Osterkerze

Als große Kerze, die mit dem Kreuz, dem Alpha und Omega, der Jahreszahl und evtl. weiteren Symbolen geschmückt ist und anteilig aus Bienenwachs bestehen sollte, wird sie zu Beginn der Osternachtfeier gesegnet und am Osterfeuer entzündet, wobei fünf Weihrauchnägel, die für die fünf Wunden Christi stehen, in das Kreuz gesteckt werden.

Der Priester spricht bei diesem Ritus: "Christus, Gestern und Heute Anfang und Ende Alpha und Omega Sein ist die Zeit und die Ewigkeit Sein ist die Macht und die Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen." Beim Einstechen der Nägel: "Durch seine heiligen Wunden, die leuchten in Herrlichkeit, behüte uns und bewahre uns Christus, der Herr, Amen." Beim Entzünden der Kerze: "Christus ist glorreich auferstanden vom Tod. Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen."

In einer Prozession wird die Osterkerze vom Diakon oder - falls kein Diakon anwesend - vom Priester mit dem dreimaligen Ruf "Lumen Christi" (Licht von Christus), auf das die Gemeinde mit "Deo gratias" (Dank sei Gott) antwortet, in die dunkle Kirche getragen. Nach dem dritten Ruf vor den Altarstufen werden an ihr die übrigen Lichter in der Kirche entzündet. Nachdem sie auf einem Leuchter im Altarraum aufgestellt wurde, wird sie mit Weihrauch inzensiert. Danach singt der Diakon den Lobpreis auf die Osterkerze, das Exsultet. Bei der Taufwasserweihe senkt der Priester die Osterkerze dreimal in das Wasser und singt dabei: "Durch deinen geliebten Sohn steige herab in diesesWasser die Kraft des Heiligen Geistes."

Symbolhaft steht die Kerze für Christus, dem Licht der Welt. Aber auch auf die Feuersäule, in der Gott den Israeliten bei ihrem Weg durch die Wüste nachts voran zog, spielt sie an. Während der fünfzig Tage der Osterzeit steht die Osterkerze im Altarraum und wird zu den Gottesdiensten an Sonn- und Werktagen angezündet. Im übrigen Jahr steht sie in der Nähe des Taufsteins bzw. in der Taufkapelle. Sie wird auch bei Begräbnismessen verwendet.

In unserer Gemeinde war am 1. Fastensonntag Firmung, allerdings ohne brennende Osterkerze. Die Leute haben sich beschwert, denn eigentlich muss sie doch da sein wegen des engen Bezugs der Firmung zu Taufe. Anders war es bei einer Taufe am 2. Fastensonntag: Dort brannte die Osterkerze neben dem Taufbecken. Wann soll sie nun brennen, wann nicht? Sollten vielleicht in der Fastenzeit überhaupt keine Taufen oder Firmungen stattfinden? C.-E. H.

Die Osterkerze, die in der Osternacht als Symbol des Auferstandenen feierlich entzündet, in die Versammlung getragen und besungen wird, ist das zentrale Symbol des Auferstandenen in der Osterzeit. Außerhalb dieser 50 Tage sollte sie normalerweise nicht brennen, um ihre Aussagekraft nicht zu mindern. Doch gibt es auch Anlässe, zu denen es sinnvoll ist, die Osterkerze brennen zu lassen. Ein solcher ist die Tauffeier, weil durch sie der Mensch aufgenommen wird in die Heilsgemeinschaft, die in Jesu Auferstehung gründet. Entsprechendes gilt auch für die Firmung, da mit ihr der Weg der vollen Eingliederung in die Kirche fortgesetzt wird.

Ein allgemeines Verbot für Taufen und Firmungen innerhalb der Österlichen Bußzeit gibt es nicht. Um den Charakter dieser 40 Tage als Vorbereitungszeit auf Ostern bzw. auf die Osternacht, in der traditionell die Sakramente der Eingliederung in die Kirche (Taufe, Firmung, Erstkommunion) gespendet werden, ernst zu nehmen, sollte man jedoch diese Feiern nur in dringenden Ausnahmefällen zulassen.

Manuel Uder

Gibt es Regelungen bezüglich der Osterkerze, an welchen Tagen im Kirchenjahr sie entzündet wird und wo sie stehen soll? C. F.

In der Osterzeit (bis einschließlich Pfingstsonntag) brennt die Osterkerze bei jeder liturgischen Feier für alle sichtbar in Ambo- oder Altarnähe. Nach Ablauf der Osterzeit empfiehlt es sich, ihr einen würdigen Platz am Taufort zu geben. An ihr sollen bei der Feier der Taufe die Kerzen der Neugetauften entzündet werden. In Messfeiern für Verstorbene soll sie als Zeichen der Auferstehung am Sarg brennen.

