Stationsliturgie

In der Fastenzeit und in der Osteroktav fand sich im alten Römischen Messbuch (Missale Romanum) zu Beginn jeder Messe ein kleiner Vermerk. Zum Beispiel an Aschermittwoch: Statio ad S. Sabinam. Hier wurde auf die Stationskirche hingewiesen - in diesem Falle die Kirche Santa Sabina auf dem Aventin.

Stationskirchen sind Gotteshäuser in der Stadt Rom, in die die Päpste seit dem 4. Jahrhundert kamen, um dort die Liturgie zu feiern. Vor der Messfeier in der Stationskirche zog man in einer Bußprozession dorthin, wobei die Allerheiligenlitanei gesungen wurde. So sollte die Einheit der Gemeinden der Stadt Rom untereinander und mit ihrem Bischof zum Ausdruck gebracht werden. Auch in anderen Städten existierte eine Stationsliturgie nach römischem Vorbild. Im Laufe des Mittelalters kamen die Stationsgottesdienste weitgehend außer Gebrauch. Im 20. Jahrhundert begann man in Rom wieder, sie regelmäßig zu feiern. Seit Papst Johannes XXIII. nehmen auch die Päpste jedes Jahr am Aschermittwoch an der Stationsliturgie in Santa Sabina teil.

Heute empfiehlt das „Zeremoniale für die Bischöfe“ für die Fastenzeit, dass „die Ortsgemeinden, wenigstens in größeren Städten, entsprechend dem römischen Brauch, in geeigneter Form ‚Stationsgottesdienste’ halten“. Die Gemeinde versammelt sich am Ausgangsort. Der Bischof bzw. der Zelebrant spricht eine Oration. Anschließend legt er Weihrauch ein. Der Diakon lädt die Versammelten mit dem Ruf „Lasst uns ziehen in Frieden“ zur Prozession ein. Während der Prozession wird die Allerheiligenlitanei gesungen. In der Kirche wird der Altar inzensiert und dann das Tagesgebet der Messe gesprochen. Das Kyrie und die anderen Teile der Eröffnung entfallen (Zeremoniale 260-261).

Benjamin Leven