Gründonnerstag - Hoher Donnerstag

Der Gründonnerstag ist der letzte Tag der Österlichen Bußzeit. Sein Abend wird bereits den Drei Österlichen Tagen zugerechnet. Der Wortbestandteil „Grün-" hat wahrscheinlich nichts mit der gleichnamigen Farbe zu tun, sondern leitet sich von dem mittelhochdeutschen Verb grînen = weinen ab. Denn in früheren Zeiten wurden an diesem Tag die öffentlichen Büßer, „Weinende" genannt, wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen.

Im Messbuch begegnen außerdem der Begriff Hoher Donnerstag, in manchen Regionen und in anderen Sprachen wird er dagegen Weißer (in Anlehnung an die zu verwendende liturgische Farbe) oder Heiliger Donnerstag genannt. Letzteres lässt sich darauf zurückführen, dass ihm als Gedächtnistag des Letzten Abendmahls und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus ein hoher liturgischer Rang zukommt.

Ein alter und ausdrucksstarker Ritus innerhalb der „Messe vom Letzten Abendmahl" ist die Fußwaschung nach Joh 13,34 (vgl. Messbuch, S. [23]). Sie sollte nicht als biblisches Spiel missverstanden werden, sondern als Symbol dienender Liebe. Darum ist eine Zwölfzahl der Männer (in der Praxis sind vielerorts auch Frauen beteiligt) zu vermeiden. Ebenfalls charakteristisch für diesen Tag ist das Schweigen der Glocken (vielerorts auch der Orgel) nach dem Gloria bis zur Osternacht, welches als Ausdruck der Demut in Nachahmung der Erniedrigung des Herrn gedeutet werden kann. Zum ältesten Traditionsgut der Kirche gehört weiterhin, dass am Vormittag des Gründonnerstags in der jeweiligen Kathedralkirche im Rahmen der Chrisammesse die Heiligen Öle für die Diözese geweiht werden.

Manuel Uder

Im „Letzten Tipp" in pgd 3/07 wurde vorgeschlagen, Hauskranken die Kommunion direkt aus der Abendmahlsmesse zu bringen. Aber freuen sich Kranke um diese Zeit über die Hauskommunion? Viel früher ist der Gottesdienst ja wohl kaum zu Ende, wenn ein halbwegs vernünftiger Zeitansatz gewählt wird. Aber die meisten Kranken schlafen dann zu dieser Zeit, so jedenfalls meine Erfahrung. Oder soll man den Abendmahlsgottesdienst praktischerweise schon um 16 oder 17 Uhr beginnen? Pfr. Thomas Kratzer

Ihre Frage ist sehr berechtigt. Mancherorts beginnt der Gottesdienst schon um 18.00 oder 18.30 Uhr. Da ist die anschließende Krankenkommunion in der Regel kein Problem. Wenn die Abendmahlsmesse erst um 19.30 oder noch später beginnt, ist der Vorschlag tatsächlich nicht mehr ohne weiteres durchführbar. Ganz ausgeschlossen erscheint er allerdings auch dann nicht unter der Voraussetzung, dass die Betreffenden eingeladen werden, vorher selbst z.B. die Abschiedsreden zu lesen oder eine entsprechende Andacht zu beten. Dazu eignen sich z. B. die Andachtsmodule GL 675,6; 675,8; 676,1; 676,3 bzw. die Andachten KG 224-227 sowie die Gesänge zu Jesus Christus und Eucharistie. Wenn Kranke nicht in der Lage sind, die Texte selbst zu lesen, findet sich vielleicht jemand aus der Familie, der das Vorlesen übernimmt. Das kann zu einem schönen Erlebnis von Hauskirche werden.

Der außerordentliche Zeitansatz hebt diesen Abend selbst und die Kommunion als etwas Außerordentliches hervor. Das entspricht der Bedeutung des Ereignisses, das jetzt gefeiert wird.

