Angelus-Gebet

In vielen Gegenden läutet dreimal am Tag (um 6:00 bzw. 7:00, 12:00 und 18:00 Uhr) eine einzelne Kirchenglocke (nicht nur in katholischen Kirchtürmen) zum Gebet. Vielfach ist die Bedeutung dieses Läutens als Einladung zur Unterbrechung der Arbeit durch das Gebet gar nicht mehr bekannt. - Etwa seit dem 14. Jahrhundert gibt es das regelmäßige Glockenzeichen am Morgen, Mittag und Abend als „Angelusläuten". Ursprünglich hängt es mit dem Ruf zum Stundengebet zusammen. Da man der hart arbeitenden Bevölkerung die zeitaufwendigen Horen des Stundengebets mit ihrer Fülle an Psalmen und Gesängen nicht zumuten konnte, entstand als volkstümliche Ersatzform das Gebet „Der Engel des Herrn", das auch auf dem Feld oder in der Werkstatt in kurzer Arbeitsunterbrechung gebetet werden konnte. Als Gebetseinladung erfolgt bis heute ein etwa einminütiges Läuten. Das Gebet (vgl. GL 3,6) betrachtet dann die Menschwerdung Jesu, ausgehend von dem Verkündigungs-Dialog zwischen dem Engel Gabriel und Maria. Nach jedem der drei Betrachtungsworte wird ein „Gegrüßet seist du Maria" gebetet. Abschließend folgt die Oration.

Beginn der Entwicklung des Angelusgebets stand im 13. Jahrhundert der franziskanische Brauch, beim abendlichen Läuten Maria zu grüßen. Abendliche Glockenzeichen waren auch sonst weit verbreitet, z.B. als Mahnung, das offene Herdfeuer abzudecken, verbunden mit einem Gedächtnis der Menschwerdung Jesu. Das morgendliche Glockenzeichen wurde als Gedächtnis der Auferstehung Jesu gedeutet, das Mittagsläuten als Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu.

Redaktion