Kindergottesdienst

Kinder stellen andere Ansprüche an einen Gottesdienst als Erwachsene. Sie begreifen u. a. biblische Geschichten leichter, wenn sie in kindgemäßer Sprache erzählt werden und mit verschiedenen Sinnen erlebbar sind, wenn Bilder oder Figuren zum Einsatz kommen, Bewegungselemente eingebaut werden und so weiter. Des Weiteren haben Kinder im Allgemeinen eine geringere Aufmerksamkeitsspanne als Erwachsene und einen höheren Bewegungsdrang.

Dieser besonderen Situation werden Kindergottesdienste gerecht. Solche Gottesdienste sind in der Regel keine Messfeiern, sondern z.B. Andachten mit einer größeren katechetischen Einheit, das Krippenspiel, eine Statio zum Sankt-Martinszug, etc. Sie können als Schul- oder Kindergartengottesdienst, als Krabbelgottesdienst mit den Eltern o. ä. an anderen Tagen der Woche stattfinden. In vielen Pfarreien ist es üblich, im Sonntagsgottesdienst zeitgleich zum Wortgottesdienst der sonntäglichen Gemeindeeucharistie eine kindgerechte Katechese anzubieten. Anpassungsmöglichkeiten bei der Messfeier sind im "Direktorium für Messfeiern mit Kindern" (1973) geregelt und beschrieben. Es gibt liturgische Hilfen zu Kindergottesdiensten in Form von Lektionaren sowie drei Hochgebete für Messfeiern mit Kindern.

Ist es sinnvoll, in Kindergottesdiensten Geschichten zu verwenden? S. B.

Wenn eine Geschichte zur Verdeutlichung und Vertiefung einer Schriftlesung und nicht anstelle derselben erzählt wird, kann dies durchaus sinnvoll sein. Grundsätzlich aber gehören Geschichten in den Bereich der Katechese, während im Mittelpunkt des Verkündigungsteils der Liturgie die Heilige Schrift steht: Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament sowie die Verkündigung des Evangeliums, in denen Gott zu uns Menschen spricht. Die wichtige Bedeutung der Bibel in der Liturgie als Gottes Wort kommt dadurch zum Ausdruck, dass diese Texte vom Ambo aus verkündet werden. Andere Texte, darunter sämtliche Gebete (mit Ausnahme der Fürbitten), Ankündigungen und Geschichten werden von einem anderen Ort aus gesprochen. Wenn eine verdeutlichende Geschichte erzählt wird, soll diese in Inhalt, Länge und Gestaltung nicht die biblische Lesung überdecken, so dass diese wie eine Verdeutlichung der Geschichte wirkt. Eine Geschichte soll vielmehr pointiert einen Aspekt der biblischen Verkündigung herausstellen und Hilfen geben zum Verstehen bzw. zum Übertragen auf andere Zusammenhänge, v.a. das Leben der Gottesdienst Feiernden. Geschichten sollten nach Möglichkeit frei erzählt werden. Nicht bei jeder Schriftlesung ist eine zusätzliche Geschichte sinnvoll, z.B. wenn das Evangelium selbst erzählenden Charakter hat (Gleichnis u.a.).

Eduard Nagel

In unserem Kinderliturgiekreis kam die Frage auf, ob man bei Kinder-Wort-Gottes-Feiern auch aus einer Kinderbibel vorlesen kann. Einige von uns meinen, nein. Können Sie Auskunft geben? C. G.

Die Verkündigung aus der Heiligen Schrift ist Kernstück jeder Wort-Gottes-Feier. So dürfen biblische Lesungen auch in Kindergottesdiensten nicht fehlen. Es ist wichtig, deutlich zu machen, dass hier nicht irgendwelche Geschichten erzählt werden, sondern dass das Wort Gottes aus der Heiligen Schrift für uns Christen von ganz besonderer Bedeutung ist. Das kommt u. a. zum Ausdruck, wenn vom Ambo aus und aus einem kostbar gestalteten Buch vorgetragen wird, wenn Weihrauch und Kerzen zur Verehrung des Wortes Gottes eingesetzt werden. Dies kann man auch im Kindergottesdienst verwirklichen. Das heißt v. a. nicht von losen Zetteln ablesen, sondern aus einem richtigen und schönen Buch. Da kommen zunächst die beiden Bände des „Lektionars für Kindermessen“ in Frage. Da darin aber nicht alle biblischen Texte enthalten sind, und da v. a. für nicht eucharistische Kindergottesdienste an Werktagen geeignete Schriftlesungen frei gewählt werden können, kann auch eine geeignete Kinderbibel zum Einsatz kommen. Das „Direktorium für Kindermessen“ von 1973 empfiehlt daneben auch den Gebrauch von Bibelausgaben, die in der Katechese Verwendung findet. Dabei gilt aber: Die Texte sollen keine Paraphrasen sein, sondern wirklich den Bibeltext wiedergeben. Da nicht alle Kinderbibeln den genannten inhaltlichen und gestalterischen Kriterien entsprechen, sollte man genau hinschauen.