Außerhalb der Osterzeit soll die Osterkerze normalerweise nicht brennen. Es gibt aber besondere Anlässe, bei denen es sinnvoll ist: Sie brennt immer bei Tauffeiern; entsprechend kann sie auch bei den Feiern der Erstkommunion und der Firmung, die weitere einzelne Stationen der Eingliederung in die Kirche sind, brennen; wie die Taufkerzen können auch Erstkommunionkerzen an ihr entzündet werden. Sinnvoll kann es auch sein, wenn sie bei der Feier der Trauung brennt und die Brautkerze an ihr entzündet wird. Wie bei Messen für Verstorbene kann die Osterkerze auch bei (nicht eucharistischen) Gottesdiensten zum Totengedenken brennen. Gleiches gilt für die Gottesdienste am Fest Allerseelen. Bereits an Allerheiligen ist es sinnvoll, die Osterkerze zu entzünden. Sie steht zusammen mit den brennenden Apostelleuchtern im Kirchenraum für die himmlische Kirche, die um den auferstandenen und in den Himmel aufgenommenen Christus versammelt ist. In der vorösterlichen Bußzeit soll in Erwartung des nahenden Osterfestes und der neuen Osterkerze die (alte) Osterkerze nicht brennen (in der Regel finden in dieser Zeit auch keine Tauffeiern statt).

Eduard Nagel

Gibt es irgendwelche Empfehlungen, wie man am Ende der Osterzeit, also an Pfingsten, mit der Osterkerze umgehen soll?

Grundsätzlich ist zu beachten, dass der unbedachte Umgang mit einem Symbol dazu beiträgt, seine eigentliche Bedeutung zu verflachen und an den Rand zu drängen. Symbole müssen etwas Besonderes bleiben und eine entsprechende Behandlung erfahren. Die brennende Osterkerze stellt uns Jesus Christus, der als Auferstandener das Licht der Welt ist, zeichenhaft vor Augen. Dies wird etwa durch den Kerzenschmuck (Alpha und Omega, Kreuz, Jahreszahl), aber vor allem durch ihre liturgische Funktion innerhalb der Osternacht deutlich.

Da die Osterkerze derart eng mit österlichen Motiven verbunden ist, sehen die liturgischen Bücher vor, sie nach der fünfzigtägigen Osterzeit an einen anderen, weniger exponierten Ort zu versetzen, etwa zum Taufbrunnen (Messbuch, S. 204). Geschehen kann dies etwa am Ende des Pfingstgottesdienstes im Rahmen einer feierlichen Prozession. Dabei nimmt der Zelebrant (alternativ auch der Diakon oder ein Laie) wenn möglich begleitet von Weihrauch und Vortragekreuz während des Auszugs die Übertragung vor. Am Taufort angekommen wird die Osterkerze auf den dafür vorgesehenen Halter aufgesetzt und daraufhin vom Zelebranten inzensiert. Anschließend setzt sich die Auszugsprozession wie gewohnt in die Sakristei hinein fort. Nachdem die Gemeinde die Kirche verlassen hat, sollte nicht vergessen werden, die Flamme der Kerze zu löschen.

Manuel Uder

Warum wird in der Osternacht die Osterkerze vor der Gemeinde in die Kirche getragen? Andersherum könnten doch alle sehen, wie sie in der Kirche ankommt. C.F.

Dieser Ritus erschließt sich aus dem Buch Exodus, als Gott die Israeliten aus Ägypten herausführte: „Der Herr zog vor ihnen her (...), um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten“ (Ex 13,21). Dieser Teil fehlt in der Exodus-Lesung der Osternacht, da sie den Schwerpunkt auf die Taufsymbolik legt. Allerdings nimmt das Exsultet den Bezug auf und deutet den Einzugsritus direkt im Anschluss daran: „Dies ist die Nacht, in der die leuchtende Säule das Dunkel der Sünde vertrieben hat, (...) die (...) alle, die an Christus glauben, scheidet von den Lastern der Welt, dem Elend der Sünde entreißt, ins Reich der Gnade heimführt und einfügt in die heilige Kirche.“
Die leuchtende Osterkerze mit ihrer entfernt an eine Säule erinnernden Form ist für die Christen das, was die leuchtende Feuersäule für das Volk Israel war: Der Wegweiser aus Unterdrückung, Sünde, Hass und Trauer in die Freiheit. Dass die Gemeinde der Osterkerze folgt, symbolisiert also, was wir an Ostern feiern: Gott befreit sein Volk, indem er es in sein Reich führt. Dazu geht er den Gläubigen, wie schon damals den Israeliten, voran, um ihnen im Dunkel der Nacht (als Symbol für das Dunkel des Lebens) den Weg zu zeigen und mit seinem Licht die Hoffnung auf die versprochene Erlösung zu erhalten.

Christoph Neuert

Was geschieht mit der alten Osterkerze? Ist sie immer noch Christussymbol? Darf eine Gemeinde sie an besondere Personen verschenken?

