Weißer Sonntag

Erster Sonntag nach Ostern, auch "2. Ostersonntag" genannt, Oktavtag (= 8. Tag) von Ostern. Die Bezeichnung kommt von der weißen Kleidung, die die an Ostern Neugetauften bis zum Sonntag nach Ostern getragen haben. Der "Weiße Sonntag" ist traditionell der Termin für die Feier der Erstkommunion.

Warum heißt der Sonntag nach Ostern, der immer der „Weißer Sonntag" gewesen ist und an dem bei uns immer noch die Kinder zur Erstkommunion kommen, jetzt „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit"? A. W.

Die neue Bezeichnung wurde von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 für die ganze Kirche eingeführt. Der Hintergrund liegt in seiner Lebensgeschichte. Als junger Mann arbeitete er während der deutschen Besatzung in einem Chemiewerk und studierte gleichzeitig im geheimen Priesterseminar von Krakau Theologie. Zu der Zeit besuchte er häufig ein nahe gelegenes Kloster und kniete dort am Grab der Ordensschwester Maria Faustyna, die mit 33 Jahren verstorben war. Diese Schwester hatte ein ganz unauffälliges Leben geführt, hatte aber mystische Erfahrungen, aus denen sie Worte Jesu wiedergab. Darin war immer wieder von der unendlichen Barmherzigkeit Gottes die Rede und davon, dass am ersten Sonntag nach Ostern diese Barmherzigkeit festlich gefeiert werden soll. Da dem späteren Papst in seinem Gebet am Grab dieser Schwester in schwerster Zeit viel Kraft geschenkt worden war, war es ihm ein Anliegen, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Er sah darin eine wichtige Botschaft für das eben begonnene neue Jahrtausend. Durch dieses Fest ist der „Weiße Sonntag" keineswegs aufgehoben, an dem einst die in der Osternacht neu Getauften ihre weißen Kleider zum letzten Mal trugen und an dem heute die Kleider der Erstkommunikanten an die Taufe erinnern.

Eduard Nagel