Elevation

An einem Sonntag im Jahr 1600 drängen sich die Menschen in einer Kirche. Sie verstehen die leise und darüber hinaus auf Latein gesprochenen Gebete des Priesters am Altar nicht; manche kommen erst kurz vor dem entscheidenden Augenblick herein. Dann erklingt plötzlich das Messglöckchen: Der Priester hebt die konsekrierte Hostie empor, Weihrauch steigt auf, und die Gläubigen versuchen einen Blick auf das Allerheiligste zu erhaschen. Für viele gilt dieser Moment als Höhepunkt der Messfeier. Wer den erhobenen Leib Christi erblickt, empfängt Segen, Schutz und Heil. Diese Form der Frömmigkeit wird später als „Augenkommunion“ oder „Schaufrömmigkeit“ bezeichnet, weil das Schauen der konsekrierten Gaben an die Stelle des seltenen sakramentalen Kommunionempfangs getreten war.

Das Hochheben der eucharistischen Gaben in der Messfeier bezeichnet man als „Elevation“ (lat. elevare = hochheben). Besonders gemeint ist damit die Erhebung von Hostie und Kelch nach den Einsetzungsworten im Eucharistischen Hochgebet. Auch bei der abschließenden Doxologie („Durch ihn und mit ihm und in ihm …“) werden die eucharistischen Gaben emporgehoben. Darüber hinaus spricht man teilweise auch von der Elevation bei der Gabenbereitung, wenn der Priester Hostienschale und Kelch leicht erhebt und die Begleitgebete spricht.

Die Elevation entwickelte sich im Mittelalter und wurde von Zeichen der Verehrung begleitet, etwa vom Läuten der Glocken oder der Inzensierung der eucharistischen Gestalten. Sie unterstreicht den Glauben an die Gegenwart Christi in Brot und Wein. Zugleich besteht die Gefahr, die Wandlung nur auf den Moment der Einsetzungsworte zu konzentrieren. Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils betont deshalb stärker, dass das Eucharistische Hochgebet eine Einheit bildet: die Danksagung, die Herabrufung des Heiligen Geistes, die Einsetzungsworte, die Anamnese und die Doxologie bilden gemeinsam das große Gebet der Kirche über Brot und Wein.

Manuel Uder, Trier

Gottesdienst-Hefte

Die Zeitschrift Gottesdienst im Abo

Unsere Zeitschrift bietet Ihnen Beiträge zu Grundfragen und neuen Entwicklungen im Bereich gottesdienstlicher Feiern, einen Praxisteil mit erprobten Textvorlagen und konkreten Modellen für den katholischen Gottesdienst sowie Hinweise auf aktuelle Vorgänge, Ereignisse und Tagungen. 

Zum Kennenlernen: 3 Heft gratis

Jetzt gratis testen