Bitttage

Die Bitttage sind besondere Gebets- und Bußtage, die traditionell am Montag, Dienstag und Mittwoch vor dem Hochfest Christi Himmelfahrt begangen werden. In vielen Gemeinden finden an diesen Tagen Bittgottesdienste oder Bittprozessionen statt, die häufig als Flurumgänge gestaltet sind. Ihren Ursprung haben die Bitttage im 5. Jahrhundert, als in Zeiten von Naturkatastrophen und anderen Bedrohungen gemeinsam um Gottes Beistand gebetet wurde. Im Mittelpunkt stehen bis heute die Bitte um Gottes Segen für die Schöpfung, die menschliche Arbeit und das Leben der Menschen.

Ursprünglich galten die Bitten vor allem einer guten Ernte sowie der Bewahrung vor Unwettern, Seuchen, Hungersnöten oder Krieg. Heute haben die Bitttage einen weiter gefassten Horizont. Die Liturgie lädt dazu ein, für alle „wesentlichen Bereiche und Gefährdungen des gegenwärtigen Lebens“ (Deutsche Bischofskonferenz, 1972) zu beten. So kommen etwa Frieden, soziale Gerechtigkeit, der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen, die Bewahrung der Schöpfung sowie die Anliegen der örtlichen Gemeinde in den Blick. Prozessionen durch Felder und Ortschaften machen sichtbar, dass sich das Gebet auf die konkrete Lebenswelt der Menschen bezieht.

Neben ihrem Bittcharakter besitzen die Bitttage auch eine Dimension der Umkehr und Buße. Sie erinnern daran, dass der Mensch seine Zukunft nicht allein in der Hand hat, sondern auf Gottes Segen angewiesen bleibt. Zugleich laden sie dazu ein, die eigene Verantwortung für Mitmenschen und Schöpfung wahrzunehmen. Gerade angesichts von Klimawandel, Umweltzerstörung und globalen Krisen gewinnen die Bitttage so eine neue Aktualität: Sie verbinden das Vertrauen auf Gottes Hilfe mit der Bereitschaft, das eigene Leben und Handeln kritisch zu hinterfragen.

Manuel Uder, Trier

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