeiter der Betreuung definieren ihre Arbeit oft über die Abgrenzung zum Leistungsgedanken der Schule. Lehrer neigen hingegen dazu, die Betreuungsarbeit zu belächeln.“

SELBSTBEWUSST AUFTRETEN

In der Zusammenarbeit trifft oft Erzieherausbildung auf Hochschulabschluss. Einige Bundesländer setzen aus Kostengründen auch fachfremdes Personal ein. „Wenn innerhalb der Schule wenig Interesse an den Angeboten der Hortbetreuung besteht, sollten Erzieherinnen und Erzieher ihren pädagogischen Standpunkt selbstbewusst und souverän vertreten – auch gegenüber den Eltern“, rät Vollmer. „Nur so befindet man sich auf Augenhöhe. Macht man sich selber klein, kommt es zur selbsterfüllenden Prophezeiung.“ Oft sei es der Hort, von dem der größere Kooperationswillen ausgehe.

Auf Initiative eines Hortträgers ist auch „Gemeinsam bildet“ entstanden, ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Sylvia Mihan von der Regionalstelle Sachsen hat dazu alle am Bildungsweg Beteiligten ins Boot geholt. In der daraus entstandenen Broschüre „Grundschule und Hort im Dialog“ sind – immer ausgehend vom Blick auf das Kind – acht Handlungsfelder für eine gelungene Kooperation festgehalten. „Man darf nicht in Vormittagsund Nachmittagskinder unterteilen. Es muss eine gemeinsame Planung der Tagesstruktur geben, damit den Schülern nicht zwei Welten mit verschiedenem Regelwerk zugemutet werden“, erklärt Mihan ihre Perspektive. Das ist längst nicht überall Standard. Zuweilen stimmen Lehrer und Erzieher ihre Arbeit nicht ab. Dann kennen beide Seiten die Bildungspläne und rechtlichen Rahmenbedingungen der jeweils anderen nicht. Manche Probleme könnten mit besserer Kommunikation vermieden werden. „Bei Schulausfall kommt es vor, dass Kinder einfach in den Hort geschickt werden, wo dann zu wenig Betreuungspersonal vorhanden ist. Würde sich über die Personalsituation ausgetauscht, wäre das Team besser in der Lage, solche Situationen gemeinsam zu bewältigen“, erklärt Mihan.

KOOPERATION ANSTATT ABGRENZUNG

Mit regelmäßigen Absprachen könnten außerdem Überschneidungen im Schul- und Hortangebot vermieden werden. Stattdessen engagieren manche Schulen externe Kräfte für ein Angebot, das die Kinder bereits im Hort in Anspruch nehmen können. Mit einer gemeinsamen Personal-, Raum- und Materialplanung vermeiden Schul- und Hortleitung, dass Unterrichtsräume den Betreuungsbedürfnissen am Nachmittag nicht ausreichend entsprechen oder Materialien nicht verwendet werden dürfen.
Wie gut auf dieser Basis die Kooperation gelingt, hängt auch von der Zusammenarbeit der Schulleitung mit den Hortverantwortlichen ab. Dabei zählt vor allem ein gemeinsames Selbstverständnis. Hier sind sich Knut Vollmer und Sylvia Mihan einig: Schulkollegium und Betreuungsteam sollten sich nicht voneinander abgrenzen, sondern als multiprofessionelles Team verstehen, das seine verschiedenen Kompetenzen an den jeweils richtigen Stellen einbringt. Wenn sich der Blick wieder von eigenen Befindlichkeiten auf die Bedürfnisse der Kinder richtet, ergeben sich daraus die gemeinsamen Aufgaben von Betreuung und Lehre. Auf diese Weise können Kinder ihren Tag in Schule und Hort als ein Ganzes erleben – egal ob vormittags oder nachmittags. Und Hannah könnte ihren Glitzerengel fertigstellen.

„Gemeinsam bildet“

Das Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) hat das Ziel, die Qualität ganztägiger Bildung in der Grundschule zu fördern. Gemeinsame Ressourcen sollen genutzt und Voraussetzungen für eine gute Kooperation geschaffen werden. Die Ergebnisse der Arbeit sind in der Broschüre „Grundschule und Hort im Dialog“ zusammengefasst. Diese gilt als verbindliche Leitlinie für Einrichtungen im Primarbereich in ganz Dresden. Bundesweit können Pädagogen in Grundschule und Hort die Qualitätskriterien als Anregung nutzen.

Download unter:

www.dkjs.de/themen/alle-programme/gemeinsambildet- grundschule-und-hort-im-dialog/  

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