Höhlen als Archive der Vergangenheit

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat sich für die Einrichtung eines neuen WissenschaftsCampus in Tübingen ausgesprochen. Unter dem Titel „GeoGenomic Archaeology Campus Tübingen (GACT)“ werden an dem neuen Campus Forschende verschiedener naturwissenschaftlicher Disziplinen innovativ und integrativ zusammenarbeiten. Gemeinsames Ziel ist es alte DNA aus Höhlensedimenten zu nutzen. So soll die Interaktion des damaligen Menschen mit vergangenen Ökosystemen und die Auswirkungen auf diese im Laufe der Zeit untersucht werden.

Höhlen als Archive der Vergangenheit
Im Fokus des neuen WissenschaftsCampus wird auch das UNESCO-Welterbe „Hohle Fels“ stehen. Foto: M. Malina

Frühmenschen lebten in Höhlen

Rund zwei Millionen Jahre alt sind die bislang ältesten Besiedlungsspuren einer Höhle, die Menschen in Afrika hinterlassen haben. „Frühmenschen lebten in Höhlen, weil diese ihnen einen leicht zugänglichen Unterschlupf sowie Schutz vor Regen, Wind und Kälte boten“, erläutert der Sprecher des neuen WissenschaftsCampus Jun. Prof. Cosimo Posth vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Er stellte den Antrag gemeinsam mit Dr. Susan Mentzer, Prof. Christopher Miller und Prof. Nicholas Conard. Mentzer ergänzt: „Doch nicht nur Menschen nutzten den natürlichen ‚Wohnraum‘: Höhlen boten schon immer Unterschlupf für zahlreiche Arten – von der Mikrobe bis zum großen Säugetier.“
Obwohl in Höhlen nur ein kleiner Teil der globalen biologischen Vielfalt zu finden ist, beherbergen sie dennoch einzigartige und eigenständige Ökosysteme. „Diese können durch äußere Einflüsse erheblich beeinträchtigt werden. Und sie sind – weil sie empfindlich auf Veränderungen reagieren – wahrscheinlich die ersten Ökosysteme, die durch menschliche Aktivitäten tiefgreifend verändert wurden“, erklärt Miller.

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Die Entdeckung des archäologischen Teils der Lichtensteinhöhle im Jahr 1980 war ein Glücksfall für die archäologische Forschung. Seit dem bewusst erfolgten Verschluss der Höhle zu Beginn des 9. Jh. v. Chr. war diese nicht mehr von Menschen betreten worden. So blieben die Überreste zahlreicher Menschen ebenso wie ein bedeutendes Fundinventar über fast drei Jahrtausende hinweg vollkommen unversehrt erhalten.

Höhlen und deren Sedimente unter der Lupe

Der neue WissenschaftsCampus soll daher zukünftig Höhlen und deren Sedimente genauer unter die Lupe nehmen. So sollen langfristige demografische Veränderungen und Beziehungen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen sowohl innerhalb als auch außerhalb der unmittelbaren Höhlenumgebung untersucht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen auf dem WissenschaftsCampus auch neue molekulare, computergestützte, geochemische und geoarchäologische Methoden zur Analyse von Sedimentsequenzen aus Höhlen entwickelt werden. Eine der untersuchten Höhlen ist die UNESCO-Stätte „Hohle Fels“ auf der Schwäbischen Alb. In dieser finden derzeit Ausgrabungen unter der Leitung von Prof. Conard statt. Die Höhle bietet eine ideale Plattform, um die Interaktion zwischen Menschen und anderen Organismen von der letzten Eiszeit bis zur heutigen Nutzung durch den „Höhlentourismus“ zu untersuchen.

„Unser neuer Leibniz-WissenschaftsCampus in Tübingen bringt Licht in das Dunkel von Höhlen! Wir freuen uns außerordentlich auf die multidisziplinäre Zusammenarbeit in diesem einzigartigen und innovativen Forschungsgebiet“, so Prof. Dr. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. „In Tübingen werden Archäolog*innen, Genetiker*innen, Bioinformatiker*innen, Mikrobiolog*innen, Geochemiker*innen, Geoökolog*innen, Paläontolog*innen und Paläoklimatolog*innen zusammenarbeiten. Ziel ist anhand von DNA-Analysen die Interaktion des Menschen mit Ökosystemen in der Vergangenheit und die Auswirkungen auf diese im Laufe der Zeit zu verstehen. Wir durchbrechen die disziplinären und institutionellen Grenzen. Somit schaffen wir ein kreatives wissenschaftliches Umfeld, das neue und sicherlich überraschende Einblicke in die Menschheitsgeschichte ermöglicht.“

Nach einer Pressemeldung des idw

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