Prozession

Als Prozession (lat. procedere = voranschreiten, hinziehen) bezeichnet man allgemein das feierliche liturgische Geleit. Die Betonung liegt hierbei weniger auf dem Erreichen eines bestimmten Zieles - z. B. eines Heiligtums, wie es bei Wallfahrten üblich ist - als auf dem Prozess des gemeinsamen Voranschreitens und des Innehaltens an Stationen. Prozessionen werden durch Gesänge, Gebete und weitere Zeichenhandlungen ausgestaltet. Die mitgehenden Gläubigen drücken durch die Teilnahme ihre Verbundenheit mit Christus aus. Darüber hinaus haben im öffentlichen Raum stattfindende Prozessionen einen Bekenntnischarakter.

In der sonntäglichen Eucharistiefeier können mehrere Prozessionen stattfinden: Der Priester und die Assistenz ziehen mit dem Evangeliar und dem Kreuz durch den Mittelgang in die Kirche ein und am Schluss auf die gleiche Weise wieder aus. Das Evangeliar wird vom Priester oder Diakon, begleitet von Ministranten mit Kerzen und Weihrauch, vom Altar zur Verkündigung zum Ambo getragen. Zur Gabenbereitung bringen Gemeindemitglieder (meist Ministranten) die Gaben zum Altar. Verbreitete Formen von Prozessionen in der Öffentlichkeit sind die Fronleichnamsprozession mit dem Allerheiligsten, die Palmprozession am Palmsonntag sowie Segensprozessionen und Flurprozessionen, bei denen das Kreuz vorangetragen wird und bestimmte Orte (z. B. Felder) mit Weihwasser besprengt werden. Der bei Kindern beliebte Martinszug stellt ebenfalls eine Prozession dar.

Prozessionen verdeutlichen symbolhaft eine Kirche, die sich als pilgerndes Gottesvolk versteht, welches sich auf dem Weg zur Vollkommenheit, zu Christus, befindet.

Manuel Uder

In meiner Heimatgemeinde wurde bisher an Christi Himmelfahrt nach dem Hochamt eine Prozession mit dem Allerheiligsten durch das Dorf gehalten. Nun hat der neue Pfarrer diese Prozession in Frage gestellt, und der Pfarrgemeinderat hat beschlossen, die Prozession nicht mehr durchzuführen. Der frühere Pfarrer hat uns seinerzeit erklärt, dass Jesus auch nach seiner Himmelfahrt bei uns sei und dies in der Prozession besonders zum Ausdruck komme. - Sind Prozessionen mit dem Allerheiligsten auf Fronleichnam beschränkt? F.-J. Sch.

Eucharistische Prozessionen neben der Fronleichnamsprozession gab es in der Vergangenheit an vielen Orten; Christi Himmelfahrt war dafür ein bevorzugter Termin. Es waren in der Regel besonders feierliche Flurprozessionen, bei denen um Segen für die Früchte der Erde gebetet wurde. Die meisten davon sind in den letzten Jahrzehnten außer Gebrauch gekommen, weil sich das gesellschaftliche Umfeld verändert hat: Der Agrarbereich als Existenzgrundlage eines Großteils der Bevölkerung hat an Bedeutung verloren; sehr viele Menschen sehen keinen unmittelbaren Bezug mehr zwischen dem Glauben an Gott und ihrem Alltag; die Demonstration des Glaubens an den in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn stößt bei vielen Menschen auf Befremden. So wurde selbst die Fronleichnamsprozession vielerorts in Frage gestellt.

Auch hat sich das Eucharistieverständnis verrändert: Zentral ist die Feier selbst, in der Christus gegenwärtig wird und den Mitfeiernden begegnet; die Aufbewahrung dient in erster Linie dazu, dass Kranken und Sterbenden die Kommunion gebracht werden kann; in zweiter Linie gibt sie den Gläubigen Gelegenheit, den Herrn im Tabernakel zu einem stillen Gebet zu besuchen. Es gibt eine gewisse Scheu, den in der Hostie gegenwärtigen Herrn gleichsam zur Demonstration („Monstranz" = Zeige-Gerät) durch eine Umgebung zu tragen, die dem Ganzen eher verständnislos gegenübersteht. Dahinter steht nicht unbedingt mangelnder Wille und Mut zum Bekenntnis, sondern auch ein echtes Unbehagen, weil einfach Missverständnisse möglich sind.

