Dies irae

Dies irae („Tag des Zorns“) lauten die Anfangsworte einer berühmten lateinischen Sequenz (Gesang), die vermutlich im 13. Jahrhundert entstand und lange Zeit fester Bestandteil der Totenmesse (Requiem) war. Der Text verbindet in eindrucksvollen Bildern die Furcht vor dem Jüngsten Gericht mit der Hoffnung auf Gottes Erbarmen. Berühmt wurde der liturgische Gesang durch seine vielfältigen Vertonungen, etwa Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem in d-Moll (KV 626) aus dem Jahr 1791, sowie durch zahlreiche Anklänge in der klassischen Musik und Filmmusik.

Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils gehört das Dies irae nicht mehr zur Totenliturgie. Die erneuerte Begräbnisliturgie legt größeren Wert auf die christliche Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben als auf die Furcht vor dem Jüngsten Gericht. Deshalb wurden andere biblische und liturgische Texte ausgewählt, die den österlichen Charakter des christlichen Sterbens deutlicher hervorheben.

Das Dies irae wurde jedoch nicht abgeschafft, sondern in das Stundengebet verschoben: Heute kann der Hymnus ad libitum („nach Belieben“) in der zweiten Woche der Lesehore des Stundengebets gegen Ende des Kirchenjahres sowie am Gedenktag Allerseelen verwendet werden. So bleibt das Dies irae als bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit und Dichtung erhalten, ohne die Verkündigung der Begräbnisliturgie zu prägen.

Manuel Uder, Trier

Gottesdienst-Hefte

Die Zeitschrift Gottesdienst im Abo

Unsere Zeitschrift bietet Ihnen Beiträge zu Grundfragen und neuen Entwicklungen im Bereich gottesdienstlicher Feiern, einen Praxisteil mit erprobten Textvorlagen und konkreten Modellen für den katholischen Gottesdienst sowie Hinweise auf aktuelle Vorgänge, Ereignisse und Tagungen. 

Zum Kennenlernen: 3 Heft gratis

Jetzt gratis testen