Kollekte

Das Wort „Kollekte" stammt aus dem Lateinischen und heißt zunächst Sammlung. In der Liturgie wird „Kollekte" für zweierlei verwendet: Zum einen wird damit das Tagesgebet bezeichnet, in dem der Priester das Gebet der Gläubigen „sammelt", also zusammenfasst, das diese auf seine Aufforderung „Lasset uns beten" hin in ihrem Herzen gesprochen haben. (Für dieses Gebet soll der Priester eine entsprechende kurze Stille vorsehen.) Daneben bedeutet „Kollekte" die Geldsammlung bei der Eucharistiefeier. Dabei geht es nicht um ein freiwilliges Eintrittsgeld, sondern diese Sammlung hat mit dem Wesen der Feier zu tun. Die Gabe im Klingelbeutel macht an dieser Stelle den engen Zusammenhang von Liturgie und Diakonie - von Gottesdienst und Dienst am Menschen - deutlich. Sie ist als Spende Ausdruck der Selbst-Hingabe dessen, der sie gibt, und damit eine Form tätiger Teilnahme am Geschehen der Feier, deren innerster Kern die Hingabe Jesus Christi ist, der sich die Mitfeiernden anschließen sollen. Der Ursprung der Geldkollekte liegt im Brauch der Urgemeinde, zum sonntäglichen Gemeindegottesdienst auch Speisen mitzubringen, die anschließend gemeinsam verzehrt und an die Armen verteilt wurden.

Abzulegen sind diese Gaben sinnvollerweise zu Füßen des Altars, keinesfalls auf ihm, oder auch auf der Kredenz oder an einem anderen geeigneten Platz, der möglichst für die Gläubigen noch sichtbar ist. Die Gaben gleich in die Sakristei zu bringen entspricht nicht der vollen Bedeutung dieser Gabe.

Eduard Nagel

Dem Liturgieausschuss unserer Gemeinde wurde die Bitte angetragen, die Kollekte nicht mehr auf eine Ablage neben der Sakristeitür zu stellen, sondern „zum Altar zu bringen“. Schließlich sei die Kollekte doch ein sichtbares Zeichen der Gemeinde. Am Schluss der Messe könnten die Messdiener die Körbe mit in die Sakristei nehmen. Meine Frage ist nun, wo man die Körbe abstellen kann. Auf den Altar gehören sie nicht. Sollen sie vor ihn gestellt werden oder etwa auf den Kredenztisch?
Das Einsammeln des Geldes in der Kollekte dauert bis in die Zeit des Hochgebetes. Dann ist es störend, wenn der Kollektant die Körbe zum Altar bringt. Sollte der Priester mit dem Gabengebet warten, bis die Kollekte nach vorne gebracht ist? J. N.

Sie haben ganz recht, wenn Sie schreiben, dass die Kollektenkörbe nicht auf den Altar gehören, da dieser den eucharistischen Gaben vorbehalten ist. Auch der Kredenztisch ist hierfür kein geeigneter Ort, dient er doch der Bereithaltung der liturgischen Geräte für den Gottesdienst. Am besten ist m. E. immer noch die Möglichkeit, sie vor dem Altar abzustellen, damit sie die gesamte Eucharistiefeier hindurch für alle Mitfeiernden gut sichtbar ist. Von ihrem Ursprung und inneren Sinngehalt her ist die Kollekte eine Ersatzform für die früher von den Gläubigen dargebrachten Naturalien Brot und Wein, eine karitative Gabe für die Armen und theologisch ein Stück Selbsthingabe an Christus. Wenn die Kollektenkörbe unmittelbar nach der Gabenbereitung aus dem Blickfeld der Gemeinde verschwinden, kommt dieses persönliche und ausdrucksstarke Zeichen wenig zum Tragen.

Ihre Frage, wann das Einsammeln der Kollekte abgeschlossen sein sollte, kann mit einem Blick in das offizielle liturgische Dokument Die Feier der Gemeindemesse eindeutig beantwortet werden. Dort heißt es: „Es ist dafür zu sorgen, dass das Einsammeln der Kollekte vor dem Gabengebet abgeschlossen ist." (Art. 73) Diese Anweisung ist sehr sinnvoll, wenn man bedenkt, welche Unruhe das Einsammeln im Kirchenraum auslöst und wie dadurch die Andacht und tätige Teilnahme der Gläubigen - gerade während des Gaben- und Hochgebets - gestört wird. Die Zeit, alle Elemente der Messfeier in Ruhe und mit Würde vollziehen zu dürfen, sollte man sich als Zelebrant doch im Sinne der Mitfeiernden nehmen.

Manuel Uder