Gebetswoche für die Einheit der Christen

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen ist die weltweit wichtigste ökumenische Gebetsinitiative. Sie greift die Bitte Jesu „Alle sollen eins sein“ (Joh 17,21) auf und bringt Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen zum gemeinsamen Gebet zusammen. Ihre Wurzeln reichen in das 19. Jahrhundert zurück: Die 1846 gegründete Evangelische Allianz führte eine Gebetswoche zu Beginn des Jahres ein; Papst Leo XIII. empfahl später eine Gebetsnovene vor Pfingsten. Auf Anregung des anglikanischen Geistlichen Paul Wattson (1863–1940), der später zur katholischen Kirche übertrat,  legte Papst Benedikt XV. den Zeitraum vom 18. Januar (damals Fest der Cathedra Petri) bis zum 25. Januar (Fest der Bekehrung des Apostels Paulus) fest.

Einen entscheidenden Impuls erhielt die Gebetswoche durch den französischen Priester Paul Couturier (1881–1953). Er warb dafür, nicht mehr um die „Rückkehr“ der anderen Kirchen zu beten, sondern um jene Einheit, „wie Christus sie will und mit den Mitteln, die er will“. Dieses Verständnis prägt die Gebetswoche bis heute. Sie wird inzwischen von katholischen, evangelischen, anglikanischen, orthodoxen und zahlreichen weiteren Kirchen weltweit begangen; manche Kirchen der Ostkirche feiern sie – entsprechend ihrem Kalender – in der Zeit vor Pfingsten.

Seit 1968 werden die Materialien gemeinsam vom Dikasterium (bis 2022: Kongregation) zur Förderung der Einheit der Christen und der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen herausgegeben. Jedes Jahr bereitet eine ökumenische Gruppe aus einem anderen Land die biblischen Texte, Gebete und Gottesdienstvorschläge vor. So verbindet die Gebetswoche das gemeinsame Hören auf die Heilige Schrift mit der Bitte um sichtbare Einheit der Kirche und macht deutlich, dass die Ökumene ihren Anfang und ihre Mitte im gemeinsamen Gebet hat.

Redaktion „Gottesdienst“

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