Weihnachtsmessen

Wirft man einen Blick in das Messbuch, so fällt auf, dass für den Weihnachtstag insgesamt vier Messen vorgesehen sind: die Vigilmesse am Heiligen Abend (Missa in vigilia), die Christmette in der Heiligen Nacht (Missa in nocte), die Hirtenmesse am Morgen (Missa in aurora) und das Hochamt am Tag (Missa in die). Diese Besonderheit lässt sich erklären, wenn man die päpstliche Weihnachtsliturgie betrachtet, wie sie seit dem 6. Jh. gefeiert wurde.

Der Papst feierte damals in mehreren Kirchen („Stationen") die Geburt des Herrn: Zunächst stand er der Christmette in der Basilika S. Maria Maggiore vor. In der Morgenröte zog er dann zur Hirtenmesse in die Kirche S. Anastasia und um 9 Uhr zelebrierte er schließlich das feierliche Hochamt in St. Peter. Mit der Verbreitung der römischen Liturgiebücher im Abendland wurde diese Praxis auch andernorts nachgeahmt. Allerdings wurden andernorts alle drei Messen in derselben Kirche gehalten. Ergänzt wurden diese Gottesdienste durch die Vigilmesse am Heiligen Abend.

Das heutige Messbuch sieht vor, dass alle Priester an Weihnachten drei Messen feiern dürfen, jedoch nur zur jeweils entsprechenden Zeit. Dabei ist es aus seelsorglichen Gründen erlaubt und vielerorts Praxis, dass anstelle der Vigilmesse bereits am Heiligen Abend das Formular der mitternächtlichen Christmette genommen wird. Nicht sinnvoll ist es, schon am frühen Nachmittag in einer so genannten „Kinderchristmette" Eucharistie zu feiern. Dafür empfiehlt sich eher eine frei gestaltete Feier, bei der die Krippe im Mittelpunkt steht.

Manuel Uder

Oft werden am Heiligen Abend anstelle eines Kindergottesdienstes aufwändig inszenierte Krippenspiele aufgeführt. Wie lassen sich mit wenig Aufwand Gottesdienst und Krippenspiel verbinden? I. B.

Selbstverständlich sollte am Heiligen Abend in der Kirche auch mit den (kleinen) Kindern ein „richtiger Gottesdienst“ gefeiert werden. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen einer Vorführung und einer Feier, den auch Kinder bemerken. Weihnachten ist ein Grund zum Feiern: Die Weihnachtsbotschaft hören (und sehen) und Gott für das Geschenk, das er uns in Jesus macht, danken, ihn loben und preisen. Der Akzent liegt dabei auf „gemeinsam feiern“, d. h. die am Gottesdienst teilnehmenden Kinder (und Eltern) sollten nicht nur Zuschauer eines Theaterstücks sein, sondern wirklich miteinander Weihnachten feiern können. Das Krippenspiel ist dabei die szenische Illustration der Verkündigung, also des Evangeliums einer vollständigen Wort-Gottes-Feier, bestehend aus den Teilen Eröffnung, Verkündigung, Gebet und Abschluss. Besonders gut kommt dies zum Ausdruck, wenn das Evangelium aus einem schön gestalteten Lektionar oder einer (Kinder-)Bibel vom Ambo aus verkündet und parallel dazu durch Spielszenen illustriert wird. Dafür braucht es keine aufwändige Kulisse und keinen auswendig zu lernenden Text, lediglich ein paar Requisiten und Kostüme. Zwischen den einzelnen Szenen können Lieder gesungen werden oder auch Kommentare aus heutiger Sicht die Weihnachtsbotschaft aktualisieren.

Redaktion

Im vergangenen Jahr hatten wir in der Weihnachtsmette einen Aushilfspriester. Der hat mitten im Credo die Leute aufgefordert, sich hinzuknien. Das gab ein Durcheinander und hat richtig gestört. Ist das so vorgeschrieben? T. M.

Das Niederknien in allen Weihnachtsmessen zu den Worten des Credo „er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden“ bzw. „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“ ist tatsächlich im Messbuch vorgesehen. Das ist an sich ein schöner Brauch, weil er diesem Gottesdienst einen kleinen eigenen Akzent gibt, der das jetzt gefeierte Geheimnis besonders hervorhebt. Freilich kann es nur dann „funktionieren“, wenn die Gläubigen entsprechend informiert sind und sich auch Priester und Assistenz entsprechend verhalten. Dies könnte z. B. dort geschehen, wo der Chor eine große Credo-Komposition singt und Priester und Assistenz zu diesen Worten eigens an die Stufen vor dem Altar ziehen und dort niederknien - da funktioniert es auch bei den Gläubigen ganz von selbst. Andernfalls lässt sich heute dieses Element wahrscheinlich nur auf die Weise wirklich neu beleben, dass einmal grundsätzlich die Haltungen und Gesten im Gottesdienst mit den Gläubigen überdacht werden und bei der Feier selbst - vielleicht auf einem Programm- oder Liedblatt - auf die besondere Geste an diesem Tag und auf ihren Sinn hingewiesen wird.

Eduard Nagel