Die Osterkerze erinnert auch dann noch an Christus, den Auferstandenen, wenn sie nicht mehr in der Kirche gebraucht wird. Es ist darum sinnvoll, sie an eine Person oder Familie zu geben, die ihre Symbolik versteht und der sie etwas bedeutet. In vielen Gemeinden wird die alte Osterkerze als Zeichen der Anerkennung an jemand gegeben, der sich im vergangenen Jahr - oder vielleicht über viele Jahre hinweg - durch besonderes Engagement für die Gemeinde ausgezeichnet hat. Andernorts bringt der Pfarrer die Kerze zu einer Familie oder einer Person, die in der zurückliegenden Zeit von einem besonders hartes Schicksal getroffen wurde und das im Glauben zu tragen versucht, oder zu jemand, der den Weg zur Kirche zurückgefunden hat oder sonst eine großen Schritt im Glaubensleben gemacht hat. In diesem Fall bleibt ihre Funktion, ein Zeichen der Hoffnung und Auferstehung zu sein, besonders schön erhalten. Weil es dabei um sehr persönliche Dinge gehen kann, bedarf eine solche Wahl der Diskretion und wird häufig dem Priester allein überlassen bleiben. Anderswo wird die Osterkerze auf dem Pfarrfest für einen konkret benannten Zweck versteigert (z.B. „amerikanisch", indem jede/r Steigernde jeweils 1 Euro dazu gibt, so dass u.U. eine schöne Summe zusammenkommt).

Schade ist es, wenn die alte Osterkerze nur nach ihrem Brennwert beurteilt und z.B. eingeschmolzen oder ohne ihre Verzierung irgendwo verwendet wird.

Redaktion

Gibt es allgemeingültige Gestaltungsregeln für eine Osterkerze? In unserer Pfarreiengemeinschaft wird die Gestaltung unserer Osterkerze als „nicht liturgiefähig“ kritisiert. B.F.

Der Schmuck der Osterkerze ist im Messbuch beschrieben. Es ist dies das Kreuz; in die vier Felder wird die Jahreszahl eingeschrieben, darüber das Alpha, darunter das Omega; dazu können noch fünf Nägel als Zeichen der fünf Wunden eingefügt werden. Damit stellt die Kerze dar, wofür sie Symbol ist: Christus selbst, der Gekreuzigte und Auferstandene (auf den Leuchter erhoben und brennend), der Herr der Zeit und Ewigkeit. Diese Symbolik wird in der Liturgie der Osternacht nach dem Anzünden der Kerze auch in Worte gefasst: „Christus, gestern und heute - Anfang und Ende - Alpha und Omega. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit. Sein ist die Macht und die Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen. Durch seine heiligen Wunden, die leuchten in Herrlichkeit, behüte uns und bewahre uns Christus, der Herr. Amen.“

Wenig sinnvoll ist es, die Osterkerze mit allen möglichen anderen Symbolen (Ähren, Blumen, Fische, Tauben...) zu schmücken, die nur einen Aspekt hervorheben, der zwar auch auf Christus zutrifft, aber nicht die volle und zentrale Aussage über das zum Ausdruck bringen, was wir am Höhepunkt des Kirchenjahres in der Feier der Drei Österlichen Tage begehen. Denn gerade sie unterscheidet die Osterkerze von jeder anderen Kerze.

Benjamin Leven

In unserer Seelsorge-Einheit wird nur in einer Kirche die Osternacht gefeiert, in einer entlegenen Filialgemeinde ist am Ostermorgen Eucharistiefeier. Können wir die Osterkerze der zweiten Gemeinde zusammen mit der anderen in der Osternacht segnen lassen? Oder gibt es Möglichkeiten, das Osterlicht aus der Osternacht in die zweite Gemeinde zu tragen? Kann auch dort eine Lichtfeier wie in der Osternacht stattfinden? R. D.

Zwei Osterkerzen sollten in der Feier der Osternacht nicht verwendet werden, weil die eine Osterkerze Symbol Christi ist. Eher ist vorstellbar, dass am Ende das Osterlicht (in einer Laterne) in die zweite Gemeinde mitgetragen wird, um damit dort im Gottesdienst die Osterkerze zu entzünden. Dies sollte feierlich geschehen, so dass die Gemeinde den Zusammenhang wahrnehmen kann: Einzug, während die Osterkerze auf dem Leuchter noch aus ist; nach der Eröffnung feierliches Entzünden der Osterkerze mit dem Licht aus der Osternacht, dazu ein paar deutende Worte; als Antwort kann die Gemeinde das Lied „O Licht der wunderbaren Nacht“ (GL 208) singen. - Ein Lichtritus wie in der Osternacht ist nicht passend, da er seinen Ort in nächtlichen Feiern und in einmaliger Weise in der Osternacht hat. Sinnvoll ist aber, wenn alle zum Taufgedächtnis, das statt Schuldbekenntnis für den Ostermorgen vorgesehen ist (s. MB Anhang I), brennende Kerzen in den Händen halten (z.B. kleine Osterkerzen). Nachdem sie diese mit dem Licht der Osterkerze entzündet haben, folgen das Lobgebet über dem Wasser mit Wasser-Segnung und das Ausspenden des Wassers an die Gläubigen.

Eduard Nagel