Wörter zum Klingen bringenSprache und Präsenz als Gestaltungsmittel

Sprechen steht im Dienst der Kommunikation. Als Lektor/in muss ich mit meiner Sprache die Hörer/innen erreichen. Um in einem Kirchenraum verstanden zu werden, muss ich als Sprechende/r diesen Raum auch einnehmen. Voraussetzung dafür ist die Grundhaltung. Ein fester Stand, aufrechter Oberkörper und eine gestraffte Mimik ermöglichen eine direkte Ansprechhaltung. Konzentration und innere Sammlung schaffen Präsenz. Nun geschieht viel über die Sprache: Ähnlich wie auf einer Bühne, bei einer Oper oder einem Schauspiel, ist Präzision gefordert. Über die Artikulation findet die Sprache ihren Ausdruck.

Jeder kennt die Einteilung der Sprachlaute in Vokale und Konsonanten, oder Selbstlaute und Mitlaute. Während die Vokale den Stimmklang in den Raum tragen, fungieren Konsonanten wie Stützpfeiler, die der Sprache Kontur und Stütze geben. Mit ihnen steht und fällt ein deutliches Sprechen.

Die aktiven Sprechwerkzeuge sind die Zunge, die Lippen und der Unterkiefer. Mit einem „Nuscheln“ verbindet jeder eine verkniffene, verwaschene Sprache. Wenn die Zähne nur wenig auseinander bewegt werden, hat der Stimmklang buchstäblich wenig Raum, in dem er sich entfalten kann. Ein resonanzarmer Klang kann auch den äußeren Raum nicht füllen. Um besser verstanden zu werden, und zwar ohne besonders laut zu sprechen, muss vor allem der Mund geöffnet werden. Häufig ist dies ungewohnt und verlangt sogar Mut. Auch die Zunge darf nicht durch Trägheit „den Mund verschließen“.

Die Ausdruckskraft der Laute

Wie erreiche ich eine deutliche Sprache?

  • Konsonanten verleihen der Sprache Kraft. Die Atemluft wird gegen einen Widerstand nach außen geführt. Dadurch erhält die Sprache den nötigen „Effekt“. Wir brauchen nicht Lautstärke, sondern präzise Bewegungsmuster. Explosive Konsonanten wie /p/, /t/ oder /k/ bewirken dies, z. B. „Eure Kleider werden von Motten zerfressen“ (Jak 5, 2).
  • Konsonanten machen die Stimme tragfähig. Damit die Stimme in einem großen Raum klingen kann, braucht sie die Intensität der Konsonanten. Dies kann neben impulshaften Lauten auch die kontinuierlich strömende Atemluft sein, z. B. bei /f/, /sch/, /ch/: „Ich betete…, ich flehte…, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr“ (Weish 7, 7-8). Hier gilt es, mit der Sprache „dranzubleiben“, damit sie am Zielpunkt ankommt.
  • Die Stimme braucht Reichweite. Diese erhält sie neben dem Klang der Vokale auch durch die Geschmeidigkeit fließender, stimmhafter Laute wie /l/, /m/ oder /n/: „Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden … alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu.“ (Gen 2, 10).

Nun können wir beim Lesen nicht überlegen, durch welche Laute sich die Wörter auszeichnen und wie die Sprechwerkzeuge am besten zu koordinieren seien. Sprechen ist in erster Linie entspannt. Wir müssen unmittelbar umschalten zu dem, was die Sprache, die wir vorfinden, uns abverlangt. Sprechen fordert die Beweglichkeit und Elastizität eines Tischtennisspielers und die Reichweite eines Speerwerfers. Diese Virtuosität will geübt sein.

Mit einer sorgfältigen Aussprache erreichen wir viel, um die Botschaft des Textes beim Hörer zum Klingen zu bringen.

Sprechfitness

Bereiten Sie sich durch ein kleines Aufwärmprogramm auf das Sprechen vor.

  • Für eine aufrechte Haltung: Locker auf den Zehenballen wippen. Den Kopf zur Seite Richtung Schulter bewegen. Schultern kreisen.
  • Für eine gute Atemspannung: p - t - k - ssss sprechen.
  • Für bewegliche Sprechwerkzeuge: Lippen „schnarren“ lassen. Zunge im Mund kreisen.
  • Für Stimmresonanz: m summen, m im Mund bewegen, ebenso n, ng.
  • Für Reichweite der Stimme: Ausrufe sprechen, z.B. „Hallo“, „Wer da?“, „Ach ja“.
  • Generell: Üben Sie gelegentlich Zungenbrecher. Sprechen Sie dabei nicht so schnell wie möglich, sondern deutlich und fließend. Auch kurze Verse oder Gedichte sind hilfreich, die durch ihren Rhythmus der Sprache Struktur geben.

Betrachten Sie dann den Text: Ist er erzählend, kommen mehrere Personen zu Wort? Ist es eine theoretische Abhandlung, wo gerade der logische Zusammenhang deutlich werden muss? Kommt eine Schärfe zum Ausdruck, die in der Sprache spürbar ist? Zum Beispiel: „Lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert.“ (Hebr 4, 12) Lesen Sie den Text laut. Indem Sie sich hören, schalten Sie eine weitere Sinnes- und Erfahrungsquelle ein.

Wenn Sie sich dann die Wörter „auf der Zunge zergehen lassen“, werden Sie auch die Charakteristik eines Textes treffen. Wenn Sie nun noch in den Raum und nicht für sich oder den Ambo sprechen, werden Sie präsent und Ihr Vortrag wird von guter Qualität sein.

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