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Heft 4/2021April

Inhalt

Ostern ist ein Fest des Morgens, der Morgensonne, des Erwachens nach langer Trauer. „In der Morgendämmerung“, heißt es im Osterevangelium, „kamen die Frauen, um nach dem Grab zu sehen“. Sie wollen den Leichnam Jesu salben. Aber sie finden das Grab leer. Der Leichnam ihres Meisters, den sie dort bestattet haben, ist nicht mehr da. Ein Engel tritt zu ihnen und sagt: „Fürchtet euch nicht“. Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden!“ Eine geradezu unglaubliche Botschaft. Eine Zusage, die alles auf den Kopf stellt. Die Frauen erfahren: Die Nacht der Trauer hat ein Ende! Wie die Sonnenstrahlen die Nacht vertreiben, so vertreibt die Botschaft „Er ist auferstanden“ ihren Kummer. Nach Tagen der Trauer und der Unsicherheit erfahren sie: Ein neuer Morgen der Hoffnung bricht an! Das Leben hat über den Tod gesiegt!

Die Erfahrung des Ostermorgens war damals unfassbar und sie ist es heute. Eine Weise, um etwas von dem zu spüren und zu begreifen, was an Ostern geschehen ist, sind unsere österlichen Bräuche und Riten. Kerzen, Osterfeuer, geschmückte Osterkerzen und die Worte: „Christus ist auferstanden von dem Tod. Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.“ Hoffnungszeichen, Hoffnungsbilder, bei denen das Leiden davor nicht vergessen ist. Ostern ist immer Gegenwart. Ostern ist aber nicht abgehoben, ist kein Geschehen in einer Sonderwelt. Und deshalb dürfen wir am Ostermorgen 2021 hoffen für unsere Welt in diesem Jahr und darüber hinaus. Das fällt nicht immer leicht, denn es gibt so tiefe Dunkelheit an zahlreichen Orten der Erde, im Leben vieler Menschen. Darüber reden die Osterfreude und die Osterhoffnung nicht hinweg. Und wir Christenmenschen wollen und dürfen sie auch nicht verschweigen. Auch um dieser Osterhoffnung willen ist es mir wichtig, dass der Glaube ein Gesprächsthema ist und bleibt in unserer Gesellschaft; dass er gefeiert wird wie so oft an Ostern; dass Kinder diesen Glauben kennenlernen und Menschen in allen Lebensphasen daraus Trost und Wegweisung bekommen. Und das ist nicht nur ein inneres Geschehen. Dazu gehören auch persönliche Unterstützung, organisierte Hilfe, politische und soziale Verantwortung. Auf diese Weise wird das Licht der Osterkerze, das Licht Jesu Christi, zu einem Zeichen, dass es heller und wärmer in unserem Leben und Zusammenleben werden wird und darf.

Auch die Frühlingsboten tun ein Übriges, um uns wieder in Staunen zu versetzen und Hoffnung aufkeimen zu lassen. Aber dieser Frühling, dieses Ostern, das lässt mich und uns riechen und sehen und ahnen: Ja, das geht. Es ist möglich. Das Leben setzt sich durch. Das Leben ist stärker als der Tod! Halleluja!

Ich hoffe und wünsche für uns alle und für die ganze Welt, dass uns Ostern überraschen darf; vielleicht mit niedrigen Infektionszahlen, vielleicht mit neuen Ideen, Therapien usw. Aber ich sage dies auch im Vertrauen darauf, dass die Geschichte von Jesus und seinen Jüngerinnen und Jüngern ja nicht am Karfreitag und nicht bei der Auferstehungsgeschichte geendet hat. Sie geht bis Pfingsten. Da werden sie alle von Gottes Kraft erfüllt, öffnen die Türen und ziehen hinaus in die Welt.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und zuversichtlich – bis die Türen sich wieder öffnen, auch bei Ihnen und uns allen.