Reisesegen

Das Reisen von Ort zu Ort stellte immer schon ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens dar. Mehr als heute brachte früher die Fortbewegung von Personen sowohl auf dem Landweg als auch über See große Gefahren (Überfälle, Unwetter, Krankheiten...) mit sich, sodass es bereits in vorchristlichen Kulturen üblich war, vor Antritt einer Reise den Schutz einer göttlichen Macht anzurufen. Das Christentum übernahm diesen Brauch. Bereits die ältesten erhaltenen Sakramentare (mittelalterliche Sammlungen von Gebeten für den Vorsteher der Eucharistie und anderer gottesdienstlicher Feiern) enthalten spezielle Votivmessen, die vor Reisen gefeiert wurden.

Seit dem 11. Jahrhundert gewann der Pilgersegen vermehrt an Bedeutung, der auch die Segnung von Stab, Tasche und Mantel umfasste. Neben diesen offiziellen Feiern gab es immer auch private Reisesegen, die in ihrer Form freier gestaltet waren und beispielsweise die Heiligen Drei Könige als Reisepatrone anriefen.

Auch unser heutiges deutschsprachiges Benediktionale kennt einen Pilgersegen (Nr. 25) und einen Reisesegen für Urlauber (Nr. 269). Weitere einschlägige Segensgebete finden sich bei der Segnung der Kinder („Er gehe vor dir her, dir den Weg zu zeigen.“ [Nr. 52]) oder bei der Segnung von Verkehrsmitteln und -einrichtungen. Letzteres erinnert daran, dass das Reisen auch heute noch - einschließlich unserer täglichen Wege - keineswegs ungefährlich ist. Neuer Beliebtheit erfreut sich der aaronitische (Reise)Segen: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.“ (Num 6,24-26)

Manuel Uder, Trier