Rosenkranzmonat

Der Oktober wird gelegentlich als „Rosenkranzmonat“ bezeichnet, und in manchen Gemeinden wird bis heute in diesem Monat täglich in der Kirche der Rosenkranz gebetet. Dieser Brauch geht auf Papst Leo XIII. zurück, der die Kirche von 1878-1903 leitete. Dieser Papst veröffentlichte insgesamt 16 Enzykliken bzw. Apostolische Schreiben über das Rosenkranzgebet. Den Titel „Rosenkranzmonat“ hat er dem Oktober in seiner Enzyklika Octobri mense vom 22. September 1891 verliehen. In diesem Dokument ordnet Papst Leo an, dass in allen Pfarrkirchen im Oktober täglich der Rosenkranz zu beten sei.

Warum aber gerade der Monat Oktober? Am 7. Oktober 1571 hatte die Christenheit in der Seeschlacht von Lepanto die Türken besiegt. Dieser Sieg wurde dem Rosenkranzgebet zugeschrieben und darum ordnete Papst Pius V. an, dass alljährlich dieser Tag als „Fest der Seligen Jungfrau Maria vom Siege“ zu feiern sei. Papst Gregor XIII. gestattete dann, dass Kirchen, in denen ein Rosenkranzaltar stand, am ersten Sonntag im Oktober ein „Fest des heiligen Rosenkranzes“ feiern dürfen. Nach dem erneuten Sieg über die Türken 1716 unter Prinz Eugen bei Peterwardein wurde dieses Fest auf die ganze Kirche ausgedehnt. Pius X. verlegte es wieder auf den ursprünglichen Termin, den 7. Oktober.

Im Grunde hat Papst Leo mit der oben genannten Verpflichtung zum täglichen Rosenkranzgebet eine Art Tagzeitengebet für die Pfarrgemeinde eingeführt. Denn der Rosenkranz ist in einem gewissen Sinn eine Ersatzform für das Stundengebet, das zu einer Sache der Ordensleute und Kleriker geworden war, als das Volk die lateinische Sprache nicht mehr verstand und ihm auch die Psalmen nicht mehr nahegebracht wurden. Wie es 150 Psalmen gibt, hat der Rosenkranz 3 x 50 „Gegrüßet seist du, Maria“.

Wie beim gemeinschaftlichen Stundengebet der Beter in der Regel nicht jedes einzelne Wort erfasst, sondern eher auf dem Klangteppich der Psalmen beim einen und anderen Gedanken verweilt, so ist auch der Rhythmus des Rosenkranzes ein Medium der Sammlung und Konzentration auf einen bestimmten Inhalt des Glaubens. Heute gibt es ein wachsendes Interesse an dem, was das Tagzeitengebet auszeichnet: die Regelmäßigkeit, der gemeinschaftliche Vollzug, eine Form, die dem persönlichen Beten Raum lässt und es unterstützt. Der „Rosenkranzmonat“ kann ein Anstoß sein, in der Gemeinde diese traditionelle Form neu zu entdecken.

Das gemeinschaftliche Rosenkranzgebet gewinnt heute wieder an Bedeutung: Die wohltuende Kraft des rhythmischen Betens wird neu geschätzt; solche Gottesdienste brauchen keine besonderes geschulte Leitung; der Rosenkranz wird in seiner geistlichen Weite und Tiefe neu entdeckt entsprechend einem Wort von Romano Guardini, der gesagt hat, „das Verweilen in der Lebenssphäre Mariens, deren Inhalt Christus war“, sei „im Tiefsten ein Christusgebet“.

Eduard Nagel