Stehen

Ist seit der frühen Kirche Ausdruck der Ehrfurcht beim gemeinsamen Gottesdienst und gleichzeitig die Haltung des durch die Heilstaten Christi von der Last und Knechtschaft der Sünde befreiten Menschen, im Gegensatz zum Knien, das in der alten Kirche an Sonn- und Festtagen und in der Osterzeit sogar untersagt war.

Die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat deshalb auch das Stehen wieder zur bevorzugten Haltung der tätig teilnehmenden Gemeinde gemacht: "Soweit keine andere Regelung getroffen wird, soll man in allen Messfeiern stehen: vom Gesang zur Eröffnung beziehungsweise dem Einzug des Priesters bis zum Tagesgebet, beim Halleluja vor dem Evangelium, bei der Verkündigung des Evangeliums, beim Glaubensbekenntnis und bei den Fürbitten, dann vom Gabengebet bis zum Ende der Messe, mit den folgenden Ausnahmen: während der Lesungen vor dem Evangelium, beim Antwortpsalm, zur Homilie und zur Gabenbereitung soll man sitzen, unter Umständen auch während der Stille nach der Kommunion. Wenn die Platzverhältnisse oder eine große Teilnehmerzahl oder andere vernünftige Gründe nicht daran hindern, soll man zur Konsekration knien" (Liturgiekonstitution SC 21). Vielerorts wird aber während des Hochgebetes gekniet.

Während nach dem Sanctus die Gemeinde sich hinkniet und bis zum Ende des Hochgebets knien bleibt, bleiben bei uns Kommunionspender und Messdiener stehen - auch während der Wandlung, unbeschadet der Kniebeugen des Priesters nach den Einsetzungsworten. Ist das stimmig? K.B.

In der „Allgemeinen Einführung in das Messbuch" (AEM) heißt es dazu: „Soweit keine andere Regelung getroffen wird, soll man in allen Messfeiern stehen: … vom Gabengebet bis zum Ende der Messe, mit den folgenden Ausnahmen: … Wenn die Platzverhältnisse oder eine große Teilnehmerzahl oder andere vernünftige Gründe nicht daran hindern, soll man zur Konsekration knien" (Nr. 21). Die „Grundordnung des Römischen Messbuchs", die zwar noch nicht in Kraft gesetzt ist, aber künftig die AEM ablösen wird, enthält zusätzlich den Satz: „Wo der Brauch besteht, dass das Volk nach dem Sanctus bis zum Ende des Eucharistischen Hochgebets … knien bleibt, ist er lobenswerterweise beizubehalten" (Nr. 43).

Grundsätzlich ist ein ehrfürchtiges Stehen dem Hochgebet - verbunden mit Knien bei den Einsetzungsworten - ebenso angemessen wie das Knien und war einst in der Osterzeit sogar vorgeschrieben. Viel hängt vom Empfinden der Gläubigen ab. Nicht sinnvoll ist es, dass die Dienste eine andere - in der Auffassung vieler Gläubiger weniger ehrfürchtige - Haltung einnehmen als die Gemeinde. Wo bei den Gläubigen beide Haltungen üblich sind, sollte die Frage nicht zum Streitobjekt gemacht, sondern geduldig und in Achtung vor der Überzeugung des je anderen in ihren verschiedenen Aspekten erörtert werden.

Eduard Nagel