Mesopotamien, Ägypten und Kleinasien – Die frühen Hochkulturen

Die Kulturen von Mesopotamien, Altägypten sowie Kleinasiens bildeten einige der bedeutendsten Hochkulturen der Antike.

Mesopotamien, Ägypten und Kleinasien – Die frühe Hochkulturen
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Die Hochkulturen von Mesopotamien

Im Gegensatz zu Ägypten zeichnet sich Mesopotamien durch eine größere Vielfalt an Landschaften aus, die im Laufe der altorientalischen Geschichte unterschiedlichen Völkern als Heimat dienten. Im Süden des heutigen Irak lag Babylonien, die Schwemmlandebene von Euphrat und Tigris, mit seinen Regionen Sumer im Süden und Akkad im Norden. Weiter nördlich schloss sich entlang des Tigris das nach der Hauptstadt Assur benannte Assyrien an, das bis an die Gebirge Taurus und Zagros reichte.

Im Lauf des 4. Jahrtausends v. Chr. stieg das im Süden Babyloniens gelegene Uruk zur beherrschenden Stadt auf. Hier entstanden riesige Bauwerke, Tempel und Hallengebäude. Für die Verwaltung von Gütern, Land und Personal erfand man Schrift- und Zählsysteme, aus der sich eine erste Keilschrift entwickelte. Auch das 3. Jahrtausend v. Chr. war in Babylonien von den Stadtstaaten geprägt. Kriege zwischen diesen außenpolitisch autonomen Gebilden waren durchaus nicht selten. Die wichtigsten Stadtstaaten waren Ur an der damaligen Euphratmündung sowie Lagasch am Tigris mit der jüngeren Hauptstadt Girsu. Beide kontrollierten den wichtigen Handel am Persischen Golf. Über Lagasch und das nördlich davon gelegene Umma liefen die für Rohstoffe und Luxusgüter im 3. Jahrtausend enorm wichtigen Verbindungen in den Osten nach Iran. Besonders wichtige Stadtstaaten in Sumer waren das alte Uruk, zudem Nippur, das religiöse Zentrum, sowie weiter nördlich die alte Königsstadt Kisch. Der mesopotamische Einfluss reichte im Norden bis in das heutige Nordsyrien, in den Nordostirak und die Südosttürkei, wo im frühen 3. Jahrtausend v. Chr. eine Stadtkultur mit großen Orten wie Mari, Nagar und insbesondere Ebla entstand. Zum Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. verfiel diese Kultur allerdings wieder. Die Zeit der Stadtstaaten in Mesopotamien ging mit Kämpfen um die Vorherrschaft zu Ende, in die alle Mächte vom Süden Babyloniens bis nach Syrien involviert waren. Der Sieg von Sargon von Akkad (2343–2314 v. Chr.) bedeutete den Beginn einer neuen Epoche mit einem umfassenden Reich und seiner Kultur; zugleich verschwanden Orte und Gebiete der vorangegangenen frühdynastischen Zeit von der Landkarte oder wurden in ihrer Bedeutung stark reduziert. Im Reich von Akkad (2343–2172/66 v. Chr.) wurden die ehemaligen Stadtstaaten zu Provinzen, die im Inneren in Verwaltung, Rechtspraxis und Kult weitreichende Freiheiten besaßen, aber keine eigene Außenpolitik führten und zu Abgaben an Akkad verpflichtet waren. Dieses in mancher Hinsicht föderalistische Modell der Verwaltung des Landes übernahmen die Könige von Ur (2110–2003 v. Chr.). Die Reiche von Akkad und Ur beruhten auf einem Königtum, das von den Fürsten in den Provinzen getragen wurde. Mit dem Untergang von Ur endeten die alten Stadtstaaten des 3. Jahrtausends v. Chr., die in den Provinzen des Reiches von Ur fortbestanden hatten, der Schwerpunkt der Besiedlung in Babylonien verschob sich nach Westen an den Euphrat. Zwei zuvor unbedeutende Orte übernahmen den Führungsanspruch in Babylonien: Isin in Mittelbabylonien und Larsa im Süden. Doch neben ihnen herrschte genügend Freiraum, in dem sich verschiedene lokale Kleinkönigtümer entwickelten, die z. T. in Koalitionen überleben konnten. In Nordbabylonien setzte sich schließlich im 19. Jahrhundert v. Chr. Babylon durch. Im Osten etablierte sich Eschnuna im Dijala-Gebiet als Macht. Überragt wurden solche kleineren Orte von Elam im Südwestiran, das die Zufuhr des wichtigen Zinns kontrollierte. Im Norden am Tigris tauchte nun Assur auf, das insbesondere durch die Kontrolle des Handels mit Anatolien Bedeutung gewann. Im Westen zählte die alte Metropole Mari am mittleren Euphrat weiterhin zu den Hauptakteuren, in Syrien kamen Aleppo und das östlich des Orontes gelegene Qatna hinzu. Ein komplexes Geflecht von nicht immer stabilen politischen Allianzen bestimmte die altbabylonische Geschichte. Aus den Kriegen um die Vorherrschaft in Mesopotamien mit den großen Königen Schamschi-Adad I. und Rim-Sin I. von Larsa ging schließlich Hammurabi von Babylon (1792–1750 v. Chr.) als Sieger hervor. Damit gewann Babylon den Status als Königsstadt.

