Tabernakel

Der Begriff „Tabernakel“ (von lat. tabernaculum = „Zelt, Hütte“) bezeichnet das Gehäuse zur Aufbewahrung der Eucharistie in Brotgestalt. Während man die (Kranken-)Kommunion in der Alten Kirche noch in Kästchen aufbewahrte, kamen im Mittelalter schrankartige Formen (z. B. „Sakramentshäuschen“) in Mode. Seit dem 16. Jahrhundert setzte sich mehr und mehr die Gewohnheit durch, den Tabernakel mit einem Altar - bei kleineren Kirchen meist mit dem Hochaltar - zu verbinden. Diese Praxis wurde später als verbindlich vorgeschrieben.

Erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil setzte sich die Idee durch, dem Tabernakel, wo es von den architektonischen Gegebenheiten her möglich ist, einen anderen Ort als den Altar zuzuweisen. So heißt es in der Allgemeinen Einführung in das Römische Messbuch: „Es wird sehr empfohlen, die Eucharistie in einer vom Kirchenraum getrennten Kapelle aufzubewahren, die für das private Gebet der Gläubigen und die Verehrung geeignet ist“ (AEM 276). Durch die räumliche Auslagerung solle weiterhin vermieden werden, dass den Gläubigen bei der Messfeier die eucharistische Gegenwart des Herrn bereits von Beginn an präsent ist.

Der Tabernakel muss aus festem, undurchsichtigem Material gefertigt und verschließbar sein, da er - ganz profan - eine Schutzfunktion für den in ihm aufbewahrten Herrenleib besitzt. Eine äußere Kennzeichnung erfährt der Tabernakel für den Kirchenbesucher durch das Ewige Licht.

Manuel Uder, Trier

Wären Sie so freundlich, mir mitzuteilen, warum das Ewige Licht neben dem Tabernakel oft rot ist? Gibt es vielleicht eine allgemein gültige liturgische „Vorschrift“ für diese Farbe? P.H.

Eine liturgische Vorschrift zur Farbe des Ewigen Lichts gibt es bis heute nicht. In der Grundordnung des Römischen Messbuchs aus dem Jahr 2007 heißt es dazu nur: „Nach überliefertem Brauch hat beim Tabernakel ständig ein mit Öl oder Wachs genährtes besonderes Licht zu brennen, wodurch die Gegenwart Christi angezeigt und geehrt wird." (Art. 316) Zum Material des Leuchters werden keine Aussage gemacht.

Im 19. Jahrhundert stellte allerdings der damalige Bischof von Cuneo, einer Diözese in Norditalien, die Anfrage an die Ritenkongregation in Rom, ob man auch undurchsichtiges Glas und/oder Glas einer anderen Farbe als Rot (z.B. Grün) für Lampen in der Kirche benutzen dürfe (das Ewige Licht eingeschlossen). Die Ritenkongregation antwortete, dass alle diese Möglichkeiten erlaubt seien. Diese Antwort wurde am 2. Juni 1883 als Dekret herausgegeben und erlangte damit Gültigkeit für die gesamte Kirche. Dass das Glas des Ewige Lichts oft rot - beliebt ist rubinrot - gefärbt ist, hat also offenbar keine speziellen liturgischen Gründe und scheint sich im Laufe der Zeit wie viele Traditionen „einfach so" entwickelt zu haben - vielleicht weil die Farbe Rot eine besonders warme Ausstrahlung hat und den Kirchenraum atmosphärisch belebt.

Manuel Uder

Ich habe kürzlich gehört, es sei nicht erlaubt, eventuell übrig bleibenden Eucharistischen Wein im Tabernakel bis zur nächsten Messe aufzubewahren. Stimmt das?

Der Kodex des kanonisches Rechtes (CIC 1983) behandelt in den Canones 934-944 die Aufbewahrung der Eucharistie. In c. 939 wird das Ziborium erwähnt, das Gefäß für die Aufbewahrung der Hostien im Tabernakel. Von einem Gefäß für Wein ist dort nicht die Rede. In der „Grundordnung des Römischen Messbuchs“ (GORM) wird bestimmt: „Nach der Kommunionausteilung trinkt der Priester den konsekrierten Wein, der gegebenenfalls übrig geblieben ist, selbst sofort und vollständig am Altar aus“ (Art. 163). Die Instruktion Redemptionis Sacramentum (RS) bekräftigt diese Vorschrift (Art. 107). Eine Aufbewahrung von konsekriertem Wein bis zur nächsten Messe ist also nicht vorgesehen.

Historisch gibt es durchaus Belege für die Aufbewahrung von konsekriertem Wein. Diese stellten aber insgesamt eher die Ausnahme dar. Wein eignet sich schlechter zur Aufbewahrung, weil er schnell verderben kann. Allerdings sieht das liturgische Buch „Die Feier der Krankensakramente“ die Verwendung von Wein bei der Krankenkommunion vor, wenn der Kranke die Eucharistie unter der Gestalt des Brotes nicht empfangen kann (Art. 20). Dazu soll ein verschließbares Gefäß verwendet werden. Natürlich muss in diesem Fall der konsekrierte Wein bis zur Krankenkommunion auch im Tabernakel aufbewahrt werden.

Benjamin Leven