Leseordnung

Die Schriftlesungen in den Eucharistiefeiern am Sonntag und an den Werktagen sowie die des Stundengebetes werden in Leseordnungen festgelegt. Die Leseordnung für die Sonntage und Hochfeste sieht die erste Lesung aus dem Alten Testament, die zweite aus den neutestamentlichen Briefen und eine Evangelienperikope (Perikope = Leseabschnitt aus der Heiligen Schrift) vor. Es sind also für jeden Sonn- und Festtag drei Lesungen vorgesehen. Aus schwerwiegenden pastoralen Gründen kann entweder die alttestamentliche oder die Brieflesung entfallen. Das Grundprinzip der Leseordnung ist jedoch, einen möglichst großen Teil der Bibel regelmäßig zu lesen und so den Gottesdienstteilnehmern vertraut zu machen.

Die Lesungen der Sonntage im Jahreskreis kehren im dreijährigen Rhythmus wieder. So werden im Lesejahr A Perikopen aus dem Matthäusevangelium gelesen, im Lesejahr B aus dem Markus- und dem Johannesevangelium und im Lesejahr C aus dem Lukasevangelium. Die Lesungen werden in Auswahl in der Reihenfolge übernommen, in der sie in der Bibel stehen (lectio continua - fortlaufende Lesung [in Auswahl]). Gleiches gilt für die Lesungen aus den neutestamentlichen Briefen. Dagegen werden die Lesungen aus dem Alten Testament thematisch passend zum Evangelium gewählt.

An den Sonntagen des Weihnachts- und des Osterfestkreises werden thematisch passende Evangelienperikopen ausgewählt, so in der Adventszeit u. a. Lesungen über Johannes den Täufer als den Vorboten Jesu Christi. An Werktagen wird vor dem Evangelium eine Lesung gelesen. Während die Lesungen aus dem Evangelium sich jedes Jahr wiederholen, gilt für die erste Lesung ein zweijähriger Rhythmus. In beiden Lesungen werden die biblischen Bücher oder Briefe fortlaufend in Auswahl gelesen. Für Heiligenfeste gibt es eigene Lesungen, die passend zum Leben des Heiligen ausgewählt sind.

Die Lesungen von Laudes und Vesper im Stundenbuch wiederholen sich in Angleichung an den Vierwochenpsalter im vierwöchigen Rhythmus, Heiligen- und Festtage ausgenommen.

Mir fällt auf: Im Advent handeln die Sonntagsevangelien vom Jüngsten Gericht, von Johannes dem Täufer, von der Begegnung Marias mit Elisabeth, dann kommt die Weihnachtsgeschichte bis zum Besuch der Weisen aus dem Morgenland, dann wieder Jesus bei Johannes dem Täufer. In der Zeit danach folgt die Leseordnung dem Lukasevangelium, aber in der Fasten- und Osterzeit wird der Fluss wieder unterbrochen. Wo ist da die Logik?

In der Leseordnung greifen verschiedene Prinzipien ineinander. In der Heiligen Woche feiern wir die zentralen Heilsereignisse: Leiden, Sterben, Tod und Auferstehung des Herrn, in der Zeit danach bis Pfingsten seine Erscheinungen, seine Himmelfahrt und die Geistsendung. Auf diese Feier bereiten wir uns ab Aschermittwoch vor. Es ist selbstverständlich, dass diesem Ablauf die Lesungen in dieser Zeit entsprechen. Ähnlich ist es mit dem Weihnachtsfestkreis, in dem es um das Kommen des Gottessohnes in die Welt einschließlich seiner Vorgeschichte geht. In der verbleibenden Zeit - mehr als die Hälfte des Jahres - ist all das aus dem öffentlichen Leben Jesu unterzubringen, was in den Geprägten Zeiten nicht zur Sprache gekommen ist. Dieser Stoff wird nun in den Lesejahren A, B und C den Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas folgend in Auswahl vorgelesen, wobei Texte aus dem Johannesevangelium an entsprechenden Stellen eingefügt werden. So gelingt es, sowohl den hohen Zeiten des Liturgischen Jahres gerecht zu werden als auch den Gläubigen die ganze Botschaft der Evangelien zu verkünden.

