Kreuzverhüllung

Der Brauch, vom Fünften Fastensonntag an bis Ostern die Kreuze und Bilder in den Kirchen zu verhüllen, kam zu einer Zeit auf, in der man das Kreuz als Sieges- und Lebenszeichen verstand. Kreuzesdarstellungen hatten die Gestalt von Triumph-Kreuzen: geschmückt mit Perlen und Edelsteinen. Sie wurden vom damals so genannten „Passionssonntag" an verhüllt, weil man sich in diesen Tagen vor Ostern auf den Aspekt des Leidens und Sterbens Jesu Christi konzentriert(e), um an Ostern die Auferstehung und das Leben zu feiern. Auch die Erinnerung daran, dass Jesus sich in der letzten Zeit vor seinem Einzug in Jerusalem nicht mehr in der Öffentlichkeit bewegte (Joh 11,54), mag eine Rolle gespielt haben. Verhüllt wurden auch Bilder, die als Abbildung der Heilsgeschichte (nach dem Alten und dem Neuen Testament sowie im Leben von Heiligen) den Aspekt des Sieges Christi und seiner Verherrlichung betonen. Als schließlich Kreuze mit der Gestalt des leidenden Herrn üblich wurden, blieb der Brauch der Verhüllung dennoch erhalten.

Im Zuge der Erneuerung der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil kam der Ursprung des Brauchs, nur die Triumphkreuze zu verhüllen, wieder stärker in Erinnerung. So ist heute vorgesehen, dass die Kreuze bis zum Ende der Karfreitagsliturgie, die Bilder jedoch bis zum Beginn der Osternachtfeier verhüllt bleiben. Für die Kreuzverehrung am Karfreitag gibt es neben einer Kreuz-Enthüllung (von Triumphkreuzen) die zweite Möglichkeit, ein unverhülltes Kreuz (mit dem leidenden Herrn) in die gottesdienstliche Versammlung hereinzutragen.

Redaktion

In pgd 3/09 stand im Zusammenhang mit der Erklärung des Begriffs „Passionszeit", dass für diese Zeit die Verhüllung der Kreuze und Bilder typisch „war". Heißt dieses „war", dass das heute nicht mehr sinnvoll ist? - Ich kenne es nicht anders. Wir halten wir es hier so, dass ab Aschermittwoch bis einschließlich Karfreitag der alte Hochaltar mit seinen prachtvollen Bildern verhüllt wird. Vom 5. Fastensonntag - also dem früheren „Passionssonntag" - an bis einschließlich Karfreitag werden auch die Kreuze verhüllt und sie bleiben dies bis zur Kreuzenthüllung und -verehrung in der Liturgie des Karfreitags. Ist diese Praxis auch heute noch sinnvoll und gewünscht? H. S.

Das Wort „war" in dem genannten Artikel kam daher, dass sich der Satz auf die heute nicht mehr so genannte „Passionszeit" bezog. Der Brauch selbst ist nach wie vor aktuell. Im Messbuch heißt es dazu: „Der Brauch, die Kreuze und Bilder zu verhüllen, soll beibehalten werden. In diesem Fall bleiben die Kreuze verhüllt bis zum Ende der Karfreitagsliturgie, die Bilder jedoch bis zum Beginn der Osternachtfeier." Vor allem sinnvoll ist die Verhüllung von Kreuzen, die nicht den leidenden Christus zeigen, sondern den erhöhten, verherrlichten Herrn, also von „Triumphkreuzen", und von Bildern, die auf ganz unterschiedliche Weise an die Auferstehung erinnern wie etwa der im Barock beliebte Blick in den Himmel oder Bilder und Statuen, die Christus oder Maria oder Heilige in der himmlischen Herrlichkeit zeigen.

Eduard Nagel