Ikonen

Ikonen sind Bilder der Ostkirche von Christus, von Maria, von den Aposteln oder Heiligen oder von Geschehnissen der Heiligen Schrift. Diese Bilder sind geweiht; in ihnen begegnet der gläubige Mensch der dargestellten Person. Indem er sich davor niederwirft oder verneigt oder die Ikone küsst oder vor ihr Kerzen oder Weihrauch entzündet, verehrt er diese Person.

Als „Gründungsikone" gilt das so genannte Mandylion, ein Bild, das angeblich von Gott und nicht von Menschenhand gemacht wurde, das im 6. Jahrhundert auftauchte und das dem Bild auf dem Turiner Grabtuch ähnelt. Seither folgen die Darstellungen Christi diesem Bild.

Für die Ostkirche bilden die lebenden und die verstorbenen Christen eine enge Gemeinschaft zur Anbetung Gottes, und die Ikonen sind gleichsam das Fenster in die geistliche Welt. Darum hat das Bild meistens einen goldenen Hintergrund, und die Maler verzichten bewusst auf eine naturalistische Malweise. In den Ostkirchen trennt die „Ikonostase", eine Bilderwand, den Altarraum vom Gläubigenraum; sie hat ein eigenes Bildprogramm.

Ikonen stellen bestimmte Motive und Typen dar, neben den traditionellen Darstellungen gibt es auch neue. Die Größe der Figuren, ihre Stellung und andere Details haben alle symbolische Bedeutung. Ikonen sind beschriftet, um eine Verwechslung der dargestellten Personen zu vermeiden. Die Ikonenmalerei gilt als religiöses Handwerk, nicht als Kunst; es wir auch vom „Ikonen-Schreiben", nicht vom Malen, gesprochen. Der Malende versteht sich als ein Werkzeug Gottes und begleitet darum seine Tätigkeit mit Gebet und Fasten.

Eduard Nagel

Inwiefern ist es liturgisch sinnvoll oder gar empfehlenswert, in der „Passionszeit“ eine Altarwand zu verhüllen, welche die Vision des Stephanus (Apg 17,55) zum Thema hat? H. S.

Die Verhüllung von Kreuzen und Bildern ab dem früher so genannten „Passionssonntag“ (5. Fastensonntag) ist mehr dem Brauchtum zuzuordnen als der Liturgie. Einen Zwang dazu gibt es nicht. Darum finden sich diesbezüglich auch keine genaueren Vorschriften. Im Messbuch heißt es: „Der Brauch, die Kreuze und Bilder in den Kirchen zu verhüllen, soll beibehalten werden. In diesem Fall bleiben die Kreuze verhüllt bis zum Ende der Karfreitagsliturgie, die Bilder jedoch bis zum Beginn der Osternachtfeier.“ (MB, S. 122) Die Verhüllung betraf ursprünglich nur Triumphkreuze, also Darstellungen des siegreichen Christus, der Leiden und Tod überwunden hat. Ebenso verhängte man alle Bilder, auf denen die himmlische Herrlichkeit dargestellt war, auch Heiligenbilder. In der Heiligen Woche sollte allein das Leiden des Herrn (und das Leiden der Heiligen in seiner Nachfolge) im Zentrum der frommen Betrachtung stehen. Eine Altarwand mit der Vision des Stephanus besitzt durchaus triumphalen Charakter: Dem Heiligen eröffnet sich in seiner Schau die himmlische Herrlichkeit ? sogar der verherrlichte Menschensohn selbst zur Rechten des Vaters - als Veranschaulichung dessen, was ihm aufgrund seines Martyriums zuteil wird: die Heiligkeit. Eine Verhüllung des Bildes wäre daher durchaus gerechtfertigt und sinnvoll.

Manuel Uder