Oktav bezeichnet in der Liturgie die achttägige Feierverlängerung eines besonders hochstehenden Festes. Das Wort stammt vom lateinischen octava beziehungsweise dies octava und bedeutet „achter Tag“. Gemeint ist der achte Tag nach dem Fest, der dieses noch einmal feierlich abschließt. Von dort ging die Bezeichnung auf die gesamte Festwoche über. Eine Oktav bringt zum Ausdruck, dass die Freude über ein zentrales Heilsereignis nicht auf einen einzigen Tag beschränkt bleibt.
Besonders bedeutend sind in der römisch-katholischen Kirche die Weihnachtsoktav und die Osteroktav. Die Weihnachtsoktav umfasst die Tage vom Weihnachtsfest bis zum Hochfest der Gottesmutter Maria am 1. Januar. Die Osteroktav reicht vom Ostersonntag bis zum zweiten Ostersonntag („Weißer Sonntag“). In diesen Tagen haben die Gottesdienste einen besonders festlichen Charakter; Lesungen, Gebete und Gesänge stehen ganz im Zeichen des gefeierten Geheimnisses.
Früher kannte der liturgische Kalender zahlreiche weitere Oktaven, etwa zu Fronleichnam, zu Pfingsten – beim Pfingstmontag handelt es sich um ein letztes Überbleibsel davon – oder zu Patronatsfesten. Im Zuge der Liturgiereform des 20. Jahrhunderts wurden viele davon aufgehoben, um das Kirchenjahr übersichtlicher zu gestalten. Erhalten blieben vor allem Weihnachten und Ostern als die beiden zentralen Feste des christlichen Glaubens. Die Oktav erinnert daran, dass große Glaubensgeheimnisse Zeit brauchen, um gefeiert, bedacht und im Leben aufgenommen zu werden.
Manuel Uder, Trier