Wein

Wie Brot in der Antike Grundnahrungsmittel, gleichzeitig Ausdruck der Feier und des Friedens, der für die aufwendige Pflege des Weinstockes erforderlich ist. Da Rotwein farbliche Ähnlichkeit mit Blut besitzt, wird er auch als Symbol des Lebens gedeutet.Die erste Zeichenhandlung Jesu ereignet sich nach Joh 2, 1-12 während der Hochzeit zu Kana in der Wandlung von Wasser in Wein. In der Eucharistie werden Brot und Wein in Leib und Blut Christi gewandelt, gemäß dem Auftrag Jesu an seine Jünger (1 Kor 11, 25) und der neutestamentlichen Überlieferung (Mt 26,27 f.; Mk 14,23 f.; Lk 22, 20).

Während lange Zeit der Empfang der Kommunion in den Gestalten von Brot und Wein in der römisch-katholischen Kirche dem Klerus vorbehalten war (Konzil von Trient) wird die Kelchkommunion nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch wieder Laien gewährt (Liturgiekonstitution SC 55). In der Eucharistie der westlichen Liturgie wird seit dem Mittelalter Weißwein verwendet.

Kann jeder beliebige Wein für die Messfeier genommen werden?    A.L.

Seit Aufhebung der Messweinverordnung von 1976 im Jahr 2014 (vgl. Gd 17/2014, S. 140) ist jeder in Deutschland produzierte Wein in einer Eucharistiefeier in der Bundesrepublik zugelassen, sofern er mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweins nach deutschem Recht entspricht. Zuvor gewährleistete die genannte Verordnung die Umsetzung der kirchenrechtlichen Vorschriften (c. 815 § 2 CIC/1917 = c. 924 § 3 CIC/1983; AEM 284f.), nach denen nur natürlicher Wein zu verwenden ist.
So durften

  • Tafelweine nicht,
  • Qualitätsweine mit Prädikat uneingeschränkt
  • und Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete nur dann verwendet werden, wenn sie durch Trockenzuckerung haltbarer gemacht wurden.
Ferner durfte zur Haltbarmachung natürlicher, aus Trauben oder Rosinen gewonnener Alkohol zugegeben werden, ohne dass der Gesamtgehalt des Alkohols 12 bzw. 17-18 % überstieg. Die Eignung deutscher Inlandsweine wurde durch kirchlich beauftragte Messweinproduzenten gewährleistet.
Die strikteren Vorschriften des deutschen Gesetzgebers zur Reinheit des Weins haben die Messweinverordnung ebenso überflüssig gemacht wie die Ausweisung eigener Messweinproduzenten.
Die katholische Liturgie verwendet Weißwein nur zwecks besserer Reinigung der Kelchtücher, während die Orthodoxie am Rotwein festhält, weil dessen Farbe an das Blut Christi erinnert.

Christoph Neuert, Trier

In meinem Umfeld wird immer wieder behauptet, Messwein werde vor seinem Gebrauch stets geweiht bzw. gesegnet. Gibt es wirklich Vorschriften für die Weihe bzw. Segnung des Messweines? P. H.

Dass nur gesegneter Wein für die Eucharistiefeier verwendet werden darf, ist nicht korrekt. Die Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch schreibt bezüglich des Messweines lediglich vor, dass er aus dem Gewächs des Weinstocks stammen, natürlich und rein sein muss. Er darf nicht mit fremden Stoffen vermischt oder sauer sein. (AEM 284; 285; vgl. auch c. 924 § 3/CIC)

Der hin und wieder anzutreffende Glaube, dass der in der Eucharistiefeier verwendete Wein vor dem Gebrauch in der Messfeier gesegnet worden sei, z. B. innerhalb des Winzerbetriebs, lässt sich möglicherweise auf die in der „Messweinverordnung“ (2014 außer Kraft gesetzt) vorgeschriebene Etikettierung der Weinflaschen als „Messwein“ zurückführen. Diese offizielle Kennzeichnung bescheinigt allerdings nur, dass bestimmte Herstellungs-, Reinheits- und Vertriebsvorschriften eingehalten worden sind, die einen Wein als „gültige Materie“ für die Eucharistiefeier qualifizieren.

