Herz-Jesu-Verehrung

Mit dem Wort „Herz“ bezeichnen wir oft das Innerste eines Menschen. So spitzt sich auch die Erzählung über Jesu Sterben zu in der Aussage, dass Jesu Seite mit einer Lanze durchbohrt wurde und Blut und Wasser herausflossen. In dieser Szene sah die Kirche schon früh den Ursprung der Sakramente. Aus dem, was Jesus, der Sohn Gottes, war, und aus seiner Hingabe bis in den Tod fließt uns die Gnade zu, durch die wir rein gewaschen werden.

Im Mittelalter entwickelte sich an diesem Bild eine eigene Frömmigkeit, die besonders durch die Jesuiten und im 17. Jahrhundert durch die Oratorianer P. Bérulle und Johannes Eudes gefördert wurde. Aufgrund von Visionen setzte sich Margarete Maria Alcoque für ein eigenes Herz-Jesu-Fest am Freitag nach der Fronleichnamsoktav und für die Pflege der Herz-Jesu-Freitage und der Heiligen Stunde ein. Rom verhielt sich dem gegenüber lange Zeit sehr reserviert, weil wir in der Liturgie Ereignisse der Heilsgeschichte feiern, aber nicht abstrakte Ideen. Darum verweist die römische Kirche bis heute Ideen-Feiern eher in den Bereich der Privatfrömmigkeit oder der Eigenkalender von Diözesen und Ordensgemeinschaften. (Eine moderne Form solcher Feiern sind die so genannten „Themensonntage“, die eine Gefahr sein können, dass das eigentliche liturgische Jahr überlagert wird.)

Das Herz-Jesu-Fest am 3. Freitag nach Pfingsten hat trotzdem Eingang in den Römischen Kalender gefunden und die „Heilige Stunde“ als Andacht am Donnerstagabend zum Gedächtnis des Ölbergleidens Jesu sowie der Herz-Jesu-Freitag sind bis heute in vielen Gemeinden lebendig.

Eduard Nagel

Seit wann gibt es das Herz-Jesu-Fest und was ist sein Inhalt?    E. U.

Die Herz-Jesu-Frömmigkeit entstand im Mittelalter, das von einer Leidens- und Passionsfrömmigkeit geprägt war. Im Jahr 1672 wurde erstmals in der Oratorianer-Kongregation ein Herz-Jesu-Fest eingeführt. Etwa zeitgleiche Bemühungen um seine allgemeine Einführung am Freitag nach Fronleichnam fruchteten erst im Jahr 1765, als Rom das Herz-Jesu-Fest für Polen und die römische Herz-Jesu-Erzbruderschaft genehmigte. Gesamtkirchlich wurde es dann im Jahr 1856 eingeführt. Bei der Kalenderreform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil blieb das Hochfest „Heiligstes Herz Jesu“ auf dem dritten Freitag nach Pfingsten (dem zweiten Freitag nach Fronleichnam).
Ebenfalls im Mittelalter wurde einzelnen Wochentagen ein bestimmter heilsgeschichtlicher Aspekt zugeordnet. Für den Freitag ergab sich der Tod Jesu vom Karfreitag her. Auch das Messbuch nach dem Konzil von Trient (1570) hatte dem Freitag liturgisch die Messe vom Kreuz bzw. Leiden Jesu zugeordnet, sodass beides bis zum erneuerten Messbuch (1970) fest verbunden blieb.
Inhalt des Festes ist die im Bild des Herzens symbolisierte Liebe des Gekreuzigten, dem Quell des Heils (vgl. die Präfation in Bezug auf Joh 19,34), und - nach biblischem Verständnis von „Herz“ als Gesamtheit von Leib und Seele einer Person - die Verehrung der ganzen Person Jesus Christus, der zugleich ganz Mensch und ganz Gott ist.

Christoph Neuert, Trier