Prozessionsgesänge

Bezeichnung für die Gesänge zum Einzug, zur Gabenprozession und zum Kommuniongang. Die Prozessionsgesänge sind musikalische Begleitung des liturgischen Geschehens und entfallen, wenn die Handlung weggelassen wird. Wenn die Handlung nur kurz dauert, kann der betreffende Text aus dem Messbuch auch gesprochen werden. Die Evangeliumsprozession wird vom obligatorischen Halleluja begleitet (außer in der Österlichen Bußzeit).

Manche Modellbücher, und sogar ein Taschen-Messbuch, bieten Vorlagen für Kyrierufe am Palmsonntag an. Werden diese vor oder nach der Prozession gesungen bzw. gebetet? A. B.

Weder vor noch nach der Prozession: In der Hauptmessfeier der Gemeinde am Palmsonntag kommt gar kein Kyrie vor. Der Eröffnungsteil dieser Messfeier hat eine ganz besondere, im Kirchenjahr einzigartige Form: Weil wir des Einzugs Jesu in Jerusalem gedenken, ziehen wir ihm wie die Einwohner Jerusalems in einer Prozession mit Zweigen in den Händen entgegen. Dazu versammelt sich die Gemeinde außerhalb des Kirchenraums, wo in einem kurzen Stationsgottesdienst die Zweige gesegnet werden und das Evangelium vom Einzug des Herrn in Jerusalem verkündet wird. Dann zieht die ganze Gemeinde in Prozession in die Kirche ein. Der Gang wird durch den Jubelruf „Hosanna dem Sohn Davids“ oder den Hymnus „Ruhm und Preis und Ehre sei dir“ (GL 176,4 / KG 415) begleitet. Nachdem alle ihre Plätze eingenommen haben und der Priester den Altar gegrüßt und inzensiert hat, folgt - die Prozession abschließend - das Tagesgebet der Messe. Die übrigen Teile der Eröffnung entfallen, auch das Kyrie, sei es als Form des Allgemeinen Schuldbekenntnisses (mit Vergebungsbitte) oder als christologischer Huldigungsruf. Da sowohl Kyrierufe als auch der vorgesehene Prozessionsgesang (s.o.) Huldigungsrufe an Christus sind, wäre ein zusätzliches Kyrie eine unnötige Doppelung im Gesamtverlauf der liturgischen Feier und würde dem Huldigungsruf „Hosanna …“ des Palmsonntag seinen besonderen Wert nehmen.

Eduard Nagel