Was gilt eigentlich bei der Auswahl der Lesungen in der Werktagsmesse? Im Advent verdrängte bei uns ein Gedenktag nach dem anderen die schönen Jesaja-Lesungen: Barbara, Nikolaus, Ambrosius … P. G.

Ihre Beschwerde betrifft nicht die Leseordnung, sondern die zuständigen Priester. Lesen Sie denen aus der „Allgemeinen Einführung in das Messbuch“ Nr. 319 vor: „Im Lektionar für die Wochentage sind für alle Tage des Jahres eigene Lesungen vorgesehen. Daher sollen diese Lesungen in der Regel an ihren Tagen genommen werden, wenn nicht ein Hochfest oder Fest auf den Tag fällt“ (das trifft im Advent nur für den 8.12. zu). In der Pastoralen Einführung in das Messlektionar (Band I f. d. Sonntage, Lesejahr A) sind in Nr. 83 die Bedingungen genauer erläutert. Für Heiligengedenktage wird unterschieden zwischen Eigenlesungen im strengen Sinn, die direkt von der Person eines Heiligen handeln, und Eigenlesungen im übertragenen Sinn, die ein Kennzeichen der Spiritualität oder des Wirkens des Heiligen beleuchten. „Diese Lesungen soll man nur dann verwenden, wenn wichtige seelsorgliche Gründe dies nahe legen.“ Schließlich gibt es sog. Commune-Lesungen, die keinen engen Bezug zum betreffenden Heiligen haben und darum wirklich nur bei entsprechendem Grund - etwa wenn der betreffende Heilige Patron der Kirche ist o. Ä. - genommen werden sollen. Weiter heißt es dort: „Der Priester wird in der Gemeindemesse vor allem den geistlichen Gewinn der Gläubigen im Auge haben. … Die Kirche wünscht, dass den Gläubigen der Tisch des Wortes Gottes reicher gedeckt wird.“

Redaktion

Wir, eine kleine Gruppe von Frauen, bereiten allwöchentlich unsere „Frauenmesse" vor. Schwierigkeiten bereitet uns die erste Lesung. Das sind oft lange Texte aus dem Alten Testament, mit denen wir nichts anfangen können. Kann man da nichts anderes nehmen? B. W.

Das Mess-Lektionar gibt dem Zelebranten an den Wochentagen für die Auswahl der Messtexte einen großen Freiraum. Vorgeschrieben sind die Texte an Hochfesten und Festen. An Gebotenen Gedenktagen von Heiligen können die Lesungen vom Wochentag oder vom Heiligengedenktag genommen werden. An nichtgebotenen Gedenktagen von Heiligen und an freien Wochentagen kann man das Formular vom Tag nehmen, in der Zeit im Jahreskreis auch eine von den „Messen für besondere Anliegen“ oder den „Votivmessen“. Die Leseordnung der Wochentage sieht vor, dass biblische Bücher fortlaufend in Auswahl vorgelesen werden. Wo der Sinn einer solchen „fortlaufenden Lesung“ nicht erreicht wird, weil z. B. nur eine Messe in der Woche gefeiert wird, können aus den Lesungen der betreffenden Woche die am geeignetsten erscheinenden ausgewählt werden. Darüber hinaus heißt es in der „Allgemeinen Einführung in das Messbuch“ in Nr. 319: „Bei Messfeiern mit besonderen Gruppen kann der Priester Lesungen auswählen, die für diese Gottesdienste geeigneter sind, sofern sie aus einem approbierten Lektionar genommen werden.“ - Über diese Möglichkeiten sollte Ihr Vorbereitungskreis einmal mit dem zuständigen Priester sprechen.

Eduard Nagel