Lektor/in

Als Lektor/in (lat. lector = Vorleser) wird allgemein ein Gemeindemitglied bezeichnet, das mit dem Vorlesen der Schriftperikopen vor dem Evangelium im Gottesdienst beauftragt ist. Bei Bedarf kann der Lektor / die Lektorin auch den Antwortpsalm und die einzelnen Anliegen des Fürbittgebets vortragen. Der Laiendienst des Vorlesers ist bereits seit dem 2. Jahrhundert nachweisbar, entwickelte sich jedoch im Laufe des Mittelalters zu einem eigenen Weiheamt. Als solches wurde es den „Niederen Weihen“ zugerechnet, welche Durchgangsstufen zum Priestertum darstellten, ansonsten allerdings funktionslos waren.

Dies änderte sich erst mit der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils: Papst Paul VI. schuf mit dem Apostolischen Schreiben Ministeria quaedam (1972) die „Niederen Weihen“ ab. Dem Lektorenamt, nun als Laiendienst verstanden, wurde seine ursprüngliche Funktion zurückgegeben: das Vortragen des Wortes Gottes in der Liturgie (mit Ausnahme des Evangeliums).

Nach Ministeria quaedam ist die Beauftragung zum Lektorat, welche durch den Bischof innerhalb einer Messfeier oder eines Wortgottesdienstes erfolgt, jedoch Männern vorbehalten. Aus diesem Grund wird es auch heute noch weitgehend als Vorstufe des Diakonen- und Priesteramtes angesehen. Neben diesen auf Dauer vom Bischof beauftragten Lektoren sieht das Kirchenrecht jedoch auch die zeitlich begrenzte Beauftragung von Männern und Frauen vor, die Aufgaben des Lektors zu erfüllen. Diese ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sind heute aus dem liturgischen Leben in der Gemeinde nicht mehr wegzudenken.

Manuel Uder

Wie soll ich das Schriftbild im Lektionar vortragen? J.R.

Das Schriftbild des Lektionars (und des Evangeliars) weist eine Gliederung in Sprechzeilen auf. Jede Zeile steht hierbei für eine Sinneinheit. Diese Gliederung soll helfen, den Sinn des Textes während des Lesens bzw. Hörens zu erfassen. Dabei kann der Umfang einer Sinneinheit variieren.
Jede Einheit hat so viel Gewicht, dass sie wie ein in sich abgeschlossener Satz vorzutragen ist. Das heißt: Am Ende senkt sich die Stimme und eine deutliche Pause folgt, auch wenn der tatsächliche Satz noch weiter geht. Andererseits sind mehrere Sätze in einer Sinneinheit ohne Unterbrechung vorzutragen: In dem Satz „Er sagte: Komm!“ machen wir im alltäglichen Sprechen auch keine Pause nach dem Doppelpunkt.
Ebenso werden Nebensätze (z. B.: „Immer, wenn ich für euch bete“), wie in der normalen Aussprache, ohne Pause an den Hauptsatz angefügt. Eine eingerückte Zeile/Sinneinheit bedeutet, dass sie inhaltlich zur vorangegangenen Zeile gehört. Die vorherige Zeile sollte dann nicht mit gesenkter Stimme beendet werden und die folgende Pause muss kürzer sein, damit der Zusammenhang der über- und der untergeordneten Sprechzeilen sowie deren Gesamtsinn deutlich wird. Größere Zeilenabstände zeigen einen Abschnittswechsel an. Hier ist eine größere Pause angebracht.
Die Hinweise „Zum Vortrag der Lesungen“ finden sich im Anhang des jeweiligen Lektionars (je nach Umfang Anhang I-V).

Christoph Neuert, Trier

Unser Pastor hat darum gebeten, dass alle Lektoren beim Kommen und Gehen eine Verbeugung machen sollen. Bisher haben die Lektoren beim Hinaufgehen zum Ambo eine Verbeugung gemacht, nicht jedoch beim Hinuntergehen. Wie ist es sinnvoll?

Die „Grundordnung des Römischen Messbuchs“ (GORM) hält fest, dass beim liturgischen Einzug der Priester, der Diakon und die liturgischen Dienste gemeinsam einziehen und, wenn sie den Altarraum erreicht haben, den Altar mit einer tiefen Verneigung grüßen (GORM 47/49). Das gleiche tun sie, wenn sie am Ende der Messe den Altarraum wieder verlassen (GORM 90 d). Befindet sich im Altarraum ein Tabernakel, machen Priester, Diakon und liturgische Dienste eine Kniebeuge „wenn sie zum Altar kommen und von dort weggehen, nicht aber während der Messfeier“ (GORM 274).

Am sinnvollsten und im Sinne der Vorgaben wäre es sicherlich, wenn die Lektoren gemeinsam mit den anderen liturgischen Diensten einziehen würden. Sie würden dann die vorgesehenen Ehrbezeigungen machen und später eben an den Ambo treten, wenn sie die Lesung vortragen. Wenn die Lektoren aber erst zu den Lesungen den Altarraum betreten und es bisher üblich war, dass sie dann eine Verneigung machen, ist es natürlich konsequent, dass sie sich beim Verlassen des Altarraums auch wieder verneigen.