Kleinasien und der Nahe Osten

Die als Handelsstadt im frühen 2. Jahrtausend wichtig gewordene Stadt Assur bildete ein Zentrum im obermesopotamischen Reich Schamschi-Adads (1808–1776 v. Chr. König von Assur). Vom 14.-12. Jahrhundert v. Chr. dehnten die Könige von Assur ihren Einfluss bis zum Euphrat aus. Im 11. Jahrhundert v. Chr. ließen nomadische und marodierende Aramäer und Sutäer jede staatliche Ordnung zusammenbrechen und bereiteten damit auch dem Reich von Assur vorläufig ein Ende. Im 9.-7. Jahrhundert v. Chr. erstreckte sich das Reich vom Persischen Golf bis zur Mittelmeerküste und bis Ägypten sowie von Khusistan und dem Zagrosgebirge bis nach Anatolien. Der Aufstieg Assyriens vollzog sich in mehreren Etappen. Mitte des 9. Jahrhunderts v. Chr. bildete im Westen der Euphrat die Grenze. Erst ein Jahrhundert später führte Tiglatpilesar III. (744–727 v. Chr.), der eigentliche Begründer des neuassyrischen Großreichs, das assyrische Heer bis nach Syrien und an die phönikische Küste, und er gliederte Babylonien ein. Sargon II. (721–705 v. Chr.) erweiterte durch seine zahlreichen Feldzüge die Grenzen in alle Richtungen, bis unter Assurbanipal um 660 v. Chr. das assyrische Reich von Ägypten bis Susa reichte. Die nicht mehr beherrschbare Größe und die fehlende ideologische Integration gelten als Gründe für den folgenden raschen Zusammenbruch des mächtigen Riesenreiches 630–612 v. Chr.

Die Besiedelung von Palästina, die die biblische Überlieferung mit dem Namen von Moses Nachfolger Josua verbindet, vollzog sich als langsamer Prozess während der Spätbronzezeit, die biblischen Berichte zu Exodus und Landnahme sind ohne historischen Wert. Die israelitische Jahwereligion der Königszeit war eine pluralistische Religion, die in ihren unterschiedlichen Schichten (Staatskult, Lokalkult, Nachbarschaftskult und Familienreligion) unterschiedliche Ausprägungen erfahren hat. Der israelitische Nationalgott Jahwe, seiner Herkunft nach ein Berggott der südlichen Wüstengebiete, trug starke Züge des kriegerischen kanaanäischen Wettergottes Baal, hat aber auch Züge eines Sonnengottes und Aspekte des alten Hochgottes El in sich vereint. Tendenzen zum Monotheismus und zur Alleinverehrung Jahwes kamen in Israel ab der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts v. Chr. auf (Elia und Elisa) und verstärkten sich ab der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. (Hosea). Der exklusive Jahwe-Monotheismus, den die israelitische Geschichtsschreibung zum Maßstab der Beurteilung der eigenen Geschichte gemacht hat, war erst ein Produkt der Exilszeit (babylonische Gefangenschaft), die mit der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar I. von Babylonien im Jahre 587 v. Chr. begann und 50 Jahre andauerte.

