Jugendämter melden Höchststand an Kindeswohlgefährdungen

Vernachlässigung, psychische wie physische Misshandlung und sexuelle Gewalt: Die Jugendämter haben im vergangenen Jahr in fast 60.600 Fällen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt.

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© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021

Vernachlässigungen waren mit 58 Prozent die häufigste Art der Gefährdung, gefolgt von psychischen Misshandlungen in 34 Prozent aller Fälle. Knapp mehr als ein Viertel aller Fälle gaben Anlass zum Verdacht auf körperliche Misshandlungen. Jedes dritte der betroffenen Kinder war jünger als fünf Jahre. Im Vergleich zu 2019 entspricht das einem Anstieg von 9 Prozent und ist somit der höchste Wert seit Einführung der Statistik.

Als Ursache dieser drastischen Zunahme vermutet das Statistische Bundesamt (Destatis) u. a. die Belastungen von Familien durch Lockdown und Kontaktbeschränkungen im Corona-Jahr 2020. Die Bundesbehörde befürchtet, dass viele weitere Fälle von Kindeswohlgefährdung unentdeckt geblieben sind, etwa aufgrund von Kita-Schließungen.

Die Statistik zeichnet seit ihrem Einführungsjahr 2012 bis zum Corona-Jahr 2020 eine stetig ansteigende Entwicklung an akuten und latenten Fällen von Kindeswohlgefährdung ab. Bereits 2018 und 2019 stieg die Anzahl an Fällen um 10 Prozent.

Wer meldete die Verdachtsfälle?

Rund 27 Prozent von insgesamt 194.475 Fällen wurden von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonym gemeldet. Das entspricht 9.100 Fällen mehr als im Jahr 2019 und einer Zunahme von 21 Prozent.

Bereits im Vorfeld der Lockdowns wiesen Fachleute auf die Gefahr hin, die Schul- und Kita-Schließungen mit Blick auf unbemerkte Kindesschutzfälle birgt. Die Ergebnisse der Statistik für das Corona-Jahr 2020 scheinen diese Bedenken zu bestätigen.

Stand der Meldung: 03.08.2021

Quelle:

Statistisches Bundesamt | Pressemeldung Nr. 350 vom 21.07.2021

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