Benjamin Leven

Darf ein Kommunionkind in einer normalen Pfarrmesse eine Lesung vortragen, wenn es zuvor mit dem Vater, der Lektor ist, geübt hat? Die Familie wurde vom Gottesdienstleiter abgewiesen, nach seiner Meinung dürfen Kinder dies nur in Familiengottesdiensten tun. Der Vater wollte mit dem Lesen der Tochter den Gottesdienst etwas interessanter gestalten und wollte die Tochter auch begleiten. U. M.

Der Lektorendienst setzt grundsätzlich voraus, dass die betreffende Person den Inhalt des Textes verstehen und so vortragen kann, dass er von den anderen Mitfeiernden erfasst werden kann. Zugleich ist der Lektorendienst ein Glaubenszeugnis: Aufgrund von Taufe (und Firmung) verkünden Christen ihren Schwestern und Brüdern Gottes Wort. Nun ist das Kommunionkind erst auf dem Weg, ganz in die Glaubensgemeinschaft eingegliedert zu werden. Seiner Situation entspricht darum vor allem das Hören des Wortes Gottes, aber weniger das Belehren. In anderen Bereichen des Lebens wird man kaum auf die Idee kommen, einem Kind den Vortrag eines wichtigen Textes vor einer Versammlung Erwachsener zu übertragen.

Die Beauftragung mit dem Lektorendienst ist Sache des zuständigen Pfarrers bzw. des Zelebranten.

Das persönliche Anliegen, dem Kind den Gottesdienst „interessanter zu gestalten", ist hoch zu schätzen; ihm aber gleich einen solchen für die Gemeinde wichtigen Dienst zu übertragen, wird aber in der Regel das Kind - und vielleicht auch die Gemeinde - überfordern.

Eduard Nagel

In unserer Gemeinde hatten wir einen liturgisch sehr versierten Pfarrer, der uns Lektoren mit Alben ausgestattet hat. Diese tragen wir nach wie vor im Gottesdienst, und wir bleiben während der Messe im Altarraum. Der jetzige Pfarrer meint, die Lektoren und auch die Kommunionhelfer sollten „aus dem Volk" kommen, damit zum Ausdruck gebracht wird, dass das Volk an der Liturgie beteiligt ist. J. S.

Zu Ihrer Frage gibt es gute Argumente nach beiden Seiten.

Von der Liturgie her gesehen spricht Vieles für die Praxis, die Ihr früherer Pfarrer eingeführt hat: Alle, die einen liturgischen Dienst versehen, tragen ein liturgisches Gewand, ziehen mit dem Zelebranten ein und bleiben während des ganzen Gottesdienstes im Chorraum. So sieht es auch das Messbuch vor.

Allerdings war bei der Abfassung des Messbuchs zunächst an die „instituierten" Lektoren gedacht. Das Lektorat war zu der Zeit noch eine „niedere Weihe". Zwar wurden dann die „Niederen Weihen" abgeschafft und der Dienst der Akolythen und Lektoren zu reinen Laiendiensten erklärt, aber zugleich auf Männer beschränkt. Darum werden bis heute de facto nur die Weihekandidaten für das Diakonen- und Priesteramt damit beauftragt („instituiert").

Als nun der Vorlesedienst als eigener Laiendienst ohne Beauftragung aufkam, gab es das Problem, dass Frauen den Altarraum nicht betreten durften. Weil aber Frauen nicht ausgeschlossen sein sollten, hieß es zunächst, sie sollten diesen Dienst „an einem geeigneten Ort außerhalb des Altarraumes" ausüben. Das aber wurde als Diskriminierung empfunden und flächendeckend abgelehnt. Ein liturgisches Gewand für diesen Dienst kam für Frauen schon darum nicht in Frage, weil selbst die Ministrantengewänder im Grunde Klerikergewänder waren.

Anstatt einen neuen liturgischen Ort für den Vorlesedienst der Frauen zu schaffen, fand man die Lösung, dass Lektorinnen und Lektoren nur zum Dienst selbst aus der Bank an den Ambo treten und danach wieder dorthin zurückkehren.

Schnell entdeckte man in dieser Praxis auch eine durchaus überzeugende Symbolik: Es ist Aufgabe eines jeden Christen, nicht nur als Ersatz für nicht vorhandene Kleriker, seinen Schwestern und Brüdern - selbst den Amtsträgern bis hin zu Priester und Bischof - das Wort Gottes vorzulesen, zu verkünden und zu bezeugen. In diesem Sinn stellt sich der Lektorendienst noch deutlicher als echter Laiendienst dar, wenn die betreffenden Frauen oder Männer dazu aus der Gemeinde heraustreten und danach wieder dorthin zurückkehren, zumal ihr Dienst - anders als der des Diakons oder der Ministrant/innen - nicht die Feier als Ganze, sondern dieses einzige Element betrifft.

Gerade wenn die Lektor/innen auch die Anliegen des Allgemeinen Gebets vortragen, kommt im Heraustreten aus der Gemeinde noch einmal zum Ausdruck, dass diese Bitten ein originäres Gebet der Gemeinde sind.

Nicht zu vergessen ist schließlich, dass selbst bei Papstgottesdiensten, die in den letzten Jahrzehnten das Fernsehen übertragen hat, der Lektorendienst in der Regel ohne liturgisches Gewand ausgeübt wurde.

Es gibt also keine so eindeutige Antwort, wie die Dokumente zunächst vermuten lassen. Das Gespräch darüber kann bewusst machen, welch hohe Würde gerade im Lektorendienst liegt.

Eduard Nagel