Das Wort Hostie leitet sich vom lateinischen hostia („Opfergabe“, „Opfertier“) ab. In der frühen christlichen Tradition bezeichnete es zunächst Christus selbst, der sich am Kreuz als Opfer für die Menschen hingegeben hat (vgl. Eph 5,2). Später ging der Begriff auf das Brot über, das in der Eucharistiefeier verwendet wird. Nach katholischem Glauben wird dieses ungesäuerte Brot im Eucharistischen Hochgebet zum Leib Christi gewandelt und den Gläubigen in der Kommunion gereicht.
In den ersten Jahrhunderten bestand das eucharistische Brot aus gewöhnlichen Brotlaiben, die während der Feier gebrochen und an die Gemeinde verteilt wurden. Im Westen entwickelten sich seit dem Mittelalter zunehmend kleine, dünne Brotoblaten, die sich leichter herstellen, aufbewahren und austeilen ließen. Das Zweite Vatikanische Konzil und die Liturgiereform regten an, wieder Brot zu verwenden, das seine Beschaffenheit als Nahrung deutlicher erkennen lässt. Deshalb sieht die Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch vor, dass das eucharistische Brot „wirklich den Charakter einer Speise hat“ (AEM 321), auch wenn aus praktischen Gründen häufig weiterhin kleine Hostien verwendet werden.
Heute bestehen Hostien aus ungesäuertem Weizenbrot und sind meist etwas dicker als die früher verbreiteten sehr dünnen Oblaten („Esspapier“). Zugleich gehört der Ritus des Brotbrechens wieder sichtbar zur Eucharistiefeier, auch wenn in größeren Gemeinden aus praktischen Gründen zusätzlich zahlreiche kleine Hostien ausgeteilt werden. Die Hostie erinnert so daran, dass die Eucharistie nicht nur die Gegenwart Christi schenkt, sondern auch das eine Brot ist, an dem die vielen Gläubigen als eine Gemeinschaft Anteil haben (vgl. 1 Kor 10,16–17).
Manuel Uder, Trier