Mancherorts gibt es Versuche, eine zeitgemäßere Form für das zu finden, was die Prozessionen früher einmal waren, indem z. B. Menschen sich an Stationen versammeln, an denen besondere Situationen des menschlichen Lebens dicht erfahrbar sind: vor oder in Krankenhäusern oder Senioren- und Pflegeheimen, bei einem Hospiz, an einem sozialen Brennpunkt, beim Friedhof, vor einer Fabrik usw. Dort wird etwas aus christlicher Sicht zu der betreffenden Situation gesagt und gebetet. Solche Formen können auch für Außenstehende ein Anstoß sein, sich mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen - vielleicht mehr als eine eucharistische Prozession, die ihnen nur fremd ist.

Wahrscheinlich wäre es gut, anstatt nur über Beibehalten oder Abschaffen der traditionellen Prozession zu diskutieren, zu fragen: Gibt es Formen und Möglichkeiten, das, was früheren Generationen so wichtig und wertvoll war, auf eine neue Weise in die heutige Umwelt und Gesellschaft hineinzutragen? Vielleicht lassen sich Lösungen finden, die sowohl den bisherigen Befürwortern der Prozession entgegenkommen als auch jene Menschen überzeugen, die sich mit dieser Form schwer tun.

Eduard Nagel

Welche Prozessionsordnung gilt für die Messdiener bei eucharistischen Prozessionen, wie sie z.B. zu Fronleichnam stattfinden? A. M.

Einfache, nicht eucharistische Prozessionen, z. B. der feierliche Einzug, die Prozessionen am Fest Darstellung des Herrn und am Palmsonntag oder auch Bitt- und Flurprozessionen, werden vom mit Leuchtern begleiteten Kreuz angeführt. Wird Weihrauch verwendet, geht dieser dem Kreuz voran. Bei einer eucharistischen Prozession jedoch ist dies anders. Kennzeichen ist das Mittragen des Allerheiligsten, d.h. des konsekrierten eucharistischen Brotes in der Monstranz. Der Priester, der die Monstranz trägt, geht immer in der Mitte der Prozession. Weihrauchfass- und Schiffchenträger gehen unmittelbar davor. Im eucharistischen Brot ist Christus selbst gegenwärtig, der Weihrauch ist Zeichen seiner Verehrung und bereitet ihm gleichsam den Weg. Angeführt wird die Prozession von einem Ministranten mit dem Prozessionskreuz, begleitet von zwei Leuchterträgern (kein Weihrauch). Darauf folgt der erste Teil der Gemeinde. In der Mitte formiert sich die Gruppe um das Allerheiligste: zuerst jene, die einen besonderen liturgischen Dienst ausüben, dann der Weihrauch direkt vor Priester mit der Monstranz. Das Allerheiligste wird von Leuchtern oder Fackeln begleitet. Dann folgt der zweite Teil der Gemeinde.

Redaktion

Die Ministranten unserer Gemeinde haben eine Frage zur Ordnung des feierlichen Einzugs: Wird das Kreuz grundsätzlich vorangetragen oder geht der Weihrauch noch vor dem Kreuz her? E. M.

Der feierliche Einzug ist vorgesehen z.B. für Bischofsmessen und an hohen Festtagen auch für den Gemeindegottesdienst. Sein Kennzeichen ist die Prozession aller liturgischen Dienste hinter dem vorangetragenen Prozessionskreuz durch die Kirche zum Altarraum. Seine Ordnung ist beschrieben in der Allgemeinen Einführung in das Römische Messbuch (AEM), Art. 82, und im Zeremoniale für die Bischöfe, Art. 128. Demnach ziehen die liturgischen Dienste in folgender Reihenfolge ein:

  1. Rauchfassträger/in (und Träger/in des Schiffchens);
  2. Kreuzträger/in, begleitet von Ministrant/innen, die Leuchter mit brennenden Kerzen tragen;
  3. die weiteren liturgischen Dienste;
  4. Diakon;
  5. der der Messfeier vorstehende Priester.
Wird Weihrauch verwendet, legt der Priester bereits vor Beginn des Einzugs Weihrauch ein. Alle ehren den Altar durch Verneigung. Der Priester ehrt ihn durch einen Kuss. Dann kann er, nachdem er ggf. nochmals Weihrauch eingelegt hat, Altar und Kreuz inzensieren. - Weihrauch ist ein besonderes Zeichen der Verehrung Christi. Bei Prozessionen wird Christus, symbolisiert im Tragekreuz, durch vorangetragenen Weihrauch der Weg bereitet. Während des Gottesdienstes wird er durch Inzens geehrt: symbolisiert im Altar, im Kreuz, im eucharistischen Brot und Wein, in seinem Wort (Evangeliar), im Vorsteher und in der versammelten Gemeinde.

Redaktion