Hostie

Von lat. hostia (= Opfertier, Opfergabe), womit in frühchristlicher Zeit zuerst Christus, das sich selbst dargebrachte Opfer, gemeint war (vgl. Eph 5, 2), später die Opfergaben, die man zur Eucharistie mitbrachte. Die heutige Form der kleinen, "handlichen" Hostien sollte eigentlich durch die Liturgiereform abgelöst werden durch zwar ungesäuertes, aber doch wieder deutlicher erkennbares Brot, es sei denn, die Menge der Kommunikanten steht dem entgegen (vgl. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch 283). Aber auch in Gemeinden mit wenig Teilnehmenden hat sich das in der Praxis bisher kaum durchgesetzt, und der Ritus des Brotbrechens beschränkt sich auf das Teilen einer einzigen, größeren Hostie, deren Stücke nur an ein paar wenige ausgeteilt werden können.

Heute werden allgemein Hostien verwendet, die durch ihre Dicke wieder deutlicher als Brot erkennbar sind als die jahrhundertelang üblichen sehr dünnen weißen Hostien ("Esspapier").

Viele Menschen leiden heute an Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Gibt es für solche Fälle glutenfreie Hostien, die man in der Messfeier verwenden darf?    J.W.

Im Handel gibt es zwei verschiedene Arten von „glutenfreien“ Hostien:

  • Oblaten aus Kartoffelstärke, die absolut glutenfrei sind. Diese sind für die Eucharistiefeier in der Katholischen Kirche nicht zugelassen, da sie nicht dem katholischen Kirchenrecht (Weizenbrot) entsprechen.
  • Als „glutenfrei“ dürfen auch Lebensmittel bezeichnet werden, die weniger als 20 ppm (20 mg/kg) Gluten enthalten. Festgelegt ist dies durch eine EU-Lebensmittelverordnung aus dem Jahr 2009. Es gibt Hostienbäckereien, die „glutenfreie Hostien“ mit diesem niedrigen Grenzwert von max. 20 ppm anbieten. Bislang konnte bei Hostien meist ein Grenzwert von 80 ppm aus technischen Gründen kaum unterschritten werden. Hostien mit diesem Grenzwert durften bis 2007 als „glutenfrei“ bezeichnet werden. Jetzt sind sie als „glutenarm“ oder „glutenreduziert“ zu bezeichnen. Eucharistisches Brot, das diese Kriterien erfüllt, darf für die Messfeier in der Katholischen Kirche verwendet werden, da es als Weizenbrot gilt.
  • Personen, die auch diese geringen Mengen an Gluten nicht vertragen, können kommunizieren, indem sie ausschließlich das Blut Christi empfangen.

Ein Mitglied unserer Pfarrgemeinde leidet an einer Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) und leitet eine Gruppe Betroffener. Gewöhnliche Hostien aus Weizenmehl können von ihnen nicht verzehrt werden. Jetzt hat sie vorgeschlagen, Hostien aus Kartoffelstärke zu verwenden. Ist das erlaubt? M. S.

Generell gilt für die Beschaffenheit der Hostien die Vorschrift des Messbuchs: „Das Brot zur Feier der Eucharistie muss aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein und, nach dem Brauch der lateinischen Kirche, ungesäuert“ (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch 282; vgl. CIC Can. 924 § 2). Hostien, die nicht aus Weizenmehl bestehen, dürfen darum nicht verwendet werden. Sie sind „ungültige Materie“, so die kirchliche Fachsprache.

Es gibt allerdings tatsächlich Menschen, die das im Weizen enthaltene Gluten (Klebereiweiß) nicht zu sich nehmen dürfen, da sie unter einer Unverträglichkeit leiden. Für sie werden Hostien angeboten, die zwar aus Weizenmehl bestehen, aber nur sehr wenig Gluten enthalten. Laut einem Schreiben der römischen Glaubenskongregation von 2003 dürfen diese Hostien für die Eucharistie verwendet werden. Medizinische Fachleute bestätigen, dass diese Hostien von den betroffenen Personen problemlos verzehrt werden können.

Gänzlich glutenfreie Hostien sind hingegen laut der Glaubenskongregation keine „gültige Materie“. Alternativ dürfen betroffene Gläubige die Kommunion auch unter der Gestalt des Weines empfangen.

Benjamin Leven

In GL 364,4 steht als „Regieanweisung“ für den Priester, dass er unmittelbar nach der Brotbrechung ein kleines Fragment der Hostie in den Kelch senkt. Warum tut er das? M.H.

Das Einsenken einer Hostienpartikel in den Kelch wird fachsprachlich „Mischung“ genannt. Dieser Ritus wird in der Geschichte unterschiedlich verstanden. Für einige Forscher beruht er auf dem sehr alten römischen Brauch, dass der Papst und andernorts auch die Bischöfe an bestimmten hohen Festtagen ein Stückchen der konsekrierten Hostie an die Priester benachbarter Kirchen übersandten (fermentum). Diese legten es anschließend bei ihrer nächsten Messfeier in den Kelch zum Zeichen der kirchlichen Gemeinschaft. Im Mittelalter verebbte dieser Brauch zwar, doch ahmte man die Mischung später auch nördlich der Alpen nach, ohne ihre ursprüngliche Bedeutung zu verstehen. Man deutete diesen Brauch nun um und verstand die Vereinigung der beiden Gestalten von Leib und Blut als Symbol des vom Kreuzestod zum Leben zurückkehrenden Auferstehungsleibes. Andere Forscher verstehen den Mischungsritus als Übernahme aus der syrischen Liturgie, wo er als Symbol der Auferstehung Christi und seiner Gegenwart auf dem Altar gedeutet wird.

Die jüngste Liturgiereform hat den alten Brauch der Mischung beibehalten. Dabei spricht der Priester: „Das Sakrament des Leibes und Blutes Christi schenke uns das ewige Leben.“ So wird der Bitte um den fruchtbaren Empfang der Kommunion Ausdruck verliehen.

Manuel Uder