Redaktion

Bei uns gibt es seit Jahrzehnten an Sonntagen eine Wort-Gottes-Feier mit Kommunionausteilung, in den letzten Jahren wiederholt auch am Gründonnerstag. Nun hören wir, dass diese Form inzwischen verboten sei. P. H.

Im Messbuch findet sich bereits von Anfang an (seit 1975) der Satz: „Die heilige Kommunion darf den Gläubigen nur innerhalb der Messe gereicht, den Kranken jedoch zu jeder Tageszeit gebracht werden." (MB, S. [22]) Diese Vorschrift ist also nicht neu.

Es mag sein, dass bei der Formulierung dieser Rubrik noch nicht an eine WGF mit Kommunionausteilung gedacht wurde, sondern eher an die damals noch verbreitete Tradition, dass in manchen Beichtkirchen und an Wallfahrtsorten mehrmals am Tag außerhalb der Messfeier die Kommunion ausgeteilt wurde. Das sollte am Gründonnerstag verboten sein. Dagegen sollte Kranken und anderweitig körperlich beeinträchtige Menschen die Kommunion gebracht werden können. Und von da aus war es kein großer Schritt, das, was später in priesterlosen Gemeinden an Sonntagen Brauch wurde, am Gründonnerstag bei einer Verhinderung der Teilnahme mangels Fahr- oder Mitfahrgelegenheit usw. gelten zu lassen.

Was bei einer solchen Argumentation allerdings übersehen wurde, ist die Tatsache, dass es sich bei der Krankenkommunion immer um eine Einzelkommunion handelt, nicht aber um einen Gemeindegottesdienst. Von daher greift sie nur insofern, als darin der Wille der Kirche erkennbar wird, Gläubigen, die ohne eigenes Verschulden an der Teilnahme an der Abendmahlsmesse verhindert sind, in der Kommunion wenigstens eine reduzierte Form der Teilnahme an der Eucharistiefeier zu ermöglichen. Die gottesdienstliche Versammlung einer Ortsgemeinde hat aber eine andere Qualität als das Überbringen der Kommunion an Kranke.

Abendmahlsmesse, Karfreitagsgottesdienst und Osternachtfeier bilden eine Einheit und sind Teil der höchsten Feier des ganzen liturgischen Jahres. Darum sind in diesem Fall an die Bereitschaft aller Beteiligten, Hindernisse zu überwinden, strengere Maßstäbe anzulegen als bei anderen, regelmäßigen Feiern im Laufe des Kirchenjahres. Der besondere Inhalt ist die Einsetzung der Eucharistiefeier, nicht einfach der Kommunion.

Weil es um dieses Gesamtgeschehen und um die Einheit der ganzen Drei-Tage-Feier geht, heißt es in den Leitlinien für eine Gottesdienstordnung für Triduum Sacrum, Weihnachten, Fronleichnam der Liturgiekommmission der Deutschen Bischofskonferenz: „Eine Wort-Gottes-Feier (mit oder ohne Kommunionspendung) kann die Abendmahlsmesse nicht ersetzen." Empfohlen werden „mit einem anderen Zeitansatz die Vesper, eine eucharistische Andacht, Betstunden oder eine Ölbergwache". Die einschlägigen Leitsätze der Liturgischen Kommission Österreichs begründen: „Das Hochgebet als Worthandlung sowie die Brotbrechung und der Kommunionempfang als das leibliche Vollziehen des im Gebet Gesprochenen sind in dieser Feier eine unteilbare Einheit. Von daher ist Kommunionempfang nur in der Messe vom Letzten Abendmahl selbst möglich." Die österreichischen Leitsätze empfehlen als Alternativen: „Tagzeitenliturgie: Vesper oder Lesehore mit den Abschiedsreden Jesu (und Fußwaschung); Wort-Gottes-Feier mit Fußwaschung nach der Verkündigung des Wortes Gottes" sowie im Anschluss daran eine "Agape und nächtliche Anbetung vor dem Allerheiligsten".

Eduard Nagel