Redaktion

In unserer Pfarrei findet parallel zur Sonntagsmesse ein Kleinkinder-Gottesdienst mit Kommunionspendung für die Erwachsenen statt. Ist das sinnvoll?

Die Messe kann auf Dauer nicht durch eine religiöse Gemeinschaftsfeier für Kleinkinder ersetzt werden. Die Eltern und ihre kleinen Kinder nehmen möglicherweise über einen längeren Zeitraum nur am Kleinkindergottesdienst teil und verzichten während dieses Zeitraums auf den Messbesuch. Gleiches gilt wohl auch für die Leiter des Gottesdienstes. Die sonntägliche Gemeindemesse soll - zumindest ihrem Anspruch nach - ein Gottesdienst der ganzen Pfarrgemeinde sein, nicht eine Feier bestimmter Gruppen. Jeder muss hier seinen Platz haben, auch die kleinen Kinder.

Die Teilnahme an der Messfeier geschieht für jeden auf eigene Weise und nach den eigenen Möglichkeiten: durch Gesang, Gebet, Gesten, Bewegungen, Hören, Schauen usw. Auch für kleine Kinder gibt es viele Möglichkeiten zur Teilnahme an der Messe. Für die Verantwortlichen besteht die Pflicht, ihnen diese Möglichkeiten auch einzuräumen. Es steht zudem jeder Gottesdienstversammlung gut zu Gesicht, sich an der Anwesenheit vieler Kinder im Gottesdienst nicht zu stören. Wenn für die kleinen Kinder ein eigener Gottesdienst während der Messe stattfindet, ist es sinnvoll, dass die Teilnehmer an einem bestimmten Zeitpunkt zur Messfeier der Pfarrgemeinde hinzukommen. Wer dann die Kommunion empfangen möchte, kann dies innerhalb der Messe tun. So bleibt der Zusammenhang von Kommunion und Eucharistiefeier erhalten.

Benjamin Leven

Oft werden am Heiligen Abend anstelle eines Kindergottesdienstes aufwändig inszenierte Krippenspiele aufgeführt. Wie lassen sich mit wenig Aufwand Gottesdienst und Krippenspiel verbinden? I. B.

Selbstverständlich sollte am Heiligen Abend in der Kirche auch mit den (kleinen) Kindern ein „richtiger Gottesdienst“ gefeiert werden. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen einer Vorführung und einer Feier, den auch Kinder bemerken. Weihnachten ist ein Grund zum Feiern: Die Weihnachtsbotschaft hören (und sehen) und Gott für das Geschenk, das er uns in Jesus macht, danken, ihn loben und preisen. Der Akzent liegt dabei auf „gemeinsam feiern“, d. h. die am Gottesdienst teilnehmenden Kinder (und Eltern) sollten nicht nur Zuschauer eines Theaterstücks sein, sondern wirklich miteinander Weihnachten feiern können. Das Krippenspiel ist dabei die szenische Illustration der Verkündigung, also des Evangeliums einer vollständigen Wort-Gottes-Feier, bestehend aus den Teilen Eröffnung, Verkündigung, Gebet und Abschluss. Besonders gut kommt dies zum Ausdruck, wenn das Evangelium aus einem schön gestalteten Lektionar oder einer (Kinder-)Bibel vom Ambo aus verkündet und parallel dazu durch Spielszenen illustriert wird. Dafür braucht es keine aufwändige Kulisse und keinen auswendig zu lernenden Text, lediglich ein paar Requisiten und Kostüme. Zwischen den einzelnen Szenen können Lieder gesungen werden oder auch Kommentare aus heutiger Sicht die Weihnachtsbotschaft aktualisieren.

Redaktion