Gruß

Zu Beginn eines Gottesdienstes begrüßt der Priester die versammelte Gemeinde. Das deutsche Messbuch sieht hierfür acht verschiedene Formulierungen vor, beginnend mit dem kurzen, am häufigsten verwendeten "Der Herr sei mit euch" (Dominus vobiscum). Die Gemeinde antwortet immer mit "Und mit deinem Geiste". Dem Bischof ist die Formel "Der Friede sei mit euch" (Pax vobis) vorbehalten.Die ausführlicheren Formulierungen lehnen sich an die Begrüßung an, die Paulus in seinen Briefen verwendet hat: "Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus" (z.B. Röm 1, 7).

Die Begrüßung ist immer Zuspruch der Liebe und Fürsorge Gottes an die Gemeinde und kehrt deshalb an Höhepunkten des Gottesdienstes wieder. Laien als Leiter/innen von Wort-Gottes-Feiern verwenden als Gruß die traditionelle Formel "Gelobt sei Jesus Christus" oder einen Ruf wie z.B. "Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn."

In der Eucharistiefeier spricht der Priester an mehreren Stellen die Gläubigen mit den Worten „Der Herr sei mit euch“ oder mit einer anderen Formel an, auf die die Gemeinde antwortet: „Und mit deinem Geiste.“ Warum dürfen wir als beauftragte Leiter einer Wort-Gottes-Feier die Gemeinde nicht mit dem gleichen Gruß ansprechen? B.W.

Es ist richtig: Die Grußformeln in der Liturgie, die von der Gemeinde mit „Und mit deinem Geiste“ beantwortet werden, sind den Amtsträgern Bischof, Priester, Diakon vorbehalten. Das ist nicht nur in der römisch-katholischen und in der altkatholischen Kirche so, sondern auch in den Kirchen des Ostens und in den meisten Kirchen der Reformation. Der Gruß zeigt an, dass der, der ihn ausspricht, jetzt nicht einfach in eigener Vollmacht handelt, sondern im Vorsteherdienst, zu dem er durch die in der Ordination empfangene Geistgabe ermächtigt ist. Das ist auch der Grund, warum die Gemeinde auf den Gruß nicht einfach mit den Worten „Und auch mit dir“ antwortet, sondern mit „Et cum spiritu tuo“ - „Und mit deinem Geiste“.

Es ist schade, dass dieser Zusammenhang wenig bekannt ist, denn wer ihn einmal erkannt hat, wird immer, wenn er einen solchen Gruß hört, daran erinnert, dass in der Liturgie etwas geschieht, das über unser eigenes Vermögen hinausweist. Dem Bischof, Priester und Diakon macht es bewusst, in wessen Auftrag er handeln darf, und den Gläubigen, dass das Wort unabhängig von Sympathien oder persönlichem Engagement seine Kraft hat.

Eduard Nagel

Warum lautet die Antwort auf den Gruß des Priesters „Der Herr sei mit euch“ nicht einfach „Und auch mit dir“? Ich weiß, das entspricht dem lateinischen „Et cum spiritu tuo“, aber warum wird beim Priester der „Geist“ so hervorgehoben? B.M.

Bei der Übersetzung des Römischen Messbuchs in die deutsche Sprache ist über den richtigen und bestmöglichen Ausdruck für das lateinische „Et cum spiritu tuo“ unter Fachleuten sehr ausführlich beraten worden. Dabei blieb man bei der exakten Übersetzung des lateinischen Textes „Und mit deinem Geiste“. (In der Evangelischen Kirche heißt es in der erneuerten Agende „Und auch mit dir“.) Dafür gibt es einen Grund, der sich bei einer genauen Betrachtung dessen, was damit gemeint ist, erschließt. Die Antwort der Gemeinde auf den Gruß des Priesters oder Diakons bezieht sich auf die in der Ordination geschenkte Geistgabe, die zum Vorsteherdienst ermächtigt. Aufgrund dieser Geistgabe kann der Diakon und der Priester der Gemeinde zurufen: „Der Herr sei mit euch.“ Dieser Ruf ist gleichzeitig eine Feststellung und ein Wunsch; der Diakon und der Priester können ihn der Gemeinde nicht aus eigener Kraft zusprechen, sondern weil ihnen in ihrer Weihe die Vollmacht dazu als Gabe des Geistes verliehen wurde. Das also ist der „Geist“, den die Gemeinde mit ihrer Antwort bejaht und bezeugt. Damit anerkennt sie den besonderen Dienst, den der Diakon und der Priester in der liturgischen Feier ausüben.

Eduard Nagel