Jahreskreis

„Im Jahreskreis" heißen jene Abschnitte des Kirchenjahres, die nicht zu den „Geprägten Zeiten", nämlich zu den beiden „Festkreisen": Advent und Weihnachtszeit, Fastenzeit und Osterzeit, gehören. Das ist also vom Montag nach der Taufe des Herrn bis zum Dienstag vor dem Aschermittwoch und vom Pfingstmontag bis zum Samstag vor dem ersten Adventssonntag. Der Pfingstmontag nimmt eine besondere Stellung ein: Er gehört zwar bereits zur „Zeit im Jahreskreis", weil die Feier von Ostern 50 Tage dauert und damit rechnerisch mit dem Pfingstsonntag schließt, aber er ist noch erfüllt vom Glanz des Pfingstfestes, das früher wie das Osterfest eine Oktav hatte, also sogar acht Tage lang gefeiert wurde.

Wegen der unterschiedlichen Termine des Osterfestes verändert sich die Anzahl der Sonntage vor dem Aschermittwoch und nach Pfingsten. Während die Berechnung bis zum Aschermittwoch ganz einfach ist, ist für die Zeit nach Pfingsten vom Ende des Kirchenjahres auszugehen. Der letzte Sonntag vor dem nächsten Ersten Advent ist der Christkönigssonntag; er ist zugleich der 34. Sonntag im Jahreskreis. Zählt man von ihm aus zurück, lässt sich bestimmen, die wievielte Woche im Jahreskreis am Pfingstmontag beginnt. Das ist für das Stundengebet und für die Wahl des Messformulars an den Werktagen wichtig. Am Sonntag taucht die Zählung erst am zweiten Sonntag nach Pfingsten auf, da der erste Sonntag nach Pfingsten immer der Dreifaltigkeitsonntag ist.

Redaktion

Siehe auch: Zeit im Jahreskreis

Gibt es Regelungen bezüglich der Osterkerze, an welchen Tagen im Kirchenjahr sie entzündet wird und wo sie stehen soll? C. F.

In der Osterzeit (bis einschließlich Pfingstsonntag) brennt die Osterkerze bei jeder liturgischen Feier für alle sichtbar in Ambo- oder Altarnähe. Nach Ablauf der Osterzeit empfiehlt es sich, ihr einen würdigen Platz am Taufort zu geben. An ihr sollen bei der Feier der Taufe die Kerzen der Neugetauften entzündet werden. In Messfeiern für Verstorbene soll sie als Zeichen der Auferstehung am Sarg brennen.

Außerhalb der Osterzeit soll die Osterkerze normalerweise nicht brennen. Es gibt aber besondere Anlässe, bei denen es sinnvoll ist: Sie brennt immer bei Tauffeiern; entsprechend kann sie auch bei den Feiern der Erstkommunion und der Firmung, die weitere einzelne Stationen der Eingliederung in die Kirche sind, brennen; wie die Taufkerzen können auch Erstkommunionkerzen an ihr entzündet werden. Sinnvoll kann es auch sein, wenn sie bei der Feier der Trauung brennt und die Brautkerze an ihr entzündet wird. Wie bei Messen für Verstorbene kann die Osterkerze auch bei (nicht eucharistischen) Gottesdiensten zum Totengedenken brennen. Gleiches gilt für die Gottesdienste am Fest Allerseelen. Bereits an Allerheiligen ist es sinnvoll, die Osterkerze zu entzünden. Sie steht zusammen mit den brennenden Apostelleuchtern im Kirchenraum für die himmlische Kirche, die um den auferstandenen und in den Himmel aufgenommenen Christus versammelt ist. In der vorösterlichen Bußzeit soll in Erwartung des nahenden Osterfestes und der neuen Osterkerze die (alte) Osterkerze nicht brennen (in der Regel finden in dieser Zeit auch keine Tauffeiern statt).

Eduard Nagel

Im Liturgischen Kalender dieses Jahres sucht man den 9. und 10. Sonntag im Jahreskreis vergeblich, während dennoch die Wochentage der 9. und 10. Woche vorkommen. Wie ist dies zu erklären? H. K.

Die Zeit „im Jahreskreis" (i. Jk.) kann 33 oder 34 Wochen umfassen. Je nachdem, wie lang die Adventszeit ist (zwischen drei und vier Wochen) und an welchem Datum der jährlich wechselnde Ostertermin liegt, ergeben sich für die beiden Jahreskreis-Zeitblöcke unterschiedliche Zahlen von Sonntagen. Konkret: In unterschiedlichen Jahren können zwischen Epiphanie und Aschermittwoch 4 bis 9 Sonntage liegen und zwischen Pfingsten und dem 1. Advent 23 bis 28 Sonntage. Die Sonntage i. Jk. werden fortlaufend durchgezählt, die auf sie folgenden Wochentage als Wochentage der jeweiligen Woche. Folgende Besonderheiten sind jedoch zu beachten:

  1. Es gibt kein liturgisches Formular für den 1. So. i. Jk., weil dieser immer als Fest „Taufe des Herrn" gefeiert wird; auf ihn folgen die Wochentage der 1. Woche i. Jk.
  2. Der Pfingstsonntag zählt theoretisch als einer der Sonntage i. Jk., d.h. auf ihn folgen die Wochentage jener Woche, die am Dienstag vor Aschermittwoch abgebrochen wurde, in diesem Jahr ist es die 9. Woche. Auch der auf Pfingsten folgende Dreifaltigkeitssonntag zählt theoretisch als So. i. Jk. Beide Hochfeste haben jedoch eigene liturgische Formulare, so dass in diesem Jahr die Formulare des 9. und 10. Sonntags i. Jk. entfallen.
  3. In Jahren von nur 33 Wochen i. Jk. (z.B. 2005) entfällt die erste Woche, die nach Pfingsten folgen würde. So ist sichergestellt, dass der 33. So. i. Jk. und der Christkönigssonntag (34. So.) immer gefeiert werden.

Redaktion