Ein Friedhof ist ein abgegrenzter Ort, an dem Verstorbene bestattet und ihrer gedacht wird. Das Wort geht auf althochdeutsch frīthof zurück und bezeichnete ursprünglich einen eingefriedeten oder geschützten Hof; erst später wurde „Friedhof“ mit dem heutigen Verständnis von „Frieden“ verbunden. In der Antike lagen Gräber und Gräberfelder in der Regel außerhalb der Siedlungen und Städte; im Römischen Reich war die Bestattung innerhalb der Stadtgrenzen grundsätzlich nicht erlaubt. Erst im Mittelalter entstanden in Europa zahlreiche Friedhöfe unmittelbar bei den Kirchen. Die Nähe zum Kirchengebäude brachte zum Ausdruck, dass die Verstorbenen zur Gemeinschaft der Glaubenden gehörten und ihre Auferstehungshoffnung mit dem Glauben der Kirche verbunden war. Daher wird ein Friedhof bei einer Kirche auch als „Kirchhof“ bezeichnet.
Ein katholischer Friedhof wird bei seiner Eröffnung gesegnet; dabei wird in der Regel auch ein Kreuz aufgestellt. Die liturgische Feier kann als Prozession zum Friedhof mit Wortgottesdienst, Predigt und Segensgebet gestaltet werden. Das Kreuz, der Friedhof und die Versammelten werden mit Weihwasser und Weihrauch in die Feier einbezogen. Die kirchliche Begräbnisfeier kann auf dem Friedhof mit der Beisetzung am Grab verbunden werden. Das Kreuz am Grab verweist dabei auf den Grund der christlichen Hoffnung: Tod und Auferstehung Jesu Christi.
Die Bestattungskultur verändert sich jedoch seit einigen Jahren rasant. Neben der traditionellen Erdbestattung gibt es heute viele Formen der Urnenbestattung, etwa in Urnengräbern, Kolumbarien oder Gemeinschaftsanlagen. Auch Baumbestattungen auf Friedhöfen und Bestattungen in dafür ausgewiesenen „Friedwäldern“ sind verbreitet; hinzu kommen etwa See- und Flussbestattungen. Damit verändert sich auch die Bedeutung des Friedhofs als Ort von Trauer und Erinnerung. Für die kirchliche Bestattung bleibt jedoch der konkrete Ort wichtig: Die namentlich bezeichnete Grab- oder Gedenkstätte ermöglicht es, einen Verstorbenen weiterhin persönlich zu erinnern und seiner im Gebet zu gedenken. Wo eine Bestattung außerhalb eines Friedhofs erfolgt, stellt sich deshalb die Frage nach anderen Orten und Zeichen des Gedenkens.
Manuel Uder, Trier