Um 2000 v. Chr. wanderten die Hethiter in das anatolische Hochland ein, ab ca. 1600 v. Chr. kam es zur Gründung und Ausdehnung ihres Königreiches durch König Labarna und seine Nachfolger. In den keilschriftlichen Quellen heißt das Land Hatti. Im 14. Jahrhundert v. Chr. begannen die Hethiter mit der Errichtung eines mächtigen Großreiches, das ein Jahrhundert später fast ganz Kleinasien (bis auf die Westküste) sowie großen Teile Syriens und die Insel Alasija (Zypern) umfasste. Der regierende hethitische König war der »Großkönig«. Der König musste für die Bestimmung seines Nachfolgers den Rat der Versammlung (panku) einholen. Eine wichtige, religiös fundierte Rolle kam der Tawananna, der Königin, zu. Nach seinen Eroberungen in Syrien setzte Suppiluliuma I. (um 1330 v. Chr.) zwei Söhne als Vizekönige in Aleppo und Karkemisch ein. Ein Vizekönigtum existierte auch in Tarhuntassa im 13. Jahrhundert v. Chr. In Syrien und Anatolien verpflichtete der Großkönig Vasallen, die zu militärischer Gefolgschaft und zu Tributleistungen verpflichtet wurden, innenpolitisch aber eigenständig blieben und dem Schutz Hattis unterstellt waren. Um 1190 v. Chr. endete das Hethitische Reich abrupt – vermutlich durch Thronwirren geschwächt und durch Seevölkereinfälle und dadurch ausgelöste Völkerwanderungen zerstört.

Die altägyptische Hochkultur

Besonderes Kennzeichen des ägyptischen Zentralstaates des Alten Reiches war das Fehlen einer einheitlichen Hauptstadt. Seit dem Ende der 4. Dynastie änderte sich das Verständnis des Königtums, nachdem der Sonnengott Re theologisch in den Vordergrund trat. Der König wurde nun nur noch als Sohn des Sonnengottes Re betrachtet; nicht als Gott selbst. Die Größe der Pyramiden in Sakkara und Abusir wurde zugunsten von Kultanlagen reduziert. Für die 5. Dynastie (2460–2310 v. Chr.) spezifisch sind die Sonnenheiligtümer, die – herausragend in den Reliefs der Weltenkammer des Sonnenheiligtums von Neuserre (um 2400 v. Chr.) – die Schöpfung des Sonnengottes Re betonten. In der 6. Dynastie (2318–2188 v. Chr.) etablierte sich Memphis als erste Landeshauptstadt. Mit der Demokratisierung der Landesverwaltung und der Entstehung eines Beamtentums ging der Aufstieg des Jenseitsgottes Osiris einher, der zuerst Ende der 5. Dynastie in Erscheinung getreten war. Die strenge Ausrichtung der Pyramiden und ihrer Eingänge nach Norden wiesen auf die Vorstellung eines Jenseits am Himmel, unter »niemals untergehenden« Sternen in der Nähe des Himmelspols hin; zur Bewahrung des Körpers wurde die Technik der Mumifizierung ausgebildet. Mit der inneren Konsolidierung des Staates ging die äußere einher, die über die Sicherung der Grenzen die Versorgung der Wirtschaft mit Handelsgütern und Rohstoffen sicherstellte. Als außenpolitische Brennpunkte erschienen Syrien, Palästina und Nubien, das in der 6. Dynastie Ägypten tributpflichtig war. Hinzu kamen Expeditionen in das Weihrauchland Punt an der Küste des Roten Meeres (heute Sudan). Nach der 6. Dynastie brach der Staat des Alten Reiches zusammen; Land und Kompetenzen wurden von regionalen Fürstentümern übernommen. Zu inneren dürften äußere Ursachen hinzugetreten sein, nicht zuletzt der klimatische Wandel: Seit dem Ende des Alten Reiches herrschte in Ägypten übertrockenes Klima; die textlich und bildlich erwähnten Hungersnöte könnten eine direkte Folge davon sein.