Nichtsdestotrotz kennt die kirchliche Liturgie auch Weinsegnungen. Diese finden in der Regel am Fest des heiligen Apostels Johannes oder an anderen Heiligengedenktagen statt. Sie verfolgen aber nicht das Ziel, Wein für die Verwendung in der Eucharistiefeier zu segnen, sondern wollen - wie alle Speisesegnungen - dem Dank für Gottes Schöpfung Ausdruck verleihen.

Manuel Uder

Ich habe kürzlich gehört, es sei nicht erlaubt, eventuell übrig bleibenden Eucharistischen Wein im Tabernakel bis zur nächsten Messe aufzubewahren. Stimmt das?

Der Kodex des kanonisches Rechtes (CIC 1983) behandelt in den Canones 934-944 die Aufbewahrung der Eucharistie. In c. 939 wird das Ziborium erwähnt, das Gefäß für die Aufbewahrung der Hostien im Tabernakel. Von einem Gefäß für Wein ist dort nicht die Rede. In der „Grundordnung des Römischen Messbuchs“ (GORM) wird bestimmt: „Nach der Kommunionausteilung trinkt der Priester den konsekrierten Wein, der gegebenenfalls übrig geblieben ist, selbst sofort und vollständig am Altar aus“ (Art. 163). Die Instruktion Redemptionis Sacramentum (RS) bekräftigt diese Vorschrift (Art. 107). Eine Aufbewahrung von konsekriertem Wein bis zur nächsten Messe ist also nicht vorgesehen.

Historisch gibt es durchaus Belege für die Aufbewahrung von konsekriertem Wein. Diese stellten aber insgesamt eher die Ausnahme dar. Wein eignet sich schlechter zur Aufbewahrung, weil er schnell verderben kann. Allerdings sieht das liturgische Buch „Die Feier der Krankensakramente“ die Verwendung von Wein bei der Krankenkommunion vor, wenn der Kranke die Eucharistie unter der Gestalt des Brotes nicht empfangen kann (Art. 20). Dazu soll ein verschließbares Gefäß verwendet werden. Natürlich muss in diesem Fall der konsekrierte Wein bis zur Krankenkommunion auch im Tabernakel aufbewahrt werden.

Benjamin Leven

Kürzlich fragten mich die Ministranten, warum in der Messe nur Weißwein verwendet werde und nicht Rotwein. Das wäre doch vom Symbol her viel aussagekräftiger. Wie ist dies zu erklären? V.S.

Tatsächlich sagen die liturgischen Vorschriften nichts über die Farbe des Weins aus. Die „Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch“ (AEM) sagt lediglich: „Der Wein für die Eucharistiefeier muss ‚vom Gewächs des Weinstockes’ (vgl. Lk 22,18) stammen und naturrein, das heißt ohne Beimischung von Fremdstoffen sein“ (AEM 284, vgl. GORM 322). Außerdem dürfen Brot und Wein für die Eucharistie nicht verdorben sein. „Der Wein darf nicht zu Essig geworden (...) sein“ (AEM 285, vgl. GORM 323). Die deutschen Bischöfe haben 1976 eine detaillierte Messweinverordnung erlassen. Auch darin wird nichts über die Farbe des Weins gesagt.

In früheren Zeiten bevorzugte man Rotwein. Die Ostkirche hält bis heute daran fest. Im Westen ist es allerdings schon seit mehreren Jahrhunderten üblich, Weißwein als Messwein zu verwenden. Dafür sprechen vor allem praktische Gründe. Die Kelchreinigung ist wesentlich einfacher, wenn Weißwein verwendet wird; auch die Altartücher lassen sich besser reinigen, wenn es keine Rotweinflecken geben kann.

Anders als beim Messwein, wo im Prinzip roter und weißer Wein verwendet werden kann, ist bei den Hostien übrigens nur Weizenmehl erlaubt: „Das Brot zur Feier der Eucharistie muss aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, nach dem Brauch der lateinischen Kirche, ungesäuert“ (AEM 282, vgl. GORM 320). Andere Arten von Brot können also nicht verwendet werden.

Benjamin Leven