Der Begriff Ordnungspolitik lässt sich zwar kaum in andere Sprachen übersetzen; es ist aber gleichwohl möglich, das Leitmotiv auf Europa zu übertragen. Wilhelm Röpke war gleichzeitig Ordnungspolitiker und Europaskeptiker. Seine frühen Befürchtungen haben sich während der letzten 50 Jahre Europäischer Integration in mancher Hinsicht erfüllt; teilweise ist die Europäische Union aber auch ein Instrument erfolgreicher ordnungspolitischer Selbstbindung durch Verträge und Delegation. Die aktuelle Staatsschuldenkrise zeigt indes, dass beide Verfahren auch scheitern können. Die Währungsunion musste Krisen hervorrufen, nachdem zu viele Länder zu früh beigetreten sind und Stabilitätsversprechen permanent gebrochen wurden. Der Weg aus der Krise führt allerdings nicht über noch mehr Zentralisierung und Stimmentausch in einer „Wirtschaftsregierung“. Nur automatische Mechanismen der strikten Regelbindung („Schuldenbremse“) schaffen wieder Vertrauen und vermeiden in Zukunft weitere Krisen dieser Art.
Amosinternational, Heft 4/2011, 10