Das Mittlere Reich (12. und 13. Dynastie) bildete für über 350 Jahre einen zentral regierten Territorialstaat, der über sein eigenes Gebiet hinaus ein nubisches Kolonialreich errichtete und bis nach Syrien und Zypern reichte. In kultureller Hinsicht war es ein Höhepunkt und entscheidender Bezugspunkt für spätere Epochen. Die Zeit zwischen dem Mittleren Reich und dem Neuen Reich war die Hyksoszeit. Die 13. Dynastie (1759–1630 v. Chr.) verlor die Oberherrschaft über die nubische Provinz, ein innenpolitischer Machtverlust nach einer Blütezeit um 1700 v. Chr. folgte gegen Mitte des 17. Jahrhunderts v. Chr. Nach dem raschen Zerfall der Oberherrschaft der 13. Dynastie über Gesamtägypten übernahmen in verschiedenen Zentren des östlichen Deltas lokale palästinische Regenten die Macht, die sich als »Hyksos« (»Herrscher der Fremdländer«) bezeichneten. Es handelte sich also nicht um eine Eroberung Unterägyptens durch Fremdherrscher – wie früher vermutet –, sondern um ein endogenes Phänomen. Die palästinisch-ägyptische Mischkultur war am deutlichsten in Auaris (Tell el-Daba), der Residenz der Herrscher der 15.Dynastie (1630–1522 v. Chr.), wo seit der Wende von der 12. zur 13. Dynastie neben ägyptischer Kultur palästinisch-syrische Architektur (Sakralbauten, Häuser, Totenhäuser; Bestattungen neben dem Wohnbereich), Pferdebestattungen, Kriegergräber, Waffen, Plastik und Kleidung vorherrschte. Seit dem 17. Jahrhundert v. Chr. wurden zahlreiche Innovationen aus Vorderasien nach Ägypten eingeführt. Die im oberägyptischen Theben residierende lokale 17. Dynastie strebte erst nach eigenen Thronkämpfen seit 1550 v. Chr. die politische Hegemonie über ganz Ägypten an. Mit Ahmose und seinem Nachfolger Amenophis I. – Königen der Herrscherfamilie der späten 17. Dynastie – begann schließlich die 18. Dynastie und damit das Neue Reich (1539–1070).

Das Neue Reich war eine weitere Blütezeit. Die Staatswirtschaft prosperierte aufgrund der Einkünfte aus den Goldminen Nubiens, weiteren Expeditionen nach Punt an der ostafrikanischen Küste und des weit gespannten Handels. Im 12. Jahrhundert v. Chr. wurden – wie in vielen Staaten des östlichen Mittelmeerraumes – die Seevölker zu einem immer größeren Problem. Sie waren Anzeichen einer tief greifenden Krise der Staatenwelt des Vorderen Orients, in der zu dieser Zeit das hethitische Großreich unterging und Staaten Syriens und des Ostmittelmeerraumes zerstört wurden (Ugarit, Emar, Zypern, Mykene). Ramses III. besiegte sie in See- und Landschlachten im Nildelta. Aus der Ansiedlung einer der Volksgruppen als Söldner in ägyptischen Garnisonen Palästinas entstanden die Philister. In der 21. Dynastie zerfiel das Reich in zwei Teile. Dies war das Ende des Neuen Reiches. In der Folgezeit kamen Libyer und Assyrer auf den ägyptischen Thron, bis Ägypten schließlich zum Bestandteil des Persischen Reiches und schließlich des Weltreichs Alexanders des Großen wurde.

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Erscheint am 18.02.2019, jetzt vorbestellen

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