Big Five - fünf Dimensionen zur Persönlichkeitsbeschreibung

Jeder Mensch ist einzigartig und lässt sich nur ungern in eine Schublade stecken. Dennoch versuchen Psychologen seit vielen Jahren Modelle zu entwickeln, die helfen, die menschliche Persönlichkeit zu beleuchten und zu verstehen, ohne sie je vollständig abbilden zu können. Sich selbst richtig einzuschätzen und zu wissen, wie man „tickt“, ist für die eigene Entwicklung grundlegend und stärkt die Fähigkeit, andere Menschen besser zu verstehen.

Mit dem Big Five-Modell lassen sich Persönlichkeitsmerkmale unabhängig von Kultur, Religion und Sprache beschreiben.© Pixabay

Persönlichkeitsmodelle wie die Big Five werden allerdings überwiegend wissenschaftlich eingesetzt und spielen bei der Personalplanung- und entwicklung eine Rolle. Einem breiteren Publikum bekannt wurden sie in den letzten Jahren durch den Bestsellerautor John Strelecky.

Zur Entstehung des Big Five-Modells

Bereits in der 1930er Jahren begann die Entwicklung der sogenannten Big Five (auch Fünf-Faktoren-Modell, FFM). Heute gelten sie international als universales Standardmodell, das in tausenden Studien angewendet wurde und verschiedene Persönlichkeitsmerkmale empirisch am besten beschreibt. Spannend ist besonders, dass sich diese Ausprägungen weitgehend unabhängig von Kultur, Nation, Religion, Sprache und wirtschaftlichen Faktoren nachweisen lassen.

Basierend auf der lexikalischen Methode haben die amerikanischen Psychologen Gordon Allport und Henry Sebastian Odbert fünf Hauptfaktoren ermittelt, die in der Persönlichkeit jedes Mensch angelegt sind: sie gingen davon aus, dass alle Eigenschaften, die einen Menschen prägen, bereits in der Sprache festgelegt sind. Anhand von knapp 18.000 Adjektiven, die sie aus einem Standardlexikon sammelten, führten sie eine Faktorenanalyse aus, die zu den Big Five führten. Zahlreiche weitere Wissenschaftler haben in den folgenden Jahrzehnten das Modell weiterentwickelt und bekannt gemacht.

Die fünf Faktoren und ihre Ausprägungen

Da das Persönlichkeitsmodell im englischsprachigen Raum entwickelt wurde, wird es auch das OCEAN-Modell genannt. Denn es beruht auf den Hauptfaktoren

  • Openness (Offenheit für Erfahrungen)
  • Conscientiousness (Gewissenhaftigkeit)
  • Extraversion (Extraversion)
  • Agreeableness (Verträglichkeit)
  • Neuroticism (Neurotizismus)

Jede dieser Eigenschaften wurde definiert, außerdem wurden jeweils die dazugehörenden schwachen und starken Ausprägungen festgelegt. Diese Ausprägungen beschreiben eine signifikante Abweichung vom Durchschnitt und haben keine wertende Funktion. Denn was erst einmal negativ klingen mag, kann in bestimmten Situationen eine vorteilhafte Stärke sein.

  • Offenheit für Erfahrungen
    Bei einer schwachen Ausprägung ist die Person eher konservativ und vorsichtig, die starke Ausprägung führt zu Erfindungsreichtum und Neugierde.
  • Gewissenhaftigkeit
    Ist dieser Faktor bei einer Person schwach ausgeprägt, ist sie unbekümmert und nachlässig; im Gegenteil handelt sie effektiv und ist organisiert.
  • Extraversion
    Eine Person verhält sich zurückhaltend und reserviert oder sie ist gesellig.
  • Verträglichkeit
    Hier stehen Wettbewerbsorientierung und Antagonismus im Gegensatz zu kooperativem Verhalten und Empathie.
  • Neurotizismus
    Die unterschiedlichen Ausprägungen zeigen sich darin, dass eine Person selbstsicher und ruhig ist oder emotional und verletzlich.

Die Forschung ging lange davon aus, dass die Entwicklung einer Persönlichkeit mit 30 Jahren abgeschlossen ist. Neuere Studien zeigen jedoch, dass in diesem Alter zwar eine Stabilisierung eintritt, aber im höheren Alter noch einmal eine signifikante Veränderung stattfinden kann.

Welcher Persönlichkeits-Typ sind Sie?

Persönlichkeitsmodelle wie die Big Five machen natürlich Lust darauf, selbst zu testen, welcher Typ man ist. Im Internet gibt es zahlreiche Varianten des Tests, meist in stark verkürzter und vereinfachter Fassung. Wer sich also schnell einmal ein Bild davon machen möchte, wie die Big Five auf ihn zutreffen, kann hier fündig werden. Die originalen Tests mit ihren fundierten Fragen und Auswertungen können damit jedoch nicht ersetzt werden.

Der in der Forschung am häufigsten eingesetzte Test ist der sogenannte NEO-PI-R (NEO-Persönlichkeitsinventar, revidierte Fassung) von Paul T. Costa und Robert R. McCrae. Die fünf Big Five werden in je sechs weitere Unterkategorien aufgeteilt, z. B. Gewissenhaftigkeit in Kompetenz, Ordentlichkeit, Pflichtbewusstsein, Leistungsstreben, Selbstdisziplin und Besonnenheit. Da die Bearbeitungszeit für diese Version bei rund 35 Minuten liegt, haben die beiden Wissenschaftler ebenfalls eine kurze Version entwickelt (NEO-FFI), die auf die Unterkategorien verzichtet. Diese beiden Tests sind jedoch nicht frei